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Vom Mauerfall zur deutschen Einheit

Vom Mauerfall zur deutschen Einheit

Die Bilder aus dem Jahr 1989 hat jeder, der damals alt genug war, nicht vergessen. Die Mauer fiel und die deutsche Teilung nahm ihr Ende. Einer, der damals maßgeblich beteiligt war, veranschaulichte jetzt bei einer Veranstaltung der Handwerkskammer für die Region Aachen im Rahmenprogramm des Karlspreises, wie die deutsche Einheit vorbereitet und umgesetzt wurde. Nach dem informativen und zugleich unterhaltsamen Vortrag des letzten Ministerpräsidenten der Deutschen Demokra­tischen Republik, Dr. Lothar de Maizière, kamen viele Zuhörer zu dem Schluss: Dieser Beitrag müsste eigentlich Bestandteil des Geschichtsunterrichts in jeder Schule sein.

Gemeinsam mit dem diesjährigen Karlspreisträger Dr. Wolfgang Schäuble hat De Maizière damals die Vertrag liche Grundlage für die Wiedervereinigung erarbeitet. Vor rund 200 Zuhörern im Hörsaal der Kammer erläuterte er die einzelnen Schritte zur Einigung und reicherte seine Rede mit lustigen, aber auch ernsten Anekdoten aus der dramatischen Vergangenheit und durchaus zynischen Bemerkungen an.

De Maizière berichtete nicht nur über die politischen Strömungen, die es in der DDR nach der Öffnung der Grenzen gab, sondern auch über die Hindernisse, die es zu überwinden galt. Dabei saß den Verantwortlichen die Zeit im Nacken, denn nach dem Mauerfall und der Einführung der Reisefreiheit sollte es schnell zur deutschen Einigung kommen.
Für die ersten freien Wahlen mussten neue gesetzliche Bestimmungen geschaffen und viele weitere Regeln formuliert werden. Daneben galt es zu klären, wie die Länder der ehemaligen DDR aufgekündigt und welche neue Einteilung es geben sollte.

Eine große Herausforderung stellte die ökonomische Umwandlung dar. „Wir mussten die Soziale Marktwirtschaft per Knopfdruck einführen“, sagte De Maizière und erläuterte, wie die Unternehmen der ehemaligen DDR von der staatlichen Adminis­tration abgekoppelt und einer Eigenverantwortung übergeben wurden. Für einige bedeutete das, dass sie sich besser aufstellen und den „Schlendrian“ abstellen mussten, denn von nun an waren sie mitten drin im harten Wettbewerb.

Für die Entscheider und ihre Mitstreiter war es eine große Aufgabe, die Mentalitäten der Unternehmer und der Beschäftigten zu verändern. Die Umstrukturierung war gravierend und teilweise mussten sich die Verantwortlichen durch einen Wust von Anforderungen kämpfen. „Wir hatten zwar ein Ministerium für gesamtdeutsche wirtschaftliche Fragen, aber keins für gesamtdeutsche wirtschaftliche Antworten“, bemerkte De Maizière süffisant und verdeutlichte damit, wie umfangreich die an ihn und seine Helfer gestellten Aufgaben waren: „Es gab keinen Plan.“ Alles musste irgendwie funktionieren.

Politische Dimensionen

Durch genaue Beschreibung und szenische Erzählung schaffte es der Referent, die Zuhörer im Kammergebäude in seinen Bann zu ziehen. Sie konnten sich gut in die Situationen von damals reinversetzen und die politische Dimension der einzelnen Entscheidungen nun besser abschätzen.

Als „Zeuge der politischen Entwicklungen“, wie Kammerpräsident Dieter Philipp den Gastredner begrüßt hatte, erzählte De Maizière, dass die DDR anfangs 2.000 bis 3.000 Menschen pro Tag verlassen hätten. Später sei diese Menge pro Woche gegangen und dann immer weniger. Die Verantwortlichen mussten schnell handeln, damit die Abwanderung aus den Städten und vom Land weg gestoppt wurde und es auf dem Gebiet der DDR wirtschaftlich und gesellschaftlich eine Zukunft gab. Dabei spielte auch die Anpassung der Berufs- und Ausbildungsabschlüsse eine wichtige Rolle, denn sie waren entscheidend für den weiteren Werdegang der Bürger der ehemaligen DDR.
De Maizière sprach auch von den Verhandlungen mit wichtigen Machthabern der bedeutenden Staaten wie Michail Gorbatschow, Hans-Dietrich Genscher und Margaret Thatcher und den Stationen hin zum „Vertrag über die endgültige Regelung in Bezug auf Deutschland“ sowie zur Unterzeichnung in Moskau.

Wie menschlich es dabei zuging, beweist eine Anekdote, die De Maizière von diesem bedeutenden Ereignis erzählte. Er habe damals etwas verschämt den Füllfederhalter, mit dem er den Vertrag unterzeichnete, eingesteckt, weil er wusste, dass das ein ganz besonderer Anlass gewesen war. Er wollte damit aber nicht auffallen. Als er jedoch auf den Tisch geschaut hätte, hätte er bemerkt, dass alle anderen ihren Füllfederhalter ebenfalls eingesteckt hatten.

Angeregte Diskussion

Nach seinem Vortrag stellte sich Dr. Lothar de Maizière den Fragen des Plenums. Die angeregte Diskussion moderierte der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für die Region Aachen, Ralf W. Barkey. Er brachte zum Ausdruck, dass man an diesem Abend gespürt habe, dass de Maizière die Ereignisse damals nicht nur erlebt, sondern „gelebt“ hätte, und dankte ihm für seinen Vortrag.

(Redaktion)


 


 

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