Weitere Artikel
Interview

„Bei aller Ernsthaftigkeit sich selbst nicht zu wichtig nehmen“

Der Kölner PR-Fachmann Frank Behrendt rät zu mehr Gelassenheit - im Beruf und im Leben allgemein.

Noch als Vorstand der Agentur fischerAppelt sorgte Frank Behrendt im Herbst 2015 für Furore, als er "10 Thesen für ein entspanntes Berufsleben" veröffentlichte. Im letzten Jahr dann gab er seinen Vorstandsposten ab, fungiert seither als Senior Advisor und nutzte die freie Zeit u.a., um ein Buch zu schreiben: "Liebe Dein Leben und nicht Deinen Beruf". Der Trick wäre, so der selbsternannte „Guru der Gelassenheit“, die Grenze zwischen „work“ und „life“ durchlässiger zu gestalten. Er selbst durchmische beides miteinander und habe so Spaß am Leben und am Job. Der langjährige Agenturchef (u.a. Ketchum Pleon) schreibt, er könne nur deshalb tiefenentspannt sein, weil er selbstbestimmt und sehr flexibel, gleichzeitig mit einer klaren Strategie, zwischen Beruf und Privatleben „herumspaziere“.

Der PR-Profi stellte sich den Fragen von business-on.de:

Für wen eignet sich „Liebe dein Leben und nicht deinen Job“ nicht?

Für diejenigen, die von sich sagen können, dass sie ihr Berufs- und Privatleben zu 100 Prozent so hinkriegen, dass sie selbst und alle anderen in ihrem Umfeld absolut glücklich und zufrieden sind.

Welcher ist der wichtigste der „10 Ratschläge für eine entspannte Haltung“?

Der letzte. Denn wer seine Familie, seine Freunde, sich selbst und das Leben liebt, der setzt – wenn er es ernst meint – die richtigen Prioritäten und surft damit definitiv glücklicher durchs Leben.

Spielen denn alle während ihrer Arbeit wirklich „Monopoly für Erwachsene“, so wie es im Buch geschrieben steht?

Nein, natürlich nicht. Man sollte auch nicht jedes Wort von mir auf die Goldwaage legen. Ich bin PR-Mensch, mein Job ist es zuzuspitzen, auch mal mit einem Satz zu provozieren, um im Geschrei der Botschaften gehört zu werden. Das hat ja auch funktioniert (lacht). Ich mache meinen Job auch hoch professionell, gehe mit Budgets von Kunden absolut verantwortungsvoll um. Mir ging es darum - und der Satz in der These geht ja noch weiter - dass man sich bei aller Ernsthaftigkeit selbst nicht zu wichtig nehmen sollte.

Ist Ihnen denn der Begriff schon um die Ohren geflogen?

Wer provokante Thesen multimedial verbreitet, muss mit Gegenwind rechnen. Aber sonst hätten sie auch keine Relevanz. Wenn man über meine Sätze nicht hätte diskutieren oder sich aufregen können, wären sie nie so verbreitet worden. Nur was die Menschen bewegt, ist auch in der Werbung erfolgreich.

Gab es Zeiten, als auch Sie die Tage in „work“ und „life“ unterschieden und um eine Balance gerungen haben?

Natürlich. Ich bin ja nicht als Guru auf die Welt gekommen. Auch ich habe in jungen Jahren viele Fehler gemacht, habe vieles schmerzhaft lernen müssen und mit dem Scheitern meiner ersten Ehe am Ende auch einen hohen Preis für meine damals falsche Priorisierung gezahlt. Aber ich habe daraus gelernt und bin so zu meinem Ansatz gekommen, mit dem ich heute sehr glücklich lebe und arbeite. Diese Erkenntnisse gebe ich in meinem Buch weiter, damit sie andere inspirieren und dem einen oder der anderen helfen, manche Fehler nicht zu machen.

Jahrelang waren Sie selbst an der Spitze von Agenturen, haben Sie da immer Ihr Leben geliebt?

