Sie sind hier: Startseite Personal
Weitere Artikel
Aufregung

Lampenfieber – die Angst vor dem Versagen

„Das menschliche Gehirn ist eine großartige Sache. Es funktioniert vom Moment der Geburt an – bis zu dem Zeitpunkt, wo du aufstehst, um eine Rede zu halten,“ scherzte schon Mark Twain. Allein der Gedanke daran, vor andere Menschen zu treten um eine Rede zu halten, etwas aufzuführen, das Referat in der Uni vorzutragen oder vor versammelter Mannschaft das neue Konzept vorzustellen, treibt vielen Menschen bereits den Angstschweiß auf die Stirn.

Inhaltsverzeichnis:

  1. Der Worst Case: das Blackout
  2. Auch Vollprofis sind nicht immun gegen Lampenfieber
  3. Ursachen liegen oft in der Kindheit
  4. Der richtige Umgang mit dem Lampenfieber
  5. 5 Tipps gegen Lampenfieber

Ein bisschen Lampenfieber, so weiß man mittlerweile, schadet jedoch nicht. Ganz im Gegenteil: Wenn viel Adrenalin freigesetzt wird, sind wir in der Lage, Höchstleistungen zu vollbringen.

Unser Körper reagiert bei Lampenfieber genauso wie bei einer bedrohlichen Situation: Mit einer vermehrten Ausschüttung des Stresshormons setzt er eine Reihe von Reaktionen frei, die das Ziel verfolgen, mehr Energie zur Verfügung zu stellen. Das Herzkreislaufsystem reagiert mit rasend schnellem Herzschlag, hohem Blutdruck und einer kurzen flachen Atmung. Die Muskeln werden auf erhöhte Leistung in der Bewegung eingestellt – was zu Verspannungen führen kann. Da der Körper diese zusätzliche Energie gar nicht benötigt, wird die Reaktion des vegetativen Nervensystems oft als ausgesprochen unangenehm und beunruhigend empfunden.

Weitere Angstsymptome wie

  1. zitternde und feuchte Hände,
  2. Schweißausbrüche,
  3. weiche Knie
  4. und eine trockene Mundhöhle,

kennt man nur zu gut. Wie stark, und in welcher Form diese Symptome auftreten, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich.

Das Lampenfieber bietet aber nicht nur Nachteile. Es bezeugt die Wichtigkeit dessen, was wir tun, es spornt uns an und hilft uns, über einen längeren Zeitraum hinweg leistungsstark zu bleiben. Wenn wir es schaffen, den Ausstoß von zusätzlichem Adrenalin in die richtigen Bahnen zu weisen, dann können wir von ihm profitieren und ihn positiv nutzen.

Der Worst Case: das Blackout

Wenn die Angst beim Lampenfieber Überhand gewinnt, kommt es im schlimmsten Fall zum totalen Aussetzer. Wenn das Gehirn mit zu viel Adrenalin in Kombination mit dem Stresshormon Cortisol überschwemmt wird, setzt der Hippocampus, als eine zentrale Schaltstation des limbischen Systems, aus. Die Folge: Das „Licht“ geht aus. Wir erleiden einen kurzzeitigen Gedächtnisverlust, der sogar in einer Ohnmacht enden kann. Um es gar nicht so weit kommen zu lassen, können die folgenden Tipps hilfreich sein:

  • Die Angst akzeptieren: Gestehen Sie sich – und am besten auch vertrauten Kollegen – Ihre Angst ein. Allein das kann schon helfen, ein wenig Druck abzubauen und konstruktiver mit der Situation umzugehen.
  • Negative Gedanken verbannen: Gedanken wie „Ich schaffe das nicht“ oder „Ich werde dem Anspruch nicht gerecht“ sollten sofort mit einem klaren „Stopp!“ verbannt und positiv weitergedacht werden. Denn Sie haben doch auch schon viele andere Dinge geschafft …
  • Blackout zugeben: Es ist sehr viel weniger schlimm, das Blackout, wenn es eintritt, zuzugeben, als zu versuchen es zu überspielen. Sicher ist es sowohl in Prüfungssituationen, Präsentationen oder Konferenzen schwierig offen zu sagen, dass man gerade einen Aussetzer hat, es wird Ihnen aber in der Regel niemand wirklich übel nehmen.
  • Bewusst Atmen: Auch, wenn der Körper überreagiert, kann die Atmung zumeist bewusst kontrolliert werden. Legen Sie die Hand auf den Bauch und atmen Sie komplett aus, langsam tief in den Bauch ein und wiederholen dies mehrfach.

Auch Vollprofis sind nicht immun gegen Lampenfieber

Der Interpretationslust zur Handhaltung unserer Bundeskanzlerin kannte lange Zeit keine Grenzen: Feministisches Symbol, das Zeichen der Macht oder Sinnbild einer okkulten Vereinigung. Nach einer riesigen Palette solcher fantasievoller Ideen lüftete Angela Merkel das Geheimnis in einem Interview. Sie wisse einfach nicht wohin mit den Händen. Und wer alte Filmaufnahmen aus ihrer Zeit als Bundesministerin für Frauen und Jugend kennt, der weiß wie verunsichert unsere heutige Kanzlerin gewirkt hat.

Auch Profis haben Lampenfieber. Besonders deutlich wird dies in dem Film „The King’s Speech“, in dem es um die Probleme des englischen Königs Georg VI, geht, der eine Rede vor seinem Volk halten muss und mit einer Vielzahl an Therapien versucht, das Lampenfieber zu überwinden.

Wir sehen, auch Menschen, die permanent in der Öffentlichkeit stehen, sind nicht gegen das Lampenfieber immun. Theo Vagedes, als Kabarettist, Regisseur, Choreograf und Initiator der Kabarett Bundes:Liga seit vielen Jahren auf der Bühne zu Hause, weiß, dass das mit dem Lampenfieber in der Regel nie ganz aufhört. „Ich kenne niemanden, bei dem vor einer Vorstellung keine Aufregung mehr aufkommt. Ich glaube aber auch, dass es notwendig ist um uns davor zu schützen, auf der Bühne alles nur automatisch runterzuspulen. Das merkt der Zuschauer nämlich auch.“

Den Begriff findet Vagedes eher irreführend. “Das Wort gibt den Zeitpunkt des "Lampenfiebers" nicht korrekt an. Die Lampen sind ja auf der Bühne. Das Fieber hat man bevor man ins Scheinwerferlicht vor Zuschauer oder Zuhörer tritt. Sobald die ersten Sätze gesagt sind, verschwindet das Gefühl für gewöhnlich.“

Erst wenn dann ein Blackout eintritt, sei dieses unruhige Gefühl wieder da. „Der gekonnte Umgang damit macht den Profi aus, denn ein Blackout kann jedem widerfahren. Ich habe einmal einen wirklich sehr bekannten Künstler erlebt, der ein totales Blackout hatte.“ erzählt Vagedes. „Er stand auf der Bühne und sagte vollkommen ruhig, dass er tatsächlich nicht wisse, wie es weiterginge. Er ging halblaut der Reihe nach alle Nummern durch, die er schon gespielt hatte. Es dauerte zwei, drei Minuten, bis er den Faden wieder hatte. Auf der Bühne ist das eine Ewigkeit! Als er weiterwusste gab es dann einen riesen Applaus. Tatsächlich war es am Ende der Veranstaltung eben jene Situation, über die man besonders begeistert sprach.“

Ein allgemeines Rezept, das das Lampenfieber gänzlich verschwinden ließe, gäbe es nicht. „Es gibt verschiedene Methoden damit umzugehen,“ so Vagedes weiter. „Welche am besten funktioniert, muss jeder für sich selbst herausfinden. Der eine versucht sich durch Konzentrationsübungen zu entspannen, der andere baut die Nervosität durch Bewegung ab, geht stetig auf und ab und geht seinen Text noch mal durch, der nächste versucht Ablenkung zu finden.“ Beim Blackout während des Auftritts sei es am wichtigsten, die Ruhe zu bewahren. Hilfreich sei es auch, in der Situation improvisieren zu können. „Wer sich im Klaren darüber ist, dass es immer zu Patzern, Versprecher oder Fadenrissen kommen kann und es schafft, mit diesen Schwierigkeiten ruhig umzugehen, der ist auf der sicheren Seite.“

Ursachen liegen oft in der Kindheit

Die Ursachen für die Angst vor dem Reden liegen häufig in der Vergangenheit, denn nicht nur Erwachsene, auch Kinder und Jugendliche haben Angst vor Zuschauern oder Zuhörern zu versagen.

Oft haben betroffene Erwachsene bereits in der Kindheit Erfahrungen gemacht, die bis heute negativ im Gedächtnis verankert sind: Stöhnen oder lachen von Mitschülern, wenn der Vorlesetext nur holprig über die Lippen kam, heftige Kritik vor der gesamten Klasse vom Lehrer oder fiese Zwischenrufe während eines Referats sind Erfahrungen, die viele Menschen während der frühen Schullaufbahn gemacht haben.

Heute werden Kinder bereits früh daran gewöhnt, etwas vor anderen Kindern zu präsentieren, weiß Birger Heusinger, Schulleiter einer Grundschule in der Kölner Südstadt. „Durch offene Arbeitsformen werden die Schülerinnen und Schüler schon frühzeitig an das Sprechen vor ihren Mitschülern herangeführt“, erklärt er business-on.de. So würden verschiedene Themen zunächst in Kleingruppen bearbeitet, die dann Lernplakate für eine Präsentation erstellen. Nach dieser intensiven Vorbereitungszeit werden die Arbeitsergebnisse dann vor der Klasse präsentiert. „In der anschließenden Reflexion werden die zuhörenden Kinder dazu angehalten, zunächst positive Kritik zu äußern, so dass die Kinder mit einem guten Gefühl aus dem Vortrag gehen. Erst danach wird konstruktive Kritik geübt und gemeinsam überlegt, was beim nächsten Mal verändert werden könnte“, so Heusinger weiter.

„Dadurch werden die Kinder in ihrem Tun bestärkt, lernen aber auch mit Kritik umzugehen und diese wiederum positiv für weitere Referate zu nutzen. Zudem treten die Kinder im Schülerparlament für ihre Meinungen und Ideen ein und lernen so, Konflikte oder sonstige Belange selbstständig zu klären. Auch hierbei üben sie sich im Argumentieren und Reden vor – und in der Gruppe.“ Auch in Nachmittagsangeboten des „Offenen Ganztags“ lernen viele Kinder bei verschiedenen Arbeitsgemeinschaften wie einer Theater-AG, der Hip-Hop-AG oder dem Chor vor anderen Menschen aufzutreten. Wichtig hierbei ist es, zu lernen, dass es in Ordnung ist, wenn man mal einen Fehler macht – und, dass man aus Fehlern lernen kann.

Eine wichtige Rolle spielt hier auch der Umgang der Eltern mit ihren Erwartungen an das Kind. Kinder, die unter Leistungsangst leiden, nehmen die Schule oft als eine persönliche Bedrohung wahr. Manche Kinder und Jugendliche sind besonders ehrgeizig, meinen immer zu den Besten gehören zu müssen. Zugleich ist ihnen bewusst, dass sie ihre Ziele zu hoch stecken und daran scheitern werden. Die Angst, die Eltern zu enttäuschen ist eine negative Komponente, die einen enormen Druck erzeugt. Eltern sollten ihre Kinder beruhigen, ermutigen und auf ihre Fähigkeiten vertrauen. In Einzelfällen sollte bei akut auftretender Schulangst professionelle Hilfe zurate gezogen werden, um den Auslöser dieser Angst zu ermitteln.

Der richtige Umgang mit dem Lampenfieber

Laut einer Studie, die in „The book of lists“ veröffentlicht wurde, fürchten sich 41% der Menschen davor, öffentlich zu reden. Im Vergleich hierzu steht die Angst vor Krankheit und Tod mit 19% oder die Furcht vor Einsamkeit mit 14% weit hinten an. Welches Publikum in welcher Situation die Angst verursacht, ist ganz unterschiedlich. Oftmals macht es keinen Unterschied, ob vor einer kleinen Gruppe aus Freunden und Bekannten gesprochen werden muss, oder vor einer größeren Gruppe von Fremden. Unter den Menschen, die darunter leiden, dem eigenen Anspruch nicht gerecht zu werden, finden sich auch viele bekennende Prominente aus verschiedensten Bereichen. Unter ihnen Schauspieler wie Julia Roberts, Hugh Grand, Johnny Depp und Meryl Streep oder Musiker wie John Lennon, Frédéric Chopin, Pau Casals und Robbie Williams. Trotzdem macht Routine den Meister, denn sie hilft, eine Methode zu finden, mit der das Lampenfieber positiv zu nutzen ist. Sinnvoll ist es auch immer, den Auftritt oftmals zu proben. Vor Freunden, dem Spiegel oder sogar mit einer Videoaufzeichnung lernt man, sich selber besser einzuschätzen – und das schafft Gelassenheit. Gibt es Bewegungen, die unbeholfen wirken? Sitzen kleine Anekdoten?

Ob man den Stress am besten durch Bewegung abbaut, durch Meditation oder Ablenkung ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Ratgeberliteratur hierzu gibt es wie Sand am Meer. Ein paar Tipps, wie Sie das Lampenfieber vor einem Auftritt, einer Rede oder einem Interview in den Griff bekommen können, finden Sie hier.

5 Tipps gegen Lampenfieber

Gleich müssen Sie aufstehen und eine Präsentation halten. Oder eine Konferenz leiten. Oder ein Interview geben. Ihr Herz beginnt zu klopfen. Ihre Hände werden feucht: Sie haben Lampenfieber! Was tun? Die folgende Checkliste wird Ihnen helfen, sich vor dem Termin dennoch ein wenig entspannen zu können und Ihre Gedanken zu sammeln:

  1. 2 Stunden vor dem Termin: Entspannen Sie sich! Verlassen Sie Ihren Arbeitsplatz, und drehen Sie eine Runde im Park! Das bringt Sie auf andere Gedanken.
  2. ½ Stunde vor dem Termin: Denken Sie an eine Situation zurück, in der Sie sehr gut waren! Rufen Sie sich diese Situation in allen Einzelheiten in Erinnerung: Was haben Sie gesehen, gehört, gefühlt, gerochen, geschmeckt?
  3. Unmittelbar vor dem Termin: Kommunizieren Sie! Führen Sie ein wenig small talk mit Ihrem Publikum, den Konferenzteilnehmern, dem Interviewpartner, der Maskenbildnerin usw. So erkennen Sie, dass Sie gleich zu sympathischen Personen sprechen.
  4. Während Sie auf Ihren Auftritt warten: Hören Sie aufmerksam zu! So bekommen Sie ein gutes Gefühl für die Situation.
  5. Während Ihres Auftritts: Stehen Sie schweigend auf, und lächeln Sie! Schauen Sie in die Runde und suchen Sie sich freundliche 3 Gesichter aus, zu denen Sie abwechselnd sprechen. Eins links, eins in der Mitte, eins rechts. Beginnen Sie mit Ihrem ersten Satz, den Sie auswendig gelernt haben. Dann den zweiten. Dann den dritten. Jetzt haben Sie sich frei gesprochen, und es wird nichts mehr schief gehen!

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

(Christian Weis)


 


 

Lampenfieber
Mensch
Adrenalin
Rede

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Lampenfieber" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: