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Aktienmarkt

21 kuriose Wahrheiten über Aktien

Die Wissenschaft hat in den letzten Jahren eine ganze Reihe interessanter Erkenntnisse über den Aktienmarkt gewonnen. Viele davon scheinen auf den ersten Blick absurd, sind aber tatsächlich wissenschaftlich fundiert und statistisch relevant. Ich habe hier 21 dieser Erkenntnisse ausgewählt und möchte sie Ihnen, jeweils unter Nennung der Quelle(n), vorstellen.

1. Aktien mit angenehmen Namen

Flüssig auszusprechende Aktien performen deutlich besser als Aktien von Firmen, die sich nur holprig aussprechen lassen.Dieser Trend gilt auch für Tickersymbole von Aktien (z.B. AAPL für die Firma Apple oder AMZN für Amazon). Auch hier performen Buchstabenfolgen, die sich leicht aussprechen lassen, besser.

Quelle: Alter A, Oppenheimer D (2006): Predicting short-term stock fluctuations by using processing fluency. In Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America

2. Aktien mit guter Super Bowl Werbung

In den letzten 17 Jahren haben Firmen mit guter Super Bowl Werbung überdurchschnittliche Ergebnisse am Aktienmarkt erzielt. Dies gilt unabhängig von Größe und Jahresumsatz der Firmen.
Dahinter steckt das Phänomen irrationaler Vorurteile. Obwohl zwei Firmen gleiche Umsatzzahlen und Gewinnmargen haben, wird die mit dem besseren Image von Anlegern bevorzugt.
Quelle: Chang C, Jiang J, Kim K (2009): A test of the representativeness bias effect on stock prices: A study of Super Bowl commercial likeability. In Economics Letters

3. Stimmung auf Twitter

Bereits 2010 wurde gezeigt, dass eine Analyse der Stimmung auf Twitter den täglichen Verlauf des Dow Jones mit einer Genauigkeit von 87,6% vorhersagen kann. Nach einer Phase emotional ruhiger Tweets steigt der Aktienindex; eine Phase voller Aufregung und Anspannung resultiert in fallenden Kursen.
Diese Studie haben auch viele professionelle Trader gesehen. Zum Beispiel die Firma Derwent Capital Markets aus London, die einen 25 Millionen Fond aufgesetzt hat, dessen Käufe und Verkäufe von der Analyse von 10 Millionen Tweets pro Tag beeinflusst werden. Im ersten Monat erwirtschaftete der Fond einen Gewinn von 1,85%, während der S&P 500 um 2,2% gefallen ist und der durchschnittliche Hedgefond nur um 0,76% zulegen konnte.
Quelle: Bollen J, Mao H, Zeng X (2012): Twitter mood predicts the stock market. In Journal of Computational Science.

4. Beat der Musik-Charts

Populäre Musik kann Marktbedingungen vorhersagen, denn Menschen, die in eine ungewisse ökonomische Zukunft blicken, bevorzugen einfachere Musik. Ein Vergleich der jährlichen, durchschnittlichen Variation im Beat der US Billboard Top 100 von 1958 bis 2007 zur Normalabweichung der Einnahmen der Firmen im S&P 500 hat eine signifikante, negative Korrelation ergeben.
Quelle: Maymin P (2012): Music and the market: Song and stock volatility. In The North American Journal of Economics and Finance

5. Persönlichkeit des CEOs

Verschiedene Studien haben gezeigt, dass die Persönlichkeit des CEOs einen starken Effekt darauf haben kann, wie ein Unternehmen operiert. Drei Beispiele:
1. Ist ein CEO Single, geht er sowohl privat als auch beruflich mehr Risiken ein. Dies schlägt sich in stärkeren Schwankungen im Aktienkurs nieder. Der Effekt nimmt mit zunehmendem Alter des CEOs ab.
2. CEOs, die privat bereit sind für den Kauf eines Hauses viel Geld aufzunehmen, machen mit ihren Firmen eher Schulden.
3. CEOs, die einen Pilotenschein haben, führen im Job mehr Firmen-Übernahmen durch. Sowohl das Fliegen kleiner Flugzeuge als auch Übernahmen sind riskant und aufregend.
Quellen: Cronqvist H, Makhija A, Yonker S (2011): Behavioral Consistency in Corporate Finance: CEO Personal and Corporate Leverage. In Social Science Research Network.
Cain M, McKeon S (2012): CEO Personal Risk-Taking and Corporate Policies. In Social Science Research Network
Roussanov N, Savor P (2012): Status, Marriage, and Managers’ Attitudes to Risk. In National Bureau of Economic Research Working Papers