Das Leben habe ich immer geliebt, ich hatte nur früher leider oft zu wenig Zeit dazu, es auszukosten. Das habe ich zum Glück nicht zu spät geändert und festgestellt, dass sich Job, Karriere, Zeit für das Leben und Familie wunderbar unter einen Hut bringen lassen, wenn man die tradierten Pfade verlässt und anders an viele Dinge herangeht.

Der Titel des zweiten Kapitels lautet „Ausbildung zum Freiraumgestalter“ – was steckt dahinter?

Dahinter steckt, dass man sich Freiräume nehmen und einrichten muss und nicht darüber lamentieren sollte, dass man keine hat in einem vermeintlichen Job-Korsett. Natürlich kann nicht jeder machen, was er will, ich auch nicht. Aber es gibt immer und überall Nischen und kleine Fluchten, die man nutzen kann und sollte. Diese für sich zu erkennen und maximal zu nutzen, darum geht es.

Sie selbst sind 53 Jahre. Wie oft, glauben Sie, werden Sie noch neu anfangen – im Buch schreiben Sie, dass darin immer eine Chance liegt ..?!

Das wird bei mir nie aufhören und das wäre ja auch sonst langweilig. Ich bleibe ein großer Junge und neugierig. Es geht ja auch nicht darum, immer alles umzustellen und aufzugeben. Aber etwas Neues dazu zu addieren, ist eine ungeheure Bereicherung. Vor gar nicht allzu langer Zeit hätte ich mir nie träumen lassen, dass ich mal ein Buch schreibe und in einem Winnetou-Film mitspiele. Beides habe ich gemacht und es sind wunderbare ganz neue Erfahrungen, die mir unendlich viel gegeben haben.

Sie appellieren daran, mit „offenem Visier“ zu agieren, sind Sie damit nie auf die Nase gefallen?

Doch, natürlich. Aber auch das gehört dazu und schärft die Sinne. Deshalb bin ich aber nie auf die Idee gekommen, lieber hinterhältig zu agieren. Als klarer, aufrechter, fairer Typ konnte und kann ich immer besser in den Spiegel schauen. Das ist mir wichtig. Auch Helden verlieren mal, aber sie stehen wieder auf.

Die Bezeichnung „Guru der Gelassenheit“ – hängt Ihnen das nicht doch schon ein bisschen zum Hals raus?

Das sehe ich entspannt (lacht). So hieß noch keiner und ich finde das witzig. Ich kann auch wunderbar über mich selber lachen und so ein Titel ist ja immer ein willkommener Anlass dafür.

Sie schreiben: „Ich will im Konzert meines Lebens nicht nur die Triangel spielen, ich will der Dirigent sein“, was ist schlecht an der Triangel? Nicht jeder ist eine Rampensau, so wie Sie …?!

Die Aussage muss man im Zusammenhang sehen. Es geht nicht darum, dass jeder immer und überall auf der Bühne den großen Zampano macht. Es geht darum, dass man nie vergisst, dass man für sein Leben selbst verantwortlich ist und man daher auch in bestimmten Situationen selbst agieren kann. Viele tun so, als wäre vieles fremdbestimmt und man könnte nichts beeinflussen. Das ist ein Irrglaube. Jeder kann zum Beispiel kündigen, wenn es ihm reicht. Da ist man auf jeden Fall ein Dirigent, der einen ganz starken Auftritt hat und steht nicht in der letzten Reihe und macht Ping an der Triangel.

Was ist Ihr Verständnis von Luxus?

Das hat bei mir nichts mit Geld zu tun. Das sind Moments of Excellence. Ich war kürzlich mit meinen beiden jüngsten Kindern auf dem Drachenfels in Königswinter. Die Sonne schien, der Blick war göttlich, der Akku meines Smartphones war leer und wir haben einfach draußen rumgesessen und Eis gegessen. Das war Luxus.

