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Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung

Krankgeschrieben – trotzdem arbeiten?

Der Krankenstand hält sich in Deutschland seit vielen Jahren auf einem sehr niedrigen Niveau. Viele Arbeitnehmer sorgen sich um ihren Arbeitsplatz und nehmen oft trotz Krankschreibung ihre Beschäftigung wieder auf. Allerdings herrscht Unsicherheit, ob ein Krankenschein als Beschäftigungsverbot gilt und ob der Versicherungsschutz weiterhin besteht.

Inhaltsverzeichnis zum FAQ

  1. Muss ich für die Zeit der Krankschreibung zuhause bleiben?
  2. Bleibt mein Versicherungsschutz bestehen, wenn ich früher wieder zur Arbeit gehe?
  3. Wie werden Wegeunfälle bei vorzeitiger Arbeitswiederaufnahme gewertet?
  4. Darf man während einer Krankschreibung auch nebenberuflichen Tätigkeiten nachgehen?
  5. Welche Wege sind bei einem Wegeunfall versichert?
  6. Gilt der Versicherungsschutz für Wegeunfälle auch bei Fahrgemeinschaften?

Nicht selten verweigern die Arbeitgeber eine vorzeitige Wiederaufnahme der Beschäftigung und fordern ihren Mitarbeiter auf, sich vom Arzt wieder gesundschreiben zu lassen. Eine derartige Gesundschreibung gibt es nicht, da eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung kein Beschäftigungsverbot enthält. Der Arzt bescheinigt in diesem Fall lediglich die voraussichtliche Dauer der Arbeitsunfähigkeit. Eine volle Ausschöpfung dieses Zeitraums ist nicht zwingend erforderlich. Der Arbeitnehmer erhält trotz vorzeitiger Aufnahme der Arbeit den vollen Versicherungsschutz bei krank en- und Unfallversicherung.

Selbst wenn sich der Gesundheitszustand wieder verschlechtern sollte, bleibt in der gesetzlichen Unfallversicherung und in der Krankenversicherung der Versicherungsschutz weiterhin bestehen. Der Arbeitnehmer ist auch in diesem Fall noch berechtigt, für die gesamte Dauer der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vom Beruf fernzubleiben. Die vorzeitige Aufnahme der Arbeit setzt demnach immer das Einverständnis des jeweiligen Mitarbeiters und seine Freiwilligkeit voraus. Eine vorherige Abstimmung mit dem Arbeitgeber sorgt jedoch für mehr Transparenz im Beschäftigungsverhältnis.

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Die gesetzliche Unfallversicherung beinhaltet auch die Wege von und zur Betriebsstätte. Sollte während der Krankschreibung der Wunsch nach einer Wiederaufnahme der Arbeit bestehen, wird der vorherige Kontakt zum Arbeitgeber empfohlen. Somit herrscht Klarheit, dass es sich um einen Wegeunfall handelt, wenn es bei erstmaliger Arbeitsaufnahme zu einem Unfall kommt. Für Arbeitgeber und Arbeitnehmer sind demnach keine versicherungsrechtlichen Nachteile zu befürchten, wird die Beschäftigung vorzeitig wieder aufgenommen. Dennoch besitzt der Arbeitgeber eine Fürsorgepflicht und sollte den tatsächlichen Gesundheitszustand des Mitarbeiters kontrollieren.

Ausnahmen

Wenn man sich wieder gesund und einsatzfähig fühlt, kann man durchaus wieder arbeiten. Eine ausdrückliche Ausnahme besteht dabei allerdings. Die Arbeitserlaubnis besteht nur für den eigenen Arbeitgeber. Einer nebenberuflichen Tätigkeit während einer Krankschreibung nachzugehen, ist ein Grund für eine fristlose Kündigung.

Problematische Aspekte

Es ist nicht immer nur der Krankenstand, der in Unternehmen Probleme bereitet. Oftmals ist es genau umgekehrt. Viele kranke Arbeitnehmer fühlen sich unterbewusst gezwungen, schnellstmöglich wieder fit für die Arbeit zu werden. Besonders gravierend ist dies, wenn sie schon längere Zeit das Bett hüten. Sie machen sich Vorwürfe, weil ihre Kollegen ihre Arbeit erledigen müssen und versuchen, möglichst schnell wieder auf Arbeit zu gehen. Schlimmstenfalls setzen sie sich kränklich wieder ins Büro. Dieser Übereifer ist keinesfalls vorbildlich. Man gefährdet nicht nur seine eigene Gesundheit, sondern auch die seiner Kollegen.

Viele Menschen denken, es werde von vielen verlangt, möglichst schnell wieder auf Arbeit zu gehen. Diese Einstellung ist besonders in kleinen Betrieben verbreitet, in denen sich wenige Kollegen viel Arbeit teilen. Manche glauben sogar, dass sie Gefahr laufen, ihren Job zu verlieren, wenn sie zu lange krank sind.

Ein Phänomen der Moderne „Präsentismus“

Arbeitsmediziner bezeichnen die übereilte Wiederaufnahme der Arbeit ohne Berücksichtigung der Folgen als Präsentismus. Das Problem ist in Zeiten steigender Arbeitslosigkeit weit verbreitet. Wirkt das Verhalten unter wirtschaftlichem Gesichtspunkt auch erst einmal positiv, sind seine Folgen doch nicht von der Hand zu weisen. Es besteht nicht nur die Gefahr, dass andere Mitarbeiter angesteckt werden. Es sinkt auch nachgewiesenermaßen die Produktivität der Arbeitnehmer. Darüber hinaus erhöht sich das Risiko von Unfällen und Fehlern.

Um derartigen Problemen vorzubeugen, ist es wichtig, dass Arbeitgebern ihren Angestellten eine Sensibilität für die eigene Gesundheit vermitteln. Dabei reicht es oftmals nicht aus, den Mitarbeitern einfach zu empfehlen zuhause zu bleiben. Vielfach sind die Krankheitsbilder vielschichtiger. So kann es sich z.B. auch um psychische Erkrankungen wie Depressionen handeln, die die Patienten aus Scham gar nicht erst zur Sprache bringen.

Bei Erhebungen der Krankenkassen bestätigt sich dieser Trend seit Jahren. So stieg der Anteil der überhaupt nicht krankgeschriebenen Arbeitnehmer zwischen den Jahren 2000 und 2005 von 44,7 auf 48,5 Prozent (AOK). Bei einer Befragung gab ein Drittel der Teilnehmenden an, sogar gegen ausdrücklichen Rat des Arztes zur Arbeit zu gehen.

FAQ Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung

Muss ich für die Zeit der Krankschreibung zuhause bleiben?

Nein. Bei der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung handelt es sich lediglich um eine Prognose des Arztes, die angibt, wie lange die Genesung des Arbeitnehmers voraussichtlich dauert. Ein generelles Beschäftigungsverbot ist darin nicht enthalten.

Bleibt mein Versicherungsschutz bestehen, wenn ich früher wieder zur Arbeit gehe?

Ja. Auch wenn man trotz Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung arbeiten geht, genießt man vollen Versicherungsschutz. Das gilt selbst dann, wenn sich der Gesundheitszustand durch die Wiederaufnahme der Tätigkeit verschlechtern sollte.

Wie werden Wegeunfälle bei vorzeitiger Arbeitswiederaufnahme gewertet?

Die gesetzliche Unfallversicherung schließt alle Wege zwischen Arbeitsstätte und Wohnung ein. Das gilt auch, wenn man während der Arbeitsunfähigkeit den Beschluss fasst, wieder zur Arbeit zu kommen. Man sollte sich aber vorher mit dem Arbeitgeber in Verbindung setzen. Auf diese Weise herrscht Transparenz und es ist klar, dass es sich um einen Wegeunfall handelt.

Darf man während einer Krankschreibung auch nebenberuflichen Tätigkeiten nachgehen?

Nein. Eine Arbeitserlaubnis bei einer Krankschreibung besteht ausschließlich beim eigenen Arbeitgeber. Wer während der Krankentage einer nebenberuflichen Tätigkeit nachgeht, muss mit einer fristlosen Kündigung rechnen.

Welche Wege sind bei einem Wegeunfall versichert?

Grundsätzlich ist der unmittelbare Weg vom Ort der ausgeübten Tätigkeit bis zum Zuhause versichert. Gem. § 8 Abs. 2 Nr. 1 SGB VII muss es sich hierbei nicht um den kürzesten bzw. schnellsten Weg handeln. Auch ist es nicht notwendig, dass immer derselbe Weg genommen wird. Wichtig ist allein, dass man keine Umwege nimmt. Wie der Weg zur Arbeit zurückgelegt wird, ist darüber hinaus unerheblich.

Gilt der Versicherungsschutz für Wegeunfälle auch bei Fahrgemeinschaften?

Grundsätzlich ja. Voraussetzung ist allerdings, dass die betroffenen Personen in der gesetzlichen Unfallversicherung gemeldet sind. In diesem Fall gilt der Versicherungsschutz auch dann, wenn Versicherte andere Versicherte im Rahmen einer Fahrgemeinschaft auf dem Weg zur Arbeit abholen.

(Christian Weis)


 


 

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