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Die Stadt, die sich nicht schminkt

Wuppertal mit fremden Augen

Zwischenstopp in der ‚Park Villa‘

Nach dem w-tec und einem Testmatch gegen den amtierenden Crossboccia-Weltmeister, der die Journalisten an den Rand der körperlichen Leistungsfähigkeit führt, geht es dann zur Erholung in die ‚Park Villa‘. Eine alte Industriellenvilla, die zum Vier-Sterne-Plus Hotel umgebaut wurde. Das einzige Hotel in dieser Kategorie in Wuppertal. Der denkmalgeschützte Bau wurde 1909 errichtet und im Oktober 2012 als Hotel eröffnet. Schon die Fassade fasziniert, drinnen Parkett, Holz und gediegener Luxus in 15 Zimmern und 6 Suiten. Und während des Essens gibt es von der Wirtschaftsförderung noch umfangreiche Informationen zu Wuppertal: Geburtsstadt von Friedrich Engels, Wiege der industriellen Revolution, neben Automotive auch einen starken Cluster der Werkzeugindustrie und Veranstaltungsort des größten Tango-Festivals Europas. Oha. Tango. Würde gut in die Villa Park passen …

Junior-Uni Wuppertal

Nach dem historischen Bau des ‚Park Villa‘ geht es wieder zu einer Baustelle. Mitten in der Stadt entsteht der Neubau der Junior Uni Wuppertal. Ein erfolgreiches Projekt erhält „Am Brögel“ eine neue Heimstatt. Kinder und Jugendliche können hier Kurse und Projekte mit wissenschaftlichem Anspruch besuchen. Bisher gab es 450 Kurse pro Jahr, an denen fast 7.000 Kinder teilnehmen konnten. Die Junior-Uni ist so erfolgreich, dass ein Neubau notwendig wurde. Dort können bis zu 1.000 Kurse für bis zu 15.000 Kinder angeboten werden. In den Kursen mit naturwissenschaftlichen und technischen Schwerpunkten soll keine Elitenbildung betrieben werden, sie wenden sich auch und besonders an Kinder aus bildungsfernen Schichten, wozu auch die extrem niedrigen Kursgebühren zwischen 5 und 10 Euro beitragen sollen, in denen auch der Transfer mit dem ÖPNV inbegriffen ist. Das Projekt wird durch Sponsoren privatwirtschaftlich getragen. Nach Meinung des Autors eine außerordentlich sinnvolles und förderungswürdiges Projekt, dass auch dazu führt, dass die Teilnehmer bei späteren Bewerbungen oder bei der Praktikasuche durchaus Vorteile haben.

Nordbahntrasse

Dann ist es aber endgültig vorbei mit der Gemütlichkeit. Vor dem Neubau der Junior-Uni haben freundliche Helfer eine drohende Kulisse aufgebaut: Fahrräder. Erst auf den zweiten Blick erkennt man, dass es sich um hochmoderne Räder mit Elektrounterstützung handelt. Glück gehabt – denn nicht umsonst hat der Regisseur Tom Tykwer Wuppertal als „Deutschlands San Francisco“ bezeichnet. Nach einer kurzen, aber elektrisch unterstützten Steigung geht es auf die Nordbahntrasse. Eine im späten 19. Jahrhundert erbaute und mittlerweile still gelegte Eisenbahntrasse, die sich 16 Kilometer über die nördlichen Hügel von Wuppertal zieht und die zu einem Rad- und Fußweg ausgebaut wurde und wird. Und während wir mit den Rädern über den perfekten Belag sausen und Tunnel mit Lichtinstallationen passieren, wird deutlich, dass die Idee angenommen wird: Zahllose Fahrradfahrer, Skater und Spaziergänger sind bei herrlichem Spätsommerwetter auf der Strecke unterwegs.

King Ping in der Utopiastadt

Die Tour endet am Bahnhof Mirke, einem wunderschönen, alten Bau, dessen Verfall von Utopisten gestoppt wird. Utopiastadt nennt sich das Projekt, das in Zeiten der zurückgehenden Förderung der Kreativbranche einen Gegenpol setzen will. Im Mirker Bahnhof haben sie ein Epizentrum gefunden. Kulturschaffende, Kreative und Projektentwickler haben sich hier zusammen gefunden, um ein eigenes kulturelles Zentrum zu schaffen. Künstler haben sich genauso angesiedelt wie ein Café, notdürftig in Stand gesetzt, mit improvisiertem, aber kultigem Tresen, in dem unter anderem „Bärtig Bräu“ verkauft wird – ein Sechstel der Café-Einnahmen werden an kleine Stadtteilprojekte weiter gereicht. Dirk Michael Häger, Drehbuchautor und Schauspieler, gesellt sich dazu und erzählt von seinem Film „King Ping“. Einige Szenen spielen im Café des Mirker Bahnhofs. Christoph Maria Herbst und Bela B. spielen mit, aber spannender als die Story ist die alternative Finanzierung: Crowdfunding und Sponsorengewinnung über Gewinnbeteiligung kamen zum Einsatz, aber auch ein Gewinnspiel, bei dem man fünf Euro einsetzen musste und Komparsenrollen in diesem Wuppertal-Krimi gewinnen konnte.

Fazit

Wow. Das war in der Tat mehr als Schwebebahn und Zoo. An diesem Tag zeigte sich Wuppertal nicht als langweilige Provinzstadt mit Engels-Haus und verblassendem Pina-Bausch-Ruhm, sondern als abwechslungsreiche Stadt mit einer gesunden Unternehmensstruktur, erfolgreichen Start-Ups, großem Bildungspotential und innovativer Kulturlandschaft. Ich freue mich auf WuppertalPUBLIC 2014.

(Dirk Schäfer)


 


 

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