Diese „Moments of Excellence“ – wie können wir Normalsterblichen davon mehr bekommen …?

Na, ich bin ja auch kein Außerirdischer. Es geht darum, den Blick für das Besondere im Alltag zurückzugewinnen. Als Kind war eine Pusteblume oder ein Marienkäfer ein Highlight. Es muss nicht immer der Strand auf den Seychellen sein, um glücklich zu sein. Ich freue mich auch über eine Stunde im Sand am Rheinufer mit einem Coffee-to-Go in der Sonne. Wir sollten und alle wieder lernen, uns über kleine Dinge zu freuen.

Inspiration, wo finden Sie die?

Beim Spielen mit meinen Kindern und bei Gesprächen mit ganz normalen Menschen. Seit ich auf Stern.de als „Stern-Stimme“ schreibe, gehe ich noch aufmerksamer durchs Leben und sammle kleine feine Geschichten von Menschen mitten aus dem Leben. Jede Begegnung ist dabei pure Inspiration.

Was sagt eigentlich Ihr Friseur dazu, dass sein Laden eine regionale Berühmtheit dank Ihrer Geschichte erlangt hat, bekommen Sie den Haarschnitt jetzt umsonst?

Die sind natürlich happy. Sie haben mein Buch auf dem Tresen stehen und freuen sich immer, wenn ich komme. Aber ich warte noch genauso lange wie früher und bezahle auch weiter ganz normal.

Welches Feedback gab es auf das Buch von den Kollegen, aktuelle und frühere?

Extrem viel Positives. Die Ex- und Jetzt-Kolleginnen und Kollegen haben ja den Vorteil, dass sie mich live erlebt haben und wissen, dass ich wirklich so bin. Im Buch steckt 100% Franky drin. Viele hatten richtig Spaß, weil sie sich an manche Geschichte erinnerten, bei der sie selbst dabei waren. Und es haben sich Menschen gemeldet, von denen ich Jahre nichts gehört hatte, das Buch hat uns wieder zusammengeführt. Herrlich.

Was hat sich für Sie persönlich seit Erscheinen des Buches geändert?

Es gibt sehr viele Anfragen als Referent, mehr Interviewanfragen, ganz viel reizendes Feedback von Lesern und im Flugzeug oder der Bahn werde ich schon mal angesprochen. „Sind Sie nicht der...“ Aber das freut mich ja, denn ich mag Menschen und rede gerne mit ihnen.

Wird es noch weitere Lesungen geben, wo und wann?

Na klar, ich bin immer wieder irgendwo. Am besten schaut man auf meine Homepage www.frankzdeluxe.de - da steht immer, wo man mich wann erleben kann.

Sie haben sich als Marke eintragen lassen, warum?

Wir leben heute in einer Welt, in der auch Menschen zu Marken werden, speziell in den Sozialen Netzwerken. Wer weiß, was sich in der Zukunft bei mir noch ergibt, vielleicht rennen irgendwann Leute gerne mit frankzdeluxe T-Shirts am Strand rum (lacht).

Ist das Buch nun so erfolgreich, dass ein zweites geplant ist, wenn ja, zu welchem Thema?

Nach dem Erscheinungstag war es beim Online-Buchhändler Amazon direkt ausverkauft und die hatten definitiv nicht nur ein paar Exemplare auf Lager. Vor Weihnachten war mein Buch dort das meistverschenkte Wirtschaftsbuch und in den Manager Magazin Bestseller-Charts ist es direkt von 0 auf Platz 5 eingestiegen. Ich kann mich wirklich nicht beklagen. Das zweite Buch kommt auf jeden Fall, aber mehr wird noch nicht verraten. Es wird auf jeden Fall wieder ungewöhnlich, was den Titel und den Inhalt betrifft. Aber sonst würde es ja auch nicht zu mir passen.

(Liane Rapp)


 


 

Buch
Leben
Menschen
Job
Geschichte
Titel
Triangel
Gelassenheit
Agentur

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Buch" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: