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Demografischer Wandel

Demografischer Wandel ist eine Chance für Deutschland: neue Märkte und Lebenskonzepte entstehen

Teilhabe an der Gesellschaft, mehr Lebensqualität und größtmögliche Selbständigkeit bis ins hohe Alter - dies waren die Forderungen auf dem Zukunftsforum Langes Leben. Auf dem Kongress wurden am 15. und 16. September unter Schirmherrschaft des Bundesfamilienministeriums (BMFSFJ) und des Bundesforschungsministeriums (BMBF) neue Lösungen für mehr Lebensqualität in einer Gesellschaft des langen Lebens vorgestellt.

"Wir steuern auf eine Gesellschaft des langen Lebens zu: mit viel mehr rüstigen, aktiven Älteren, aber auch mit mehr Kranken und Demenzkranken", erklärte Bundesfamilienministerin Kristina Schröder am Mittwoch. "Sie alle verdienen die Chance, sich in die Gesellschaft einzubringen, und die letzte Lebensphase möglichst selbstbestimmt und mit so viel Lebensfreude wie möglich zu verbringen."

Die Politik hat bereits auf diese neue Herausforderung reagiert. Das BMFSJ hat etwa ein eigenes Referat "Soziales Wohnen" gegründet und fördert 30 Projekte, in denen Menschen generationenübergreifend miteinander wohnen. Das BMBF forscht nach Angaben des Parlamentarischen Staatssekretärs Thomas Rachel "für ein selbstbestimmtes Alter in den Bereichen Mobilität, Gesundheit und Wohnen". In Zusammenarbeit mit Gesundheitsstadt Berlin ist gerade das Projekt "1.000 Wohnungen - Leben mit innovativer Technik" gestartet. In dem mit 20 Mio. Euro geförderten Feldversuch werden 1.000 Wohnungen mit intelligenten Assistenzsystemen (AAL) ausgerüstet, die Senioren dabei unterstützen, ihren Alltag zu Hause zu meistern. AAL sind etwa Sensor-Systeme, die einen Sturz signalisieren oder beim Verlassen der Wohnung dafür sorgen, dass Herd und Bügeleisen ausgeschaltet werden.

Den Leitgedanken gesellschaftliche Teilhabe haben auch Branchen wie IT/Kommunikation, Gesundheit, Tourismus und Wohnungswirtschaft erkannt. Sie alle entwickeln derzeit zukunftsfähige Produkte und Dienstleistungen für die Generation 60 plus, die immerhin jährlich über eine Kaufkraft von rund 320 Milliarden verfügt und bald ein Drittel der Bevölkerung stellt.

Wohnungen werden so gebaut, dass auch Familien mit Kindern darin leben können. Und sie werden mit sozialen Betreuungsdiensten verknüpft, barrierefrei umgebaut und mit intelligenter Technik ausgestattet, wie etwa beim Konzept SOPHIA, das inzwischen bundesweit vertrieben wird. "Keine Seniorengettos bitte", erklärte Lutz Freitag, Präsident des Bundesverbandes deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen. "Ziel ist es, dass Menschen bis Pflegestufe 3 in der eigenen Wohnung weiterleben können."

Reiseveranstalter zeichnen ihre Reisen bewusst nicht als Seniorenreisen aus, weil das für viele abschreckend wirkt. "Unsere älteren Kunden buchen nur dann, wenn auch jüngere dabei sind", sagte Guido Wiegand, Geschäftsführer von Studiosus Reisen. IT-Anbieter passen Oberflächen und Funktionen von Smartphones und I-pads auf die Bedürfnisse von Senioren an. "Der Touch Screen mit einfach verständlichen Symbolen kommt bei unserer Zielgruppe viel besser an als der Senioren-PC mit Maus und Tastatur", berichtete Bernd Klein, Geschäftsführer der CIBEK technology GmbH. Und Internetanbieter wie feierabend.de machen das Surfen im Netz auch für Ältere attraktiv.

Das Zukunftsforum ließ keinen Zweifel daran, dass es Ideen und technische Innovationen in Hülle und Fülle gibt. Doch vielfach mangelt es noch an der Umsetzung. Gerade an den Schnittstellen Wohnen, Pflege, Krankenversicherung bestehen noch erhebliche Hürden. "Hier müssen flexiblere Strukturen geschaffen werden, auch auf Gesetzesbasis", betonte Franz Knieps von der Wiese Consult GmbH. Sinnvoll sei etwa ein Innovationsfonds für Krankenkassen, aus dem zukunftsfähige Versorgungsleistungen bezahlt werden könnten.

Die Pflegekassen übernehmen zwar heute schon einen Teil der Kosten für den pflegegerechten Wohnungsumbau. Für telemedizinische Anwendungen hingegen gibt es derzeit kein Vergütungssystem; Telemonitoringlösungen wie sie vom Medizintechnikunternehmen Biotronik für die 1,5 Millionen Menschen mit einen implantierten Herzschrittmacher oder Defibrillator, angeboten werden, werden bislang nur von einzelnen Kassen erstattet. "Obwohl die Kassen durch Telemonitoring Millionen einsparen können, müssen wir noch viel Überzeugungsarbeit leisten", meinte Dr. Manfred Elff, Geschäftsführer der Biotronik GmbH.

Auf dem Zukunftsforum wurde deutlich: In vielen Bereichen fehlt es noch an geeigneten Strukturen und tragfähigen wie finanzierbaren Konzepten. Doch der erste Schritt zum Umbau der Gesellschaft ist getan. Wie Staatssekretär Thomas Rachel zeigten sich die meisten Experten überzeugt: "Deutschland wird nicht trotz, sondern wegen des demografischen Wandels zukunftsfähig bleiben." Ulf Fink, Initiator der Initiative Deutschland - Land des Langen Leben, drückte es so aus: "Die Demografie ist der Wachstumsmotor des. 21. Jahrhunderts."

Ziel des Zukunftsforums ist es, Impulse für einen gesellschaftlich und wirtschaftlich erfolgreichen Umgang mit dem demografischen Wandel zu geben. Das nächste Zukunftsforum Langes Leben findet am 7. und 8. September 2011 in Berlin statt.

(Redaktion)


 


 

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