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Journalistischer Nachwuchs

"Ich arbeite fast immer unter meinem üblichen Stundensatz"

Die Angst geht um bei Journalisten. Es ist die Angst, dass ihr Beruf sie nicht nachhaltig ernähren wird. Auch Angela Sendzik, eine Online-Journalistin aus Bonn, verdient mit ihren Texten für Online-Medien nicht viel Geld. In ihrer Karriere hat sie bereits die Freuden- und Schattenseiten ihres Berufs erfahren müssen und versteht insbesondere junge Nachwuchsjournalisten, die Angst haben, dass sie mit ihrem Beruf nicht genug verdienen werden.

Was waren Höhen und Tiefen, die Sie erlebt haben?

Angela Sendzik: Mal abgesehen von den bereichernden Momenten und Erfahrungen durch sehr interessante Beiträge und Prominentenkontakt möchte ich diese Frage am aktuellen Thema: „Journalistischer Nachwuchs: Angst vor der eigenen Zukunft“ festmachen, nämlich an den Verdienstmöglichkeiten. Unter Höhen kann ich frühere Verdienstmöglichkeiten laufen lassen: die Bezahlung während meines Redaktionspraktikums und mein früher üblicher Stundensatz als freie Journalistin. Heute, um zu den Tiefen zu kommen, arbeite ich meist unter bereits vorgegebenen Preisen, fast immer weit unter meinem üblichen Stundensatz.

Warum können Sie gut mit meist jungen Journalisten mitfühlen, die Angst haben, dass sie in ihrem Beruf nicht genug verdienen?

Angela Sendzik: Ich weiß, dass sehr viele Journalisten, gerade die jungen und hochmotivierten, fernab von Tarifverträgen arbeiten, sprich unterbezahlt sind. Deshalb finde ich es gut nachvollziehbar, dass Ängste, den Lebensalltag zu bestreiten, jede Selbstmotivation überlagern.

Wie sehen Sie die aktuellen Entwicklungen im Journalismus?

Angela Sendzik: Die Meinung, Journalisten würden üppig verdienen, herrscht in der Gesellschaft immer noch vor. Auf diejenigen, die rechtzeitig eine gute Stelle bei Fernsehen, Radio oder Zeitung ergattern konnten, trifft ein reichlicher Verdienst vielleicht noch zu. Vorausgesetzt dem Sender oder der Zeitung geht es wirtschaftlich gut. Das Zeitungssterben in Zeiten der neuen Medien durch Internetnutzung ist nichts Neues. Zeitungen und Zeitschriften orientieren sich längst stark online um potenzielle Leser entweder überhaupt zu erreichen oder ihnen die Möglichkeit zu bieten mit News über alle möglichen Endgeräte versorgt zu werden (Stichwort: Apps). Der Leser will nicht mehr stundenlang in einer Zeitung blättern, sondern schnell, prägnant und überall informiert werden. Von der neuen Macht der Leser ist die Rede und diese steht für die aktuellen Entwicklungen im Journalismus. Redaktionen samt ihrer Redakteure müssen noch flexibler und schneller werden als es ihr Berufsstand ohnehin erfordert. Gerade mit Blick auf die jüngsten Abhörskandale können investigative Berichterstattung und damit qualitativ hochwertige Beiträge die zunehmend indifferent gewordene Gesellschaft hoffentlich endlich wachrütteln und zeigen, dass Journalismus und kritische Berichterstattung zu einer aufgeschlossenen Gesellschaft unbedingt dazugehören.

Wie schafft man es als Online-Journalistin gutes Geld zu verdienen?

Angela Sendzik: Als Online-Journalistin habe ich noch nicht herausgefunden, gutes Geld zu verdienen. Der Online-Markt im Journalismus zeigt beim Verdienst für mich leider nach unten. Ich denke, dies liegt vor allem an der fehlenden Direktheit im Online-Bereich: Verhandlungsgespräche im Vorfeld der Auftragserteilung sind meist nicht vorgesehen. Stattdessen werden oft unglaublich geringe Honorarvorgaben gemacht, in der Art „Vogel friss oder stirb“. Immerhin werden Online-Redakteure erstmals im neu ausgehandelten Tarifvertrag (zur Tarifvertrag Definition) für Zeitungsredakteure einbezogen. Dies betrifft aber nur jene fast schon privilegierten Redakteure und Journalisten mit Festanstellung im Medienbereich und zugrunde liegendem Tarifvertrag. Der Großteil der Journalisten arbeitet weder in Festanstellung noch mit Tarifvertrag. Ich hoffe, es wird durch den neu ausgehandelten Tarifvertrag einen generellen positiven Effekt für alle Online-Journalisten geben, so dass deren Arbeit endlich stärker gewürdigt wird.

Was raten Sie jungen Journalisten? Wie kann man sich auf diesem schwierigen Markt durchsetzen und gutes, faires Geld verdienen?

Angela Sendzik: Machen wir uns nichts vor: Der Medienbereich ist trotz aller Schwierigkeiten immer noch überlaufen. Wer hier ernsthaft Fuß fassen möchte, braucht nicht nur eine journalistische Grundeinstellung, Selbstbewusstsein, Offenheit und Engagement, sondern sollte den Berufswunsch strategisch angehen. Generell kann es nicht schaden, sich selbst erst einmal zu fragen, in welchem Medienbereich man sich etablieren will und warum. Für den Start weniger unbezahlte Praktika machen, sondern lieber gleich ein Volontariat mit der Chance auf Übernahme anpeilen. Dies muss nicht zwangsläufig „nur“ bei den großen Sendern und Zeitungen sein. Vielleicht kann ich als junger Journalist über einen Nebenarm in die Medien hineinkommen. Den Blick also immer offen halten und kontinuierlich dabeibleiben.

(Redaktion)


 


 

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