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Wuppertaler Agentur "music4friends" wagte Experiment "Augenhöhe"

"Einen Monat Chef" - unter diesem Motto praktizierten zwei Geschäftsführer und ihre beiden Auszubildenden den Rollentausch als Experiment. Als Fazit erlebten alle Beteiligten eine win-win-Situation.

Wie kann ein Unternehmen von den Skills seiner jungen Mitarbeitenden profitieren? Und wie die Jungen von den Anforderungen, die an die Führung einer Firma gestellt werden?

Ganz einfach, indem beide Seiten die Rollen tauschen. Für eine kurze, definierte Zeit. Zum Beispiel vier Wochen. So jedenfalls haben es die beiden 40jährigen Geschäftsführer Sascha Poddey und Sascha Götz der Wuppertaler Künstleragentur music4friends mit ihren beiden Azubis Michelle Krell (20) und Danielle Sörries (25) gemacht.

Die Idee kam den beiden Geschäftspartnern Ende 2015, als sie den Film „Augenhöhe“ sahen. Darin verdeutlichen verschiedene Unternehmer, wie sie es schaffen, dass ihr Betrieb gleichzeitig menschlich und ökonomisch erfolgreich geführt wird. Nämlich hauptsächlich dadurch, dass starre Hierarchien durchbrochen werden und man auf neue Wege bei Mitarbeiterführung und Arbeitsorganisation setzt. „Dieser Film“, bekennt Sascha Poddey, „war und ist Inspiration pur. Schließlich befinden wir uns mit unserer Agentur inmitten eines Pools von Kreativen, in dem man auch seine eigenen Mitarbeiter nicht mit klassischen Top-down-Strategien motivieren kann.“ Gerade Schlüsselbegriffe des Films wie Selbstbestimmung, Partizipation und Potentialentfaltung „kamen uns vor wie die Kanalisation unserer Gedanken“, denn schon länger hatten sich die Geschäftsführer mit neuen Wegen von Hierarchie und Führung auseinandergesetzt. „Und dann kam dieser Film und war die Initialzündung für unser Experiment“, so Sascha Poddey. Eines der Ziele des Experiments: Eigenverantwortung fördern und erfahrbar machen. „Wir wollten, dass unsere Auszubildenden ihre eigenen Ideen umsetzen und sich ohne Restriktionen einbringen können. Am Ende haben wir daraus eine Menge neue Impulse für unsere Arbeit bekommen.“

Aufbruch in ein gewagtes Experiment

Ende November sprachen die beiden Geschäftspartner die zwei Auszubildenden an - ob sie bereit wären, für einen Monat die Rollen mit ihnen zu tauschen. Erst waren die beiden angehenden Veranstaltungskauffrauen überrascht, baten sich eine Bedenkzeit aus, dann aber gingen sie – nach weiteren Gesprächen mit ihren Chefs, die sie auf ihre neuen Rollen vorbereiteten - neugierig und entschlossen ans Werk. Im Notfall, so vereinbarten beide Seiten, könnte man die Reißleine ziehen. Soweit aber kam es nicht.
Den ersten Tag als Chefinnen ihrer bisherigen Vorgesetzten starteten sie mit einer Präsentation ihrer Ideen und Ziele für den bevorstehenden Monat. Immer wieder gab es im Laufe des Experiments solche Treffen mit dem ganzen Team, in denen geklärt wurde, wie weit die gesteckten Ziele – von jedem einzelnen und als Unternehmen - schon erreicht waren, was das Experiment den Beteiligten bringt.

Immer wieder gab es auch wichtige Entscheidungen zu treffen für das junge Führungsduo. Etwa, wie eine Mitarbeiterin in Elternzeit ersetzt werden solle. Oder ob ein DIN-A3-Drucker angeschafft werden solle. „Mitarbeiter“ Sascha Poddey hatte sich einen solchen gewünscht, um ein bestimmtes Projekt realisieren zu können. „Da habe ich ihn erst einmal gefragt, wie oft er dieses Gerät wirklich brauche, und dann war klar: die Investitionen dafür sind zu hoch. Es ist viel sinnvoller, die Kopien im nahe gelegenen Copyshop anfertigen zu lassen“, erinnert sich Michelle Krell.

Neue Wege bei der Arbeitsorganisation

Tatsächlich war nach dem einen Monat das Ziel aller erreicht: Die beiden jungen Frauen hatten „in komprimierter Form“ gelernt, was es wirklich heißt, Verantwortung zu übernehmen. Eine wichtige Erfahrung, die ihnen auch beim Bearbeiten zukünftiger Jobs sehr hilfreich ist. „In Verantwortung wächst man tatsächlich hinein“, meint Michelle Krell, „heute traue ich mir einfach mehr zu als früher, gehe mit mehr Selbstvertrauen an neue Aufgaben heran.“ Dennoch waren beide auch froh, als der Rollenwechsel wieder vorbei war. „Man geht entspannter nach Hause oder ins Wochenende, nimmt gedanklich nicht so viel ins Privatleben.“ Empfehlen kann sie ein solches Experiment aber auch jeden Fall. „Man sollte sich aber vorher auf jeden Fall gut Gedanken machen, was dabei herauskommen soll“, meint Michelle.

Und auch für die Chefs war die Zeit ein wertvolles Learning. „Wir haben – quasi am eigenen Leib - gespürt, wie wichtig es ist, seine Mitarbeiter selbstständig arbeiten zu lassen und ihnen Vertrauen zu schenken“, sagt Sascha Poddey resümierend. Und auch dem Arbeitsklima in der kleinen Firma hat die Zeit nur gutgetan, meint er: „Es hat das Miteinander gestärkt und gezeigt, dass, wenn man tatsächlich auf Augenhöhe agiert, sich dies im Arbeitsalltag nur positiv bemerkbar macht. Die Kommunikation ist offener geworden und wir Senioren haben gelernt, mehr Platz zu lassen, in den die Jüngeren hineinwachsen können.“ Als eine Konsequenz aus dem Rollentausch-Experiment sind flexible Arbeitszeiten sowie eine regelmäßige Kommunikation eingeführt worden.

Firmenprofil:
music4friends ist eine Künstlervermittlung mit dem Schwerpunkt auf Live-Bands und Event-DJs mit Sitz in Wuppertal
Gegründet wurde sie 2001 von den Geschäftsführern Sascha Poddey und Sascha Götz
Motto der Agentur ist „Glückliche Künstler – begeisterte Kunden“

(Liane Rapp)


 


 

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