10.03.2010  09:05 Uhr

Interview
Digitale Gegenwart und Zukunft - Was passiert mit der guten alten Werbung?

Wiesbaden. Im Interview zu diesem spannenden Thema ist Markus Walter, PR- & Social-Media-Berater und Autor des Buches „Gewusst wie – Das 1 x 1 der Pressearbeit“ aus Wiesbaden.

“Faustkampf” Mann gegen Mann.

Markus Walter: “Die „Alte Werbung“ gibt es nicht – klassische Werbung hat in der Gegenwart eine Lebensberechtigung. Der Mix macht’s – nämlich der Mix aus klassischen Maßnahmen und Social Networks… Wichtig ist es, für jedes Unternehmen zu analysieren, wo und wie man seine Zielgruppe erreichen kann. Die Antworten werden sehr individuell ausfallen, und daher müssen auch Marketingaktionen sehr individuell sein. Eine wichtige Empfehlung aus meiner Sicht ist es, auf keinem der Marketingkanäle mehr stumpfsinnige Werbeparolen abzuspulen oder Ideen 1:1 abzukupfern, wie es viele andere tun.

Jörg Kremer: Der klassischen Werbung eine Lebensberechtigung zuzusprechen, ist Wertung genug. Vor nicht langer Zeit hat man diese Lebensberechtigung noch dem Internet zugesprochen. Das ist ein handfester Paradigmenwechsel.
Dass Kommunikation sich im Stil dramatisch verändert hat, war Thema des 1. Tages der “Konsorten-Klassiktage der Kommunikation”. Konnte man früher einfach stumpfsinnige Werbeparolen senden? Oder haben wir das gar nicht so empfunden? Waren Erwartung und Anspruch bei Sender und Empfänger anders? Dass heute stumpfsinnige Werbeparolen nicht mehr funktionieren ist aristotelischer Common Sense. Ausser, man setzt dazu eine klare Gegenposition und kultiviert die stumpfsinnige Parole bis zum Exzess (Media Markt). Doch das erfordert Mut oder Potenz – am besten beides.

Markus Walter: “Woran man sich orientieren sollte, ist dass der persönliche Dialog und die Interaktion immer wichtiger werden - eine Folge der Social Networks, die man aber auch auf herkömmliches Marketing übertragen kann. Vorteil der digitalen Gegenwart ist für eine zielgerichtete Interessentenansprache, dass potenzielle Kunden sehr viel schneller identifiziert sind und man zahlreiche Informationen im Netz über sie finden kann.

Jörg Kremer: Drängen die neuen technischen Möglichkeiten so extrem in den persönlichen Dialog? Oder ist es der Wunsch der Menschen? Ist es ein Grundbedürfnis? Oder ist es eine Erscheinung? Werden wir uns nicht irgendwann verplappern? Ist es die Gier der Wirtschaft, alles wissen und haben zu wollen? Oder ist es die Lust des Menschen, alles geben zu können? Huhn oder Ei? Was war zuerst? Man muss das nicht beantworten und kann es einfach machen – exzessiv persönlich kommunizieren. Wenn man aber nach Antworten sucht, könnte man neue Wege erkennen, die in dem Geplapper des Mainstreams wieder unique sein können.

Markus Walter: “Dazu ein Beispiel: Ein Kunde (61  Jahre, Geschäftsführer eines IT-Unternehmens aber auch sehr guter Bekannter) hat kürzlich erzählt, wie er als Vertriebler früher - also so vor 30-40 Jahren - seine Kunden gewonnen hat. Nur kurz zur Erinnerung, damals gab es kein Internet… ;-) Tage lang hat er seine Zielperson „gescannt“ um Berufliches, wie auch Privates in Erfahrung zu bringen: Welche Systemlandschaft hat er, wann kommt und geht seine Sekretärin, was sind seine Hobbys, hat er Kinder, in welchen Vereinen ist er und so weiter… Sein Ziel war es, perfekt auf einen einzigen Anruf vorbereitet zu sein, um einen Gesprächstermin zu bekommen. Und diese Strategie ging damals wunderbar auf!”

Jörg Kremer: Das ist der “Kampf” Mann gegen Mann (gerne auch Frau gegen Frau). Da sieht man sich ins Gesicht, sieht das Leid oder die Freude. Erfolg und Niederlage sind anfassbar. Die Kommunikation heute, wenn man an das Mann gegen Mann-Bild anschließen möchte, ist eher eine Massenvernichtungswaffe. Freund und Feind kennen alles von einander, kennen sich aber nicht. Der “Kampf” wird anonym und erfährt zahlreiche Auswüchse.

Markus Walter: “Auch heute kann man Interessenten noch durch ein cleveres Vorgehen verblüffen. Gerne empfehle ich beispielsweise eine sogenannte „Edel-Akquise“. Hierfür wählt man z.B. 30 Unternehmen als Wunschkunden aus. Für die Recherche lassen sich zum Beispiel Xing, Foren, Blogs, Facebook etc. hervorragend nutzen. Ansprechpartner in den relevanten Positionen werden mit etwas Besonderem (vielleicht einem hochwertigem Giveaway) gezielt kontaktiert. Parallel kann man Aktionen über Printmedien mit Pressearbeit und Anzeigen und auch über Social Media gezielt begleiten.”

Jörg Kremer: Mann gegen Mann geht immer. Der Königsweg scheint es zu sein, das persönliche Kennen digital auf höchstem Niveau zu imitieren. Warum denken wir jetzt an Avatar? Warum war Avatar so erfolgreich? Das ist ein anderes Thema.

Markus Walter: „Richtig oder Falsch“, „1 oder 0“, „klassische oder digitale Medien“ oder ähnliche Kontrastprogramme gibt es im Marketing heute nicht.  Scannt eure Zielgruppe (oder die Eurer Kunden), werdet kreativ und Ihr werdet Erfolge ernten…”

Jörg Kremer: Ja, so einfach ist das! Und jetzt ab aufs Feld. Ernten!


 

(Jörg Kremer)

Fotokennzeichnung:
Bild Nr. 1 © Walter Visuelle PR GmbH



 


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