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Automatisiertes Handeln

Wissenschaft knackt die Markttechnik

Die Markttechnik nach Michael Voigt erklärte zum ersten Mal schlüssig Kursbewegungen an der Börse. Ein vollautomatisiertes Handeln nach dieser Methode hielt man zunächst für unmöglich. Doch Prof. Maier-Paape von der RWTH Aachen University hat das mathematische Rätsel gelöst. business-on.de sprach zum zweiten Mal mit dem Uni-Professor.

business-on.de: Herr Maier-Paape. Sie haben eine Software für einen automatisierten Börsenhandel nach der Markttechnik entwickelt. Wir haben bereits auf business-on.de darüber berichtet. Seit unserem letzten Artikel haben Sie Ihre Programmpakete erweitert, die Sie auch über Ihre Firma SMP Financial Engineering GmbH anbieten. Was ist neu?

Maier-Paape: Seit dem letzten Interview gibt es zwei neue Programmpakete. Zum einen das Programmpaket Markttechnik, welches alle markttechnischen Funktionalitäten im sogenannten „Markttechnik Plugin“ auf C++ Basis umsetzt und so durch den Schnelligkeitsgewinn auch umfangreiche Backtests ermöglicht. Das andere neue Programmpaket heißt Breakout Statistics.

business-on.de: Das Traders Magazin hat ausführlich über die 1-2-3-Markttechnik und ihre Arbeiten berichtet. Wie war die Resonanz?

Maier-Paape: Die beiden Artikel im Traders Magazin 01/2012 und 02/2012 befassten sich zum einen mit umfangreichen Statistiken zu Breakouts im DAX Future auf 10min Basis, und im zweiten Teil mit einem Handelssystem, welches die dort erzielten Erkenntnisse versucht auszunutzen. 

Insbesondere die Idee, wie wir erfolgreiche bzw. nicht erfolgreiche Breakouts definieren scheint neu zu sein und ist daher neben dem dazu gesammelten Datenmaterial auf größeres Interesse gestoßen. Sowohl die Statistiken, als auch das Handelssystem lassen sich mit dem Programmpaket Breakout Statistics umsetzen.

business-on.de: Mit Ihrer Software ist es nun möglich vollautomatisiert an der Börse zu kaufen und zu verkaufen - und zwar nach den Regeln der Markttechnik. Wie gut funktioniert das? Gerade im Hinblick auf die hohen Kursschwankungen der letzten Jahre?

Maier-Paape: Der Kern unserer markttechnischen Funktionalität ist natürlich der markttechnische Trendfinder (CheckForTrend), welcher wiederum auf einer automatisierten Erkennung von relevanten Hoch- und Tiefpunkten basiert. 

Dies vorausgesetzt, lassen sich verschiedene markttechnische Handelsstrategien wie „Trendhandel“, „Bewegungshandel“ oder „Handel aus der Korrektur heraus“ vollautomatisch umsetzten. Zur Profitabilität gibt es für einzelne Märkte mehrere Untersuchungen von meinen Studenten unter www.vtad.de/forschungsarbeiten.

Mein genereller Eindruck dazu ist, dass die Markttechnik auf großen Zeiteinheiten (z.B. Tages-Chart) ein wenig besser zu funktionieren scheint, als auf kleinen Zeiteinheiten (intraday). 

Das könnte daran liegen, dass intraday das Marktrauschen im Verhältnis zu den eigentlichen Kursbewegungen relativ groß ist. Außerdem werden gerade in letzter Zeit viele Kursbewegungen „politisch“ losgetreten, und derartige Bewegungsschübe kümmern sich natürlich nicht um die Markttechnik. 

Da sind klassische Momentum-Ansätze einfach überlegen. Eine Ausnahme scheint der Breakout-Handel zu sein, der, wie im Traders gezeigt, auch intraday gut funktioniert. Das verwundert aber wiederum auch nicht, weil der Breakout-Handel gewissermaßen Momentum-Ansatz und Markttechnik miteinander verbindet.

business-on.de: Können Sie in 3 Schritten erklären, wie die Software in der Praxis eingesetzt wird? 

Maier-Paape: Unsere Software läuft auf der Handelsplattform „Nanotrader/Future Station“ von WH Selfinvest. Sowohl das Markttechnik Plugin, als auch ergänzende Express-Programme werden dort einfach auf einen Chart geladen und sind sofort einsatzfähig. 

