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Bergisches Städtedreieck

Schafft die Region den Wandel?

Wuppertal hat laut Prognos-Studie 2016 gute Zukunftschancen im bundesweiten Städtevergleich. Remscheid und Solingen schneiden schlechter ab. Michael Wenge, Hauptgeschäftsführer der IHK Wuppertal-Solingen-Remscheid erklärt die Zusammenhänge und Hintergründe.

In der Rangliste zur Zukunftsfähigkeit deutscher Städte und Kreise der aktuellen Prognos-Studie landet Wuppertal auf Platz 231, Solingen auf Platz 324 und Remscheid auf 325. Damit erreicht die einwohnerstärkste Stadt des Bergischen Städtedreiecks diesen aktuellen Erhebungen einen Platz im Mittelfeld der 402 deutschen Regionen und kann sich im Vergleich zur letzten Erhebung von vor drei Jahren um 67 Plätze deutlich verbessern. Solingen und Remscheid erreichen die Plätze 324 und 325 und verschlechtern sich damit insgesamt. An der Spitze des Rankings liegt der Landkreis München, gefolgt von der Landeshauptstadt München, während der Landkreis Stendal das Schlusslicht bildet.

Seit 2004 erstellt die Prognos AG alle drei Jahre ein Standortranking: den Zukunftsatlas, anhand dessen die Zunftschancen der 402 deutschen Kreisen und Städte bestimmt werden. Die Studie ermittelt jeweils einen Zukunftsindex, der auf 29 Makro- und sozioökonomischen Indikatoren aus den Bereichen Demografie, Arbeitsmarkt, Wettbewerb und Innovation sowie Wohlstand und soziale Lage basiert. Jede Region erhält für die einzelnen Bereiche eine Platzierung von 1 bis 402 und aus der Gesamtbewertung aller Bereiche ergibt sich der Zukunftsindex, ebenfalls mit den Plätzen 1 bis 402.

Wuppertal punktet bei Dynamik und Innovation

Berücksichtig wurden zur Bewertung des Bereiches „Wettbewerb und Innovation“ unter anderem die Anzahl der Beschäftigten in deutschen Zukunftsfeldern oder für Bereich „Arbeitsmarkt“ die Arbeitslosenquote. Zusätzlich wurden die Städte auf einem „Stärkerang“ und einem „Dynamikrang“ platziert, um einerseits die momentane Standortstärke, aber auch die zeitliche Entwicklung einer Region aufzuzeigen. Wuppertal erzielt in vielen Bereichen Platzierungen im Mittelfeld. Positiv heraus stechen die Bewertungen bei „Dynamik“ (Platz 73) sowie „Wettbewerb und Innovation“ (Platz 81). Beim Punkt „Wohlstand und soziale Lage“ allerdings landet die Stadt auf Platz 367 nahezu am Ende des Rankings. Insgesamt bewertet Prognos die Situation Wuppertals als „ausgeglichenen Chancen-Risiko-Mix“. Auch Solingen punktet beim Faktor „Dynamik“, bei dem es im bundesweiten Vergleich auf Platz 166 landet. Remscheid hingegen erreicht beim Punkt „Demografie“ seinen aktuellen Bestwert und belegt in diesem Teilbereich Platz 179.

Michael Wenge, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Wuppertal-Solingen-Remscheid (IHK), zeigt sich zufrieden mit den erzielten Ergebnissen, kritisiert aber auch die Mängel der Studie (siehe Interview). So sieht er vor allem den Stopp des Bevölkerungsrückgangs in Wuppertal als einen der Hauptgründe für das gute Abschneiden in den Kriterien Dynamik und Innovation. Darüber hinaus hat die Stadt sogar einen Zuwachs an Einwohnern erhalten, welcher sich positiv auf die Entwicklung dieser Bereiche auswirkt.

Auch der erwirkte Rückgang der De-Industrialisierung in Wuppertal spiele eine Rolle. Michael Wenge: „Die Industrieumsätze entwickelten sich in den vergangenen Jahren positiv und die Unternehmen investieren kräftig.“ Als Beispiel dafür nannte er Bayer, das in den Wuppertaler Standort 320 Millionen Euro investiere. Weitere Pluspunkte für Wuppertal seien, so Wenge, die Zunahme der Beschäftigten, die Fortschritte bei der Haushaltskonsolidierung sowie der Abbau der kommunalen Verschuldung. Diese Faktoren schüfen „Spielräume für kommunale Investitionen“.

Studie: Orientierungshilfe für Städte, Gemeinden, Unternehmen und IHKs

Der Zukunftsatlas von Prognos fungiert als eine Orientierungshilfe für die verschiedensten Teilnehmer des globalen Wettbewerbs. Ziel ist es, etwa für Städte und Kreise, aber auch Handelskammern und Unternehmen, Datenmaterial bereitzustellen, das die wirtschaftlichen und sozialen Schwächen und Stärken deutscher Regionen deutlich macht. Städte und Kreise können daraus möglichen Handlungsbedarf ableiten, Unternehmen ihre Investitionen besser planen.

