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Die Stadt, die sich nicht schminkt

Wuppertal mit fremden Augen

Die Wirtschaftsförderung Wuppertal hatte eingeladen, und zwar zu WuppertalPUBLIC 2013. Eine Tour für Journalisten, die über die üblichen Sehenswürdigkeiten wie Schwebebahn und Zoo hinausgehen sollte. Für den Chefredakteur von business-on Düsseldorf die Gelegenheit, einen Blick von außen auf die Stadt zu werfen.

In der frisch gegründeten Redaktion von business-on Wuppertal herrschte Ferienstress, niemand da oder in der Lage, den ganztägigen Journalistentermin wahrzunehmen. Also schaute man in die angrenzenden Regionen, auch nach Düsseldorf, und auch dort: Ferienzeit, keiner da oder in der Lage, den Termin wahrzunehmen. Wen trifft es letztlich – den Chefredakteur, der in den vermeintlich sauren Apfel beißt und sich akkreditiert. Was wusste ich bis dahin über Wuppertal? Hm, es gibt eine Schwebebahn, aus der einmal ein Elefant gefallen sein soll. Und bei Elefanten fällt mir noch der Zoo ein. Mein einziges echtes Wuppertal-Erlebnis, mehr als 40 Jahre zurückliegend, hat beides kombiniert. Eine Fahrt mit der Schwebebahn und einen Besuch im Zoo. Und dann war die noch die Zeit in einer PR-Agentur in Wuppertal. Aber von Wuppertal selbst habe ich damals nicht viel mitbekommen. Morgens über die A46 hin, abends möglichst schnell zurück nach Düsseldorf. Ach ja, da waren noch die köstlichen Fischfrikadellen aus dem Akzenta am Steinbeck. Und die famose Whisky-Auswahl dort. Und natürlich ein wenig Allgemeinwissen. Friedrich Engels, Pina Bausch, Johannes Rau, Tom Tykwer, Staubsauber und Thermomix.

Döppersberg – die Stadt wird schöner

Und nun stehe ich zu journalistengerechter Zeit im 19. Stockwerk der Stadtsparkasse Wuppertal und habe bei traumhaftem Spätsommerwetter einen eindrucksvollen Blick über die von Hügeln gesäumte Stadt, auf die Schwebebahn, auf ein riesiges Bauloch vor dem Hauptbahnhof. Das größte Bauvorhaben der Stadt. Rund 200 Millionen Euro Gesamtvolumen, aufgebracht von Stadt, Land, Bahn und Investoren. Und ich erinnere mich – irgendwann bin ich einmal nicht über die A46 gefahren, weil der Schnee, der in Düsseldorf sofort wegschmolz, im Bergischen gnadenlos liegen blieb und für Verkehrschaos sorgte. Also ab in die Bahn – und der Wuppertaler Hauptbahnhof und seine direkte Umgebung erschienen mir – um es vorsichtig auszudrücken – wenig attraktiv. Und genau das ändert sich gerade. Die alte Fassade des Bahnhofs wird wieder hergestellt, der 60er-Jahre-Vorbau ist bereits abgerissen. Die Tieferlegung der B7 ist geplant, der Straße, die die Stadt von West nach Ost durchschneidet. Darüber entsteht dann ein barrierefreier Weg in die Innenstadt, gesäumt von Wasserspielen. Ok, vielversprechend. Das wird der Stadt gut tun, auch wenn es noch bis 2017 dauern wird.

Bildung für die Welt

Nach den Ausführungen zum Döppersberg ab in den Journalistenbus, zur Bergischen Universität Wuppertal. Ein neuer Lesesaal ist entstanden. Rund, auf dem Hauptgebäude thronend, kreisrund. 80% Präsenzbestand in Bibliothek und Lehrbuchsammlung. WLAN und Computerarbeitsplätze. Sogar „Flegelecken“ gibt es im neuen Lesesaal. Eindrucksvolle Zahlen gibt es vom Pressereferenten der Uni. Zur Zeit noch ca. 17.500 Studenten, aber durch den doppelten Abiturjahrgang in NRW demnächst bis zu 19.000. 13% internationale Studenten aus rund 100 Staaten. Und ein gewaltiges Investitionsvolumen von einer viertel Milliarde Euro, das seit 2010 in die 1972 gebaute Uni gesteckt wird. 2028 soll die Sanierung und Erweiterung abgeschlossen sein. Maßgeblich beteiligt an der Gründung war der damalige NRW-Minister für Wissenschaft und Forschung Johannes Rau. Geführt hat es zu guten Rankings in vielen Fachbereichen und zu einer wichtigen technologischen Kooperation mit dem Teilchenforschungszentrum CERN in der Schweiz. Zum Abschluss gibt es noch einen Blick auf das Lichtkunstwerk auf dem Dach der Uni. 760 Meter LED-Leuchten erstrahlen nachts in 64.000 möglichen Kombinationen, gespeist von ökologisch korrekten Windrädern.

Crossboccia mit dem Weltmeister

Danach ein Abstecher ins Technologie-Zentrum Wuppertal, das w-tec. Hier haben unter anderem zahlreiche alte Kasernengebäude eine sinnvolle neue Verwendung gefunden. Fast 200 junge und schnell wachsende Unternehmen haben sich hier bereits angesiedelt. In einem der Blocks empfängt Timo Beelow, ein sportlicher junger Mann, die eher angejahrte Journalistenschar. Timo Beelow ist der Erfinder von Crossboccia. Und schon optisch nicht vergleichbar mit den älteren bis sehr alten Herren, die in Südfrankreich oder auch im Düsseldorfer Nordpark Boule-Kugeln durch die Gegend werfen. Die Idee kam ihm beim Boule mit Freunden – man beschloss, das traditionelle Spielfeld zu verlassen und ins Gelände zu gehen. Und neue Wurfvarianten auszuprobieren. Wirft der erste über den Rücken, müssen auch die Mitspieler über den Rücken werfen. Schnell stellte man fest, dass das traditionelle Equipment nicht geeignet war und entwickelte gefüllte Stoffbälle. Erstmalig auf dem Hochschulsportfest der Uni Wuppertal vorgestellt, kam schnell die erste Messe, die Boot in Düsseldorf. Und es ging bergauf mit dem ehemaligen Wohnzimmer- und Küchen-Start-Up. Mittlerweile ist aus Crossboccia eine Bewegung geworden, die Meisterschaften ausspielt und eine offizielle Weltrangliste führt. Und die Spielsets haben es in die Regale der großen Sportausrüster geschafft. Und den Wuppertaler Wirtschaftspreis in der Kategorie „Start-Up des Jahres“ gab es auch schon.Ein perfektes Beispiel dafür, dass ein Start-Up auch jenseits von High-Tech und Internet erfolgreich sein kann.

Hightech made in Wuppertal

Aber es gibt auch High-Tech im Technologiezentrum. Darunter Delphi, ein Automobil-Zulieferer, der hier mit 1.200 Entwicklungsingenieuren vertreten ist. Automotive, so erfährt der Redakteur, ist überhaupt ein wichtiger Industrie-Cluster in Wuppertal. Vorwerk-Autotec, HAKO, Riachtschieko und viele mehr sind als Traditionsunternehmen am Standort oder haben sich hier angesiedelt. Ok, es gibt also mehr als Staubsauger, Thermomix und Kopfschmerztabletten aus Wuppertal. Aber auch Künstler sind vertreten. In einer alten Panzerhalle werkelt zum Beispiel Tony Cragg, der Rektor der Düsseldorfer Kunstakademie, der auch in Wuppertal lebt.


 


 

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Bärtig Bräu
Christoph Maria Herbst
Bela B.

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