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Altersarmut

65 Jahre und 2 Monate

Obwohl die 63 Jahre alte Irene das Angebot der Wuppertaler Tafel täglich nutzt, kommt sie nur eben so über die Runden. Ihr bleiben gerade einmal 5 € bis zum Ende des Monats. Sie lebt von Hartz IV und ist kein Einzelfall.

Die Kantine der Tafel wird in diesen Tagen erweitert. Der Platz wird knapp, denn es sind immer mehr Menschen auf die kostenlosen Mahlzeiten angewiesen. Den älteren Menschen geht es besonders schlecht. Die Zahl derer, die auf Grundsicherung im Alter angewiesen sind, hat sich in den Jahren 2003 bis 2013 von 1,7 Prozent auf 3 Prozent nahezu verdoppelt. „Wir als Stadt können nur begrenzt etwas gegen die Altersarmut tun", erklärt Dr. Stefan Kühn, Sozialdezernent der Stadt Wuppertal.

Auf dem Monat genau

Altersarm ist man ab einem Alter von 65 Jahren und 2 Monaten. Doch Altersarmut beginnt lange vorher. Ihre Ursachen liegen laut Kühn "zum Teil in den gesellschaftlichen Veränderungen, aber auch in den Entwicklungen der letzten 30 Jahre auf dem Arbeitsmarkt. Es gibt kaum noch Werksrenten, und auch die Arbeitsbiografien beschränken sich nicht mehr nur auf einen Arbeitgeber, sodass immer wieder Arbeitslosenzeiten mit hineinspielen."

Aufstocken bis zum umfallen

Hans-Jürgen Osterberg besucht als Ehrenamtlicher verarmte Menschen im Seniorenheim. Er berichtet von einer Dame, die, um ihre Rente aufzustocken, bis zum 85. Lebensjahr als Reinigungskraft gearbeitet hat. „Doch das ist ein Einzelfall“, sagt er. Nicht, weil es die meisten Menschen nicht müssen. Sondern weil sie es nicht können.

Teilhabe

Die mit der Altersarmut einhergehenden Probleme sieht der Wuppertaler Sozialdezernent unter anderem in der "Exklusion von Chancen und Teilhabemöglichkeiten": Wer es sich nicht mehr leisten kann, aktiv an der Gesellschaft teilzunehmen, der verarmt nicht nur finanziell, sondern auch sozial .

Es bleibt die Frage nach der Lösung? Es brauche mehr gesamtgesellschaftliches Engagement und mehr familiären Rückhalt für die alten Menschen, meint Osterberg. Auf politischer Ebene fehle den alten Menschen eine Stimme. 

Gekürzte Fassung. Den vollständigen Artikel finden Sie in der Wuppertaler Wochenzeitung talwaerts. Immer freitags für 1,90 Euro überall, wo es Zeitschriften gibt und für 8,90 Euro im Monatsabo: www.talwaerts-zeitung.de

(Esther Brandt)


 


 

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