2016 wurde erstmalig in Kooperation mit der Index-Gruppe auch der Digitalisierungskompass erstellt: Basierend auf drei Indikatoren wird hier die Zukunftsfähigkeit der Regionen im Hinblick auf eine immer stärker technologiebetriebene und digitalisierte Wirtschaft untersucht. Ermittelt wurden hierfür etwa der „Anteil digitaler Impulsgeber an der Gesamtbeschäftigung 2015“, die „Anzahl der IT-Gründungen je 10.000 Erwerbstätige 2011-2014“ sowie der „Anzeigenindex Stellenausschreibungen im Bereich Digitalisierung“. Hier erreichten alle drei bergischen Großstädte 3 von 5 möglichen Sternen und somit eine Einschätzung „mit guten Chancen“.

Michael Wenge, Hauptgeschäftsführer der IHK Wuppertal-Solingen-Remscheid, im Interview zu den erzielten Ergebnissen des Bergischen Städtedreiecks der Prognos-Studie

Wie schätzt die IHK das Abschneiden der Städte Remscheid, Wuppertal und Solingen ein?

Wuppertal hat sich im Vergleich zur vorherigen Studie um 67 Plätze verbessert – das ist natürlich sehr erfreulich. Schließlich gehört die Stadt so zu den stärksten Aufsteigern im Prognos-Ranking. Dass Solingen und Remscheid schlechter abgeschnitten haben als vor drei Jahren, ist dagegen bedauerlich, liegt aus meiner Sicht aber auch daran, dass in der Studie wichtige Standortfaktoren nicht ausreichend berücksichtigt wurden. In Sachen Verkehrsanbindung wurde beispielsweise nur der Anschluss an die Autobahnen bewertet. Gerade aber die Nähe zu den Flughäfen Düsseldorf und Köln sowie die guten Bahn-Verbindungen sprechen für den Standort Solingen. Zudem ist auch die Bewertung in der Kategorie Arbeitsmarkt irreführend. Darin stuften die Autoren der Studie Solingen und Remscheid schlecht ein, da beide Städte über vergleichsweise nur wenige Jobs im Dienstleistungssektor verfügen. Das greift aber zu kurz: In diesem Bereich gibt es überdurchschnittlich viele prekäre Arbeitsverhältnisse. Und das spricht wiederum eher gegen die Stärke eines Wirtschaftsstandorts. Auch der Stellenwert der Industrie kommt zu kurz, sonst stünde Remscheid mit seiner dynamischen Export-Industrie besser da. Außerdem ist es zwar richtig, dass Solingen und Remscheid keine Hochschulstandorte sind – bis auf die beiden dort angesiedelten Institute der Bergischen Universität. Dafür haben beide aber kurze Wege zu den Hochschulstandorten Wuppertal, Köln oder Düsseldorf, was im Prognos-Ranking überhaupt nicht berücksichtigt wird.

Inwiefern kann diese Verbesserung noch ausgebaut werden?

In Wuppertal sind die Hebesätze für die Gewerbe- und vor allem die Grundsteuer relativ hoch. Die Stadt wird mittelfristig daran arbeiten müssen, diese Hebesätze wieder zu senken. Es kann aber zunächst als Erfolg verbucht werden, dass trotz der Haushaltskonsolidierung keine weiteren Steuererhöhungen anstehen. Um die Dynamik für die Zukunft weiter zu sichern, muss die Stadt künftig auch mehr in die Verkehrsinfrastruktur investieren und ausreichend Gewerbeflächen zur Verfügung stellen.

Welche Möglichkeiten sehen Sie für die Städte Remscheid und Solingen, ihre Platzierung zu verbessern?

Beide Städte sind auf einem guten Weg, auch wenn das die Prognos-Studie so noch nicht abgebildet hat. Das geplante Designer Outlet Center (DOC) wird insbesondere Remscheid noch einmal einen großen Schub nach vorne geben. Wuppertal muss aber auch zulassen, dass sich in den Nachbarstädten etwas tut. Deshalb ist die vertrauensvolle Zusammenarbeit der drei Städte in der Bergischen Struktur- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft und im Bergischen Rat so wichtig.

Welche Bedeutung hat die Studie für die drei Städte aus Ihrer Sicht?

Die Untersuchung bietet einige interessante Aspekte, insofern sollte man die Ergebnisse aufmerksam lesen. Gleichzeitig offenbart das Werk aber auch die genannten Mängel und sollte deshalb auch nicht überwertet werden.

Ihre Einschätzung: Wie wird sich die Wirtschaft im Bergischen Land mittelfristig entwickeln?

Bei unserer letzten Konjunkturumfrage im Frühjahr beurteilten die bergischen Unternehmen ihre Geschäftsperspektiven für die kommenden 12 Monate trotz der zunehmenden Risiken im Auslandsgeschäft positiv. Wir gehen daher davon aus, dass sich die insgesamt gute konjunkturelle Lage im Jahresverlauf fortsetzen wird. Mittelfristig wird sich der vom Statistischen Landesamt prognostizierte weitere Bevölkerungszuwachs für alle drei bergischen Großstädte positiv auswirken. Unser Wirtschaftsstandort gewinnt so für Fachkräfte und Unternehmen an Attraktivität. Die hohen Investitionen der bergischen Unternehmen belegen, dass sie von der Zukunftsfähigkeit der Region überzeugt sind. Insofern sind wir optimistisch, dass der Standort gute Voraussetzungen auch für eine langfristig positive Entwicklung bietet.

(Isabel Riedel)


 


 

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