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Arbeitszimmer

Regeln zur Aufteilung des Betrags von 1.250 Euro

Der BMF-Anwendungserlass enthält noch einige wichtige Hinweise zu Sondersituationen, die in der Praxis häufiger vorkommen, beispielsweise die Aufteilung des Höchstbetrags.

Übt etwa ein Arbeitnehmer mehrere berufliche Tätigkeiten nebeneinander aus und steht ihm nur für einzelne Tätigkeiten kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung, können die Aufwendungen bis 1.250 Euro abgezogen werden. Die Kosten sind dazu entsprechend dem Nutzungsumfang den darin ausgeübten Tätigkeiten zuzuordnen.

Beispiel: Ein Angestellter nutzt sein Arbeitszimmer zu 40 Prozent für seine nicht selbstständige Tätigkeit und zu 60 Prozent für eine unternehmerische Nebentätigkeit. Nur für die Nebentätigkeit steht ihm kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung. An Aufwendungen für das Arbeitszimmer fallen insgesamt 2.500 Euro an. Diese sind nach dem Nutzungsverhältnis aufzuteilen. Auf die Nebentätigkeit entfallen (60 Prozent x 2.500 Euro) 1.500 Euro, die zu 1.250 Euro als Betriebsausgaben abgezogen werden können.

Bei der Nutzung des Arbeitszimmers durch mehrere Personen darf jeder die Aufwendungen abziehen, die er getragen hat. Steht allen oder nur einem Nutzenden ein beschränkter Abzug zu, ist der Höchstbetrag dabei auf die Personen nach dem Nutzungsanteil aufzuteilen – also nicht mehrfach zu gewähren.

Beispiel: Die Eheleute A und B ohne einen anderen Arbeitsplatz nutzen gemeinsam ein häusliches Arbeitszimmer jeweils zu 50 Prozent. Die Gesamtaufwendungen betragen 4.000 Euro. A und B können jeweils 625 Euro als Werbungskosten abziehen.

Abwandlung: Für A mit einem Home-Office bildet das häusliche Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten beruflichen Betätigung. A kann 2.000 Euro als Werbungskosten abziehen und B ohne einen anderen Arbeitsplatz zieht weiterhin 625 Euro ab.

Ändern sich die Nutzungsverhältnisse, können die Aufwendungen in voller Höhe nur für den Zeitraum abgezogen werden, in dem das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der Betätigung bildet. Für die übrige Zeit kommt ein beschränkter Abzug ohne einen anderen Arbeitsplatz in Betracht. Dabei kann der Höchstbetrag von 1.250 Euro auch bei nicht ganzjähriger Nutzung voll abgesetzt werden.

Beispiel: Ein Arbeitnehmer hat im 1. Halbjahr den Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit im häuslichen Arbeitszimmer. Im 2. Halbjahr übt er die nicht selbstständige Tätigkeit – beispielsweise nach einem Berufswechsel – zwar überwiegend bei seinem Arbeitgeber aus, hat dort aber keinen eigenen Arbeitsplatz. Die Aufwendungen fürs Arbeitszimmer aus dem 1. Halbjahr sind in voller Höhe als Werbungskosten abziehbar und die fürs 2. Halbjahr bis zu einem Höchstbetrag von 1.250 Euro.

Abwandlung: Das häusliche Arbeitszimmer wird nur nach Feierabend und am Wochenende für die nicht selbstständige Tätigkeit genutzt und ab dem 15. Juni zusätzlich für eine selbstständige schriftstellerische Tätigkeit ohne einen anderen Arbeitsplatz zu 70 Prozent. Die Gesamtaufwendungen betragen 5.000 Euro, was für den Zeitraum ab 15. Juni (6,5/12 =) 2.708 Euro ausmacht. Der auf die nicht selbstständige Tätigkeit entfallende Kostenanteil ist insgesamt nicht abziehbar. Auf die selbstständige Tätigkeit entfallen (70 Prozent x 2.708 Euro) 1.896 Euro, die bis zum Höchstbetrag von 1.250 Euro – ohne zeitanteilige Kürzung – als Betriebsausgaben abgezogen werden können.

Wird das Arbeitszimmer für eine spätere Nutzung vorbereitet, bei der die Abzugsvoraussetzungen vorliegen, sind die darauf entfallenden Aufwendungen entsprechend (vorab) zu berücksichtigen.

Beispiel: Ein Lehrer richtet sich in 2011 das Arbeitszimmer ein, weil er ab 2012 einer Beschäftigung an einer Schule nachgehen wird. Er kann die anfallenden Kosten als vorweggenommene Werbungskosten schon in 2011 absetzen, allerdings mit Beschränkung auf 1.250 Euro.

(!) Einrichtungen wie Bürotisch, Stühle, PC, Schrank etc. gehören nicht zu den Aufwendungen für ein Arbeitszimmer, sondern stellen Arbeitsmittel dar. Sie sind daher separat wie herkömmliche Werbungskosten absetzbar.

(VSRW-Verlag)


 


 

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