6. Insider-Trading nachahmen

Studien haben gezeigt, dass das Nachahmen von Insider-Trading gewinnbringend ist. In den USA müssen Insider ihre Trades bei der SEC innerhalb weniger Tage anmelden. Wenn man diese Anmeldungen beobachtet, kann man die gleichen Trades mit einigen Tagen Verzögerung durchführen. Die überdurchschnittliche gute Performance von Aktien, die von Insidern erworben wurden, hält nämlich mehrere Monate an.
Quelle: Cohen L, Malloy C, Pomorski L (2010): Decoding Inside Information. In National Bureau of Economic Research

7. Was das Gesicht weiblicher CEOs verrät

Eine Analyse der 20 Frauen, die 2006 CEO einer Fortune 1.000 Firma waren, kam zu dem Ergebnis, dass die Kompetenz und die Führungsqualität, die ein Foto ihres Gesichts ausstrahlt, großen Einfluss auf den Profit ihrer Firma hat.
Übrigens: Je dominanter das Gesicht eines weiblichen CEOs wirkt, desto mehr Gehalt bekommt sie.
Quelle: Rule N, Ambady N (2009): She’s Got the Look: Inferences from Female Chief Executive Officers’ Faces Predict their Success. In Sex Roles

8. Frauen im Aufsichtsrat sind schlecht für den Aktienkurs

Eine Analyse der 100 größten Firmen an der britischen Börse kam zu dem Ergebnis, dass es keinen Zusammenhang zwischen der Anzahl der Frauen im Aufsichtsrat eines Unternehmens und Umsatz oder Gewinn gibt. Allerdings wirken sich weibliche Aufsichtsratsmitglieder negativ auf den Aktienkurs aus. Firmen mit rein männlichem Aufsichtsrat werden trotz gleicher Umsatz- und Gewinnzahlen an der Börse um 37% besser bewertet!
Quelle: Haslam S, Ryan M, Kulich C, Trojanowski G, Atkins C (2010): Investing with Prejudice: The Relationship between Women’s Presence on Company Boards and Objective and Subjective Measures of Company Performance. In British Journal of Management

9. Auf die DNA des Brokers kommt es an

Ein Vergleich des Genotyps von 60 Wall Street Tradern mit einer Kontrollgruppe kam zu dem Ergebnis, dass die DNA Rückschlüsse zulässt:
Bestimmte Allele im Promoter des Dopamin Rezeptors D4 (DRD4P) und Catechol-O-Methyltransferase (COMT) sind unter Tradern überdurchschnittlich häufig vertreten. Sie stehen unter anderem mit Schizophrenie und Essstörungen in Verbindung und sorgen für ein ausgeglichenes, durchschnittliches Dopamin-Level im Körper (im Gegensatz zu sehr hohem oder sehr niedrigem Level). Die Aktivität dieser Allele korreliert positiv mit der Dauer der Tätigkeit als Trader an der Wall Street. Dies legt nahe, dass es genetisch verursachte Besonderheiten in der Persönlichkeit und dem Verhalten von Menschen gibt, die das Potential haben, erfolgreiche Trader zu sein.
Quelle: Sapra S, Beavin L, Zak P (2012): A Combination of Dopamine Genes Predicts Success by Professional Wall Street Traders.In PLoS ONE

10. Achten Sie auf Ihr Bauchgefühl

Es existieren mindestens acht voneinander unabhängige Studien zu diesem Phänomen: Menschen, die stärker auf ihr Bauchgefühl achten, sind besser darin, die Zukunft vorherzusagen. Dies gilt auch am Aktienmarkt!
Quelle: Pham M, Lee L, Stephen A (2012): Feeling the Future: The Emotional Oracle Effect. In Journal of Consumer Research

11. Ist es besonders sonnig?

Eine Analyse von 26 Aktienmärkten hat ergeben, dass Tage mit überdurchschnittlich viel Sonnenschein um 24,8% höhere Kursgewinne bescheren als überdurchschnittlich bewölkte Tage.
Die wahrscheinlichste Erklärung: Sonniges Wetter hat einen positiven Effekt auf das Zufriedenheitsgefühl von Menschen und dies könnte zu einer positiveren Grundeinstellung bei der Bewertung von Aktien führen.
Quelle: Hirshleifer D. Shumway T (2003): Good Day Sunshine: Stock Returns and the Weather. In Journal of Finance

12. Aktien im Dezember kaufen und im Januar verkaufen

Es ist eine gute Idee, Aktien im Dezember zu kaufen und im Januar wieder zu verkaufen, da Aktien im Dezember im Mittel günstiger als im Januar sind. Die Preisschwankung ist wirtschaftlich und statistisch signifikant und als January Effect bekannt.
Die Herkunft dieses Phänomens vermuten Experten im Steuersystem vieler westlicher Länder: Für Kleininvestoren ist es oft sinnvoll, Aktien am Ende des Jahrs zu verkaufen. Das so freigewordene Kapital investieren sie dann zu Beginn des nächsten Jahres wieder.
Quelle: Anderson L, Gerlach J, DiTraglia F (2007): Yes, Wall Street, There Is A January Effect! Evidence from Laboratory Auctions. In Journal of Behavioral Finance

13. Aktien am Montag kaufen

Der sogenannte Wochenend-Effekt ist seit vielen Jahren bekannt: An Montagen sind die Kurse oft deutlich niedriger als am vorherigen Freitag.
Ein möglicher Grund ist, dass Firmen schlechte Nachrichten meistens am Freitag veröffentlichen, da am Wochenende nicht gehandelt wird und so der negative Effekt auf den Aktienkurs gemindert wird. Eine andere Erklärung ist, dass Trader am Freitag positiver und optimistischer gestimmt sind als am Montag. Einige von Ihnen kennen das vielleicht aus Ihrem Arbeitsalltag :-)
Quelle: French K, (1980): Stock returns and the weekend effect. In Journal of Financial Economics

14. Aktien Anfang Mai verkaufen & Ende Oktober kaufen

Von Mai bis Oktober bringen Aktien im Schnitt fast null Rendite .
Eine mögliche Erklärung ist, dass Investoren am Jahresende übertrieben optimistisch auf das nächste Jahr schauen. Nach einigen Monaten ist dieser Optimismus verschwunden und der Aktienmarkt fällt in ein Sommerloch.
Quelle: The Optimism Cycle: Sell in May. In De Economist.

15. Ramadan

In muslimischen Ländern ist die Aktienrendite während des Ramadan neunmal so hoch, wie während des restlichen Jahres. Außerdem ist der Aktienmarkt im Ramadan weniger volatil.
Da das Handelsvolumen nicht ansteigt, ist die wahrscheinlichste Erklärung, dass der Ramadan muslimische Investoren positiv stimmt und dies ihre Investitionsentscheidungen beeinflusst.
Untersucht wurden 14 Länder mit primär muslimischer Bevölkerung zwischen 1989 und 2007.
Quelle: Bialkowski J, Etebari A, Wisniewski T (2010): Piety and Profits: Stock Market Anomaly During the Muslim Holy Month. In Finance and Corporate Governance Conference

16. Nachrichtenartikel mit Fotos beeinflussen Aktienkurse

Artikel im Wall Street Journal, die ein Foto enthalten, beeinflussen Aktienkurse stärker, als Meldungen ohne Foto. Untersucht wurden Artikel über Firmen, die mal ein Foto des CEOs oder eines anderen Topmanagers hatten und mal kein Foto. Neben dem Preis wird auch das Handelsvolumen beeinflusst.
Quelle: Arena M, Howe J (2008): A Face Can Launch a Thousand Shares—And an 0.80% Abnormal Return. In Journal of Behavioral Finance

17. Gleitcreme als Indikator einer Rezession

Wenn die Verkaufszahlen von Gleitcreme und anderen sexuellen Hilfsmitteln steigen, ist das ein guter Indikator für eine Rezession. Der Grund: Menschen suchen in wirtschaftlich schweren Zeiten nach Möglichkeiten, sich ohne viel Geld gut zu fühlen. Das gleiche Argument wird auch genutzt um den gesteigerten Verkauf von Lippenstiften während Rezessionen zu erklären.

Quelle: Church & Dwight Co., Inc, Indiana University und Knowledge Networks

18. Jedes Tor zählt

Die Aktienkurse von an der Börse gelisteten Fußballvereinen reagieren direkt auf die Spielergebnisse. Wie erwartet, wirken sich Siege positiv (+0,4%) und Niederlagen negativ (-1,4%) aus. Interessant sind die folgenden Erkenntnisse:
• Ein Unentschieden wirkt sich negativ aus (-1,1%).
• Spiele in der Champions League haben mehr ein Einfluss als Spiele in nationalen Ligen.
• Überraschende Ergebnisse in der Champions League haben einen größeren Einfluss als zu erwartende Ergebnisse. Dieser Effekt tritt nicht in nationalen Ligen auf.
Für diese Analyse wurden 1.274 zwischen 2000 und 2004 ausgetragene Fußballspiele von 8 Teams in nationalen Ligen und der Champions League berücksichtigt.
Quelle: Scholtensa B, Peenstraa W (2009): Scoring on the stock exchange? The effect of football matches on stock market returns: an event study. In Applied Economics

19. Verkaufe Aktien des Olympia-Veranstalters

Die Bekanntgabe, dass ein Land die olympischen Winterspiele veranstalten darf, hat einen signifikanten negativen Effekt auf den Aktienmarkt. Aktien aus diesem Land sollten also verkauft werden. Diese Erkenntnis basiert auf der Analyse der zwischen 1990 und 2006 angekündigten olympischen Spiele.
Die Bekanntgabe des Austragenden für die olympischen Sommerspiele hat übrigens einen positiven Effekt, der jedoch nicht signifikant ist.
Quelle: Mirman M, Sharma R (2010): Stock market reaction to Olympic Games announcement. In Applied Economics Letters

20. Schaue keine Pornos

Männer, die Pornos geschaut oder Damenunterwäsche angefasst haben, bevorzugen kurzfristige Belohnungen. Wenn sie Entscheidungen über Geld treffen, geben sie sich mit kleinen, kurzfristigen Gewinnen zufrieden und denken nicht langfristig.
Vor finanziellen Entscheidungen sollte man diese Tätigkeiten also unterlassen!
Quelle: Bergh B, DeWitte S, Warlop L (2008): Bikinis Instigate Generalized Impatience in Intertemporal Choice. In Journal of Consumer Research

21. Gute Trader chatten viel

Gute Trader sind überdurchschnittlich aktiv in elektronischen Chats. Ein typischer Trader macht mit 55% seiner Trades Gewinn; die Gruppe der aktivsten Chatter bei 70%!
Außerdem hören die erfolgreichsten Trader nicht mit dem Chatten auf während sie handeln; sie chatten sogar noch aktiver.

Umgekehrt die Trader mit dem geringsten Erfolg: Sie führen weniger parallele Chat-Konversationen und sie ziehen sich aus den Gesprächen zurück, kurz bevor sie eine Investitionsentscheidung treffen.
Die Autoren der Studie gehen sogar so weit zu sagen, dass die Vernetzung eines Traders wichtiger ist als seine Intelligenz, da viele gute Entscheidungen erst in Diskussionen mit seinem Netzwerk entstehen.
Quelle: Lehrer J (2012): Imagine: How Creativity Works

(Malte Landwehr)


 


 

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