Obwohl das Markttechnik Plugin viele Parameter hat, gibt es nur einige wenige wirklich wichtige, wie z.B. die „TimeScale“ mit der man die „Wellenlänge“ zwischen den relevanten Minima und Maxima steuern kann. Dann muss man sich nur noch für einen Handelsansatz entscheiden und kann sofort automatisch handeln oder sich Backtests zu den Handelansätzen berechnen lassen. 

Abhängigkeiten von Parametern lassen sich mit „Sensitivitätstests“ schön veranschaulichen. Zu allen Anwendungen existieren Online-Beschreibungen (www.smp-fe.de) und alle Programmpakete können 14 Tage als Demo kostenlos getestet werden.

business-on.de: Das Trader-Magazin hat mit Ihrem vollautomatischen Breakout-System eine Jahresrendite von 26,5 Prozent ausgerechnet. Entspricht das auch Ihren Berechnungen?

Maier-Paape: Das Breakout-Handelssystem im Strategie-Artikel im Traders 02/2012 besticht im Besonderen durch einen extrem kleinen maximalen drawdown über die gesamte Testzeit von über 10 Jahre. 

Basierend auf diesem drawdown und einem üblichen Moneymanagement-Ansatz haben Überschlagsrechnungen ergeben, dass man bei 1% Kapitaleinsatz pro Trade in der Tat eine Jahresrendite von 26,5 Prozent im vorgenannten Zeitraum erreichen konnte. Hätte man als Kapitaleinsatz pro Trade 2% gewählt, wäre die durchschnittliche Jahresrendite bereits bei über 60% gewesen. 

Der maximale Einbruch des Tradingkapitals dieser beiden Systeme während der gesamten Testzeit wäre dabei mit 11,1% bzw. 21,0% sehr moderat ausgefallen.

business-on.de: Das Buch der Markttechnik von Michael Voigt empfiehlt eher ein halbautomatisches Handeln, also Einstiege manuell und den Ausstieg automatisieren. Lässt sich dadurch die Rendite steigern, bzw. ist das überhaupt messbar (menschlicher Faktor)?

Maier-Paape: Michael Voigt empfiehlt in seinem Buch das halbautomatisches Handeln, weil ihm damals ein vollautomatischer markttechnischer Handelsansatz nicht möglich schien. 

Das war gewissermaßen der Startpunkt für unsere Forschungen.
Meiner Meinung nach hat sowohl das diskretionäre Handeln, als auch das automatisierte Handeln mit Hilfe von Computern seine Vor- und Nachteile, wobei Letzteres aufgrund der Möglichkeit schnell zu reagieren immer mehr Boden gewinnen wird.

business-on.de: Ihre Software ist ein PlugIn für die Tradingsoftware Nanotrader von WH Selfinvest. Gibt es mittlerweile auch Adaptionen für andere Systeme und Broker?

Maier-Paape: Solche Adaptionen sind sicher denkbar, wurden bisher aber nicht weiterverfolgt, weil es uns forschungstechnisch nicht wirklich weiterbringt. Wir haben allerdings begonnen, eine eigene Plattform zu entwickeln, in der wir umfangreiche Backtests verschiedener Handelsansätze mit nichttrivialen Moneymanagement-Strategien verbinden und umsetzen wollen. Das war so im Nanotrader/Future Station leider nicht möglich.

business-on.de: Welche Zielgruppe haben Sie im Auge? Den freien Daytrader oder die Investmentbanker? Ist das Thema Markttechnik nun abgehandelt oder werden Sie und Ihre Studenten noch weiter an dem Thema forschen?

Maier-Paape: Unsere Zielgruppe sind generell alle am trading/investing Interessierte. Wir sind nach wie vor an Verbesserungen der markttechnischen tools interessiert und setzen diese auch um. So kann man mit der jetzigen Version des Markttechnik Plugins z.B. gezielt auf die verschiedenen Trendphasen der markttechnischen Trends zugreifen (z.B. die Phase kurz vor Erreichen des alten Punkt 2) und gegebenenfalls nur in ausgewählten Trendphasen handeln.

Dies eröffnet natürlich wieder neue Fragen, die man erforschen möchte. So könnte man z.B. untersuchen, wie sich die statistischen Ergebnisse eines bestimmten markttechnischen Handelsansatzes (auf einer kleinen Zeiteinheit) ändern, wenn man nur in gewissen Trendphasen der großen Zeiteinheit handelt (Stichwort „Großwetterlage“ beachten). Forschungen zu solchen und ähnlichen Fragen sind derzeit im Gange.

(Redaktion)


 


 

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