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Fachkongress

Brücken anstatt Mauern bauen

In Müngsten ging es in den letzten zwei Tagen um Visionen: Zusammen mit vier anderen Brücken in Frankreich, Italien und Portugal soll Deutschlands höchste Eisenbahnbrücke, gerade 120 Jahre alt, möglichst bald zum Unesco-Weltkulturerbe gehören. Bis dahin können aber Jahre vergehen.

Für Solingens Oberbürgermeister Tim Kurzbach ist es ein „historischer Moment“. Der Bürgermeister der norditalienischen Stadt Paderno d`Adda, Renzo Rotta, betonte: „Es geht uns weniger um die Jagd nach einem Titel. Für Europa ist es absolut notwendig, dass wir gemeinsam handeln. Wir wollen Brücken bauen, und keine Mauern.“

Der 120. Geburtstag der Müngstener Brücke an diesem Wochenende macht es möglich: Die Städte Wuppertal, Solingen und Remscheid luden zum großen Come-together ins Tal der Wupper und Interessenvertreter von Gemeinden in Portugal, Italien und Frankreich kamen. Zusammen mit einem Dutzend Experten. Gemeinsam möchte man fünf gleichartige Brücken, alle gebaut zwischen 1877 und 1897, als Unesco-Weltkulturerbe eintragen lassen. Diskutiert wurde vor allem über das „wie“. Wie die gemeinsame Bewerbung so „unterfüttert“ werden soll, dass gute Chancen auf Erfolg bestehen.

Denn der erste Versuch vor sechs Jahren der Bewerbung aus dem Bergischen war nun einmal gescheitert. Damals versuchte man einen Alleingang. Schließlich galt und gilt Deutschlands höchste Eisenbahnbrücke als technisches Pionier- und Meisterwerk, das seit 1985 unter Denkmalschutz steht und als „Denkmal nationaler Bedeutung“ eingestuft wurde.

„Nutzung ist die beste Erhaltung“

Die 107 Meter hohe Stahlbogenkonstruktion ist nicht nur Wahrzeichen des Bergischen Landes, sondern war auch zentraler Baustein in der Entwicklung der Industrieregion des "Bergischen Städtedreiecks". Heute ist die Müngstener Brücke eine der ganz wenigen erhaltenen Großbrücken in Deutschland, die während der zweiten industriellen Revolution Ende des 19. Jahrhunderts gebaut wurden und noch weitgehend original erhalten sind.

„Nutzung ist die beste Erhaltung“, betonte denn auch Ingenieur Norbert Tempel, einer von einem Dutzend anwesenden Experten mit internationalem Know-how, während des abendlichen Fachkongresses. Seit Freitagmorgen hatten er und drei Dutzend Fachleute und Verantwortliche aus verschiedenen Brücken-Anrainer-Kommunen im Haus Müngsten miteinander gesprochen und dann Nägel mit Köpfen gemacht: Am Ende des Tages wurde feierlich von den Beteiligten ein „Memorandum of Understanding“ unterschrieben, dass man sich gemeinsam auf den Weg machen wolle zu einer „seriellen, transnationalen Welterbe-Nominierung“.

Das Wort "Brückenfamilie" machte immer wieder die Runde. Gemeint sind damit neben der Müngstener Brücke die vier ähnlich gebauten Brücken Ponte Maira Pia und Ponte Dom Louis I. in Portugal, das Grabit-Viadukt in Frankreich sowie die Ponte San Michele in Italien.

DB-Bevollmächtigter: „Wir hängen an der Brücke“

Für die Bewerbung macht sich auch deren Eigentümer, die Deutsche Bahn, stark, sagte der Konzernbevollmächtigte Werner J. Lübberink. Er betonte: „Wir hängen an der Brücke.“ Und versprach, sich persönlich bei den Bahngesellschaften in Frankreich, Portugal und Italien dafür einzusetzen, dass man auch von Eigentümer-Seite eine gemeinsame Vereinbarung unterschreibe. Als Geschenk für die Vertreter der Gemeinden aus Porto (Portugal), Ruyes en Margaride (Frankreich) sowie Paderno d`Adda und Calusco d`Adda (Italien) brachte er je einen der ausgewechselten Nieten aus dem Jahr 1897 mit, die die Brücke zusammenhalten.

Sichtlich stolz zeigte sich Gastgeber Tim Kurzbach zusammen mit seinem Amtskollegen Mast-Weisz aus Remscheid und Wuppertals Beigeordnetem Matthias Nocke am Abend: „Wir alle verstehen uns als Brückenbauer und ich hoffe, unsere Beziehungen untereinander – hier im Bergischen und auch mit den Partnern in Europa, werden dadurch noch enger.“ Voller Enthusiasmus will er die Bewerbung voranbringen: „Es brauchte damals Wagemut, dieses Bauwerk zu vollenden, und es braucht auch heute von uns allen Pioniergeist. Aber diese Zusammenkunft und unsere Gespräche waren sehr ermutigend.“

Tourismus soll profitieren

Wuppertal, Solingen und Remscheid erhoffen sich bereits von einer Nominierung der Brücke als Welterbe Impulse für die Region. "Nicht nur das Tourismusgewerbe würde davon profitieren, sondern das Image des Bergischen Städtedreiecks erhielte einen weiteren Aufschwung. Eine Auszeichnung wäre dann das touristische Leuchtturmprojekt", sagte der Geschäftsführer der Bergischen Struktur- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft, Stephan Vogelskamp. Doch der Weg ist lang und ungewiss. Frühestens für 2022 rechnen Experten mit der nächsten Gelegenheit, sich bewerben zu können. Eine Auszeichnung sei dann erst in 10 bis 15 Jahren möglich.

(Liane Rapp)


 


 

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