Sie sind hier: Startseite Recht & Steuern Steuertipps
Weitere Artikel
Häusliche Arbeitszimmer

Arbeitszimmer: Geänderter Anwendungserlass vom Fiskus

Über das Jahressteuergesetz 2010 wurde eine Vorgabe des Bundesverfassungsgerichts umgesetzt, wonach Aufwendungen für das häusliche Arbeitszimmer steuerlich berücksichtigt werden, wenn für die betriebliche oder berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Dann ist ein Abzug von Werbungskosten bis zur Höhe von 1.250 Euro im Jahr möglich (siehe Steuerzahler-Tip 3/2011, S. 9).

 Hiervon profitieren insbesondere Lehrer, Dozenten und Außendienstmitarbeiter – rückwirkend ab 2007 in allen noch offenen Steuerfällen. Rechtzeitig für die Erstellung der Einkommensteuererklärung 2010 hat das BMF am 2.3.2011 einen aktualisierten Anwendungserlass zur steuerlichen Behandlung der Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer veröffentlicht, der die Verwaltungsauffassung nach der Gesetzesänderung widerspiegelt (Az. IV C 6 – S 2145/07/10002).

Das umfangreiche Schreiben beinhaltet auch Erläuterungen, die sich nicht verändert haben – beispielsweise zum Begriff des häuslichen Arbeitszimmers, der begünstigten Aufwendungen und zu der Frage, wann der Mittelpunkt der gesamten betrieblichen oder beruflichen Betätigung – mit vollem Kostenabzug – im heimischen Büro liegt. Nachfolgend werden aber nur die Ausführungen zu den Neuregelungen dargestellt, soweit sie für Arbeitnehmer Bedeutung haben.

Voraussetzung für den begrenzten Abzug ist, dass für die berufliche Betätigung kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Hierzu gehört grundsätzlich jeder Arbeitsplatz, der zur Erledigung büromäßiger Arbeiten geeignet ist. Weitere Anforderungen an die Beschaffenheit des Arbeitsplatzes werden nicht gestellt. Unbeachtlich sind daher grundsätzlich die konkreten Arbeitsbedingungen und Umstände wie beispielsweise Lärmbelästigung oder Publikumsverkehr. Keine Voraussetzung ist auch das Vorhandensein eines eigenen, räumlich abgeschlossenen Arbeitsbereichs oder eines individuell zugeordneten Arbeitsplatzes, sodass auch ein Arbeitsplatz in einem Großraumbüro oder in der Schalterhalle einer Bank ein anderer Arbeitsplatz ist.

Ein anderer Arbeitsplatz steht aber nur dann zur Verfügung, wenn ihn der Berufstätige in dem konkret erforderlichen Umfang und in der konkret erforderlichen Art und Weise tatsächlich nutzen kann. Damit entfällt die Erforderlichkeit des häuslichen Arbeitszimmers nicht bereits dann, wenn dem Arbeitnehmer irgendein Arbeitsplatz zur Verfügung steht, sondern nur dann, wenn dieser Arbeitsplatz grundsätzlich so beschaffen ist, dass er auf das häusliche Arbeitszimmer nicht angewiesen ist. Ist ein Angestellter auf sein häusliches Arbeitszimmer angewiesen, weil er dort einen nicht unerheblichen Teil seiner beruflichen Tätigkeit verrichten muss, ist der andere Arbeitsplatz unschädlich. Dazu fünf Beispiele.

  • Ein Lehrer hat für seine Unterrichtsvorbereitung in der Schule keinen Schreibtisch. Klassen- oder Lehrerzimmer stellen keinen Arbeitsplatz dar.
  • Ein angestellter Orchestermusiker hat im Konzertsaal keine Möglichkeit zu üben. Hierfür hat er sich ein häusliches Arbeitszimmer eingerichtet.
  • Ein angestellter Krankenhausarzt übt eine freiberufliche Gutachtertätigkeit aus. Dafür steht ihm im Krankenhaus kein Arbeitsplatz zur Verfügung.
  • Ein EDV-Berater übt außerhalb seiner regulären Arbeitszeit vom häuslichen Arbeitszimmer aus den Bereitschaftsdienst aus und kann dafür den Arbeitsplatz bei seinem Arbeitgeber tatsächlich nicht nutzen.
  • Ein Bankangestellter muss in einem nicht unerheblichen Umfang Büroarbeiten auch außerhalb der üblichen Bürozeiten verrichten und ihm steht hierfür sein regulärer Arbeitsplatz nicht zur Verfügung.

(!) Der Arbeitnehmer muss gegenüber dem Finanzamt konkret darlegen, dass kein anderer Arbeitsplatz für die jeweilige berufliche Tätigkeit zur Verfügung steht. Die Art der Tätigkeit kann hierfür Anhaltspunkte bieten. Zusätzliches Indiz kann eine entsprechende Bescheinigung des Arbeitgebers sein.

(VSRW-Verlag)


 


 

Arbeitsplatz
Verfügung
Anwendungserlass
Arbeitgebers
Tätigkeit
Aufwendungen
Arbeiten

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Arbeitsplatz" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: