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Wirtschaftsgespräch

Unternehmer zur aktuellen Energiepolitik

Beim "Ersten Energiepolitischen Wirtschaftsgespräch" in der Industrie- und Handelskammer (IHK) Aachen haben Unternehmer aus der Region über Unsicherheiten und Risiken durch die aktuelle Energiepolitik geklagt.

 Die Gesprächsteilnehmer aus verschiedenen Branchen, wie erneuerbare Energien, konventionelle Energieerzeugung und -versorgung sowie Industrie und Dienstleistung, waren sich einig darin, dass ihnen klare Signale zur Steuerung der Energiewende fehlen. Wichtige Aspekte in der Diskussion waren die Preisentwicklung, die Versorgungssicherheit und die Marktintegration der erneuerbaren Energien.

"Trotz aller Bemühungen hat sich unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit beim Produktionsfaktor Energie weiter verschlechtert", meint Dirk Harten, Geschäftsführer der Schwermetall Halbzeugwerk GmbH: "Wenn wir diesen Trend nicht stoppen, ist der Industriestandort Deutschland mit seinen geschlossenen Wertschöpfungsketten ernsthaft in Gefahr." Das Stolberger Unternehmen gilt als energieintensiv. Trotz hoher Investitionen in Energieeffizienz und -management sowie reduzierter EEG-Umlage seien die Nachteile im Vergleich mit internationalen Mitbewerbern kaum zu kompensieren, sagt Harten.

Laut IHK gilt dies stellvertretend für die Auswirkungen der mit der Energiewende verbundenen Preissteigerungen, die vor allem für die stark exportorientierte Industrie im Aachener Kammerbezirk maßgebliche Wettbewerbsnachteile mit sich bringt.

Chancen auf Innovationen und Wachstum

"Das energiepolitische Wirtschaftsgespräch ist für uns der Einstieg in den Dialog mit unseren Unternehmern über die standortspezifischen Perspektiven der Energiewende", sagt Michael F. Bayer, Hauptgeschäftsführer der IHK Aachen: "Es geht um Risiken und Betroffenheit, aber auch um Chancen auf Innovationen und Wachstum für unsere Region. Die Unternehmer erhalten hier eine Plattform, um ihre Erfahrungen, Einschätzungen und Vorstellungen einzubringen."

Einer von ihnen ist auch Ian-Paul Grimble, Geschäftsführer der mittelständischen psm Nature Power Service & Management GmbH & Co. KG in Erkelenz. Von dort aus erbringt er mit rund 100 Mitarbeitern Dienstleistungen rund um den Betrieb und die Wartung von Windkraftanlagen. Für seine Branche erwartet er weiterhin nachhaltige Vorgaben durch das EEG. "Die Onshore-Windenergie hat mit 32.000 Megawatt installierter Leistung den bedeutsamsten Anteil an der bisherigen Entwicklung der erneuerbaren Energien", sagte Grimble: "Wenn die Energiewende gelingen soll, muss sich die Bedeutung der Onshore-Windenergie in dieser Legislaturperiode auch in einer EEG-Novelle wiederfinden."

Versorgungsnetze sind instabiler als früher

Den wachsenden Anteil erneuerbarer Energien betrachtet Dr. Werner Rixen, Geschäftsführer der KANZAN Spezialpapiere GmbH aus Düren auch aus dem Blickwinkel der Netzstabilität mit Sorge: "Unser Unternehmen hat mit zunehmenden Risiken bei der Energieversorgung zu kämpfen – sowohl bei der Kostenentwicklung als auch bei der Versorgungssicherheit. Durch den Einsatz erneuerbarer Energien ist das Versorgungsnetz weniger stabil als früher, es kann zu kurzzeitigen Spannungseinbrüchen kommen, die zu einem unkontrollierten Abstellen unserer Maschinen führen. In unserem Unternehmen hätte dies einen Ausfall eines halben Tages zur Folge, was zu Kosten in Höhe einer fünfstelligen Summe führte."

Hans-Joachim Bertrams, Leiter des Tagebaus Hambach der RWE Power AG, sieht die heimische Braunkohle als weiterhin wichtigen Garanten für Versorgungssicherheit und ein für ein Industrieland verträgliches Preisniveau. Der Versorgungsbeitrag der Braunkohle werde sich allerdings ändern. Sie könne die unregelmäßige Einspeisung aus Photovoltaik und Windkraft flexibel und zuverlässig ausgleichen. "Erneuerbare Energien sind noch lange auf Rückendeckung durch konventionelle Kraftwerke angewiesen", sagte Bertrams. Auch wenn erneuerbare Energien eines Tages den größten Teil des Stroms liefern, würden Braunkohlekraftwerke "als tragende Säule im Energiemix" einen wesentlichen Teil der gesicherten Leistung beisteuern müssen.

"Wir wollen die unterschiedliche Betroffenheit aller Beteiligten im Sinne der Standortsicherung und der Entwicklung unserer Wirtschaftsregion bündeln und die Politik mit unternehmerischen Realitäten konfrontieren", sagt Anke Schweda, Leiterin der Abteilung Innovation, Umwelt und Industrie der IHK Aachen. Die Kammer werde deshalb in den kommenden Monaten eine Position der Unternehmen in der Region zur Energiewende erarbeiten. Die Vertreter aus Industrie und Energiewirtschaft haben bereits signalisiert, dass sie diesen Prozess weiterhin mitgestalten wollen.

(Redaktion)


 


 

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