Sie sind hier: Startseite Bergisches Land Aktuell News
Weitere Artikel
Kleinunternehmer und Freiberufler

Fast jeder sechste Selbstständige beklagt bürokratische Hürden

Vier von fünf Selbstständigen in Deutschland wünschen sich mehr Respekt von der Politik. Die große Mehrheit nennt die Bürokratie als Haupthindernis ihrer Tätigkeit. Das ergab der „Selbstständigen Report 2018“.

Wie sehen Selbstständige und Gründer in Deutschland aktuell ihre Lage? Eine Antwort auf diese Frage gibt der aktuelle Selbstständigen Report 2018, den der Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland (VGSD) e.V. und der Hersteller der Selbstständigen-Software invoiz gemeinsam entwickelt haben.

3.000 Teilnehmer aus ganz Deutschland haben laut invoiz von Mai bis Juli 2018 bei der Onlinebefragung Auskunft gegeben. Nach ihrer Einschätzung befragt worden waren Freiberufler, Einzelunternehmer und Inhaber kleiner Personen- und Kapitalgesellschaften. Zahlenmäßig stärkste Gruppe war die der selbstständigen Dienstleister ohne Mitarbeiter, die „Solopreneure“. Die Ergebnisse des Selbstständigen Report 2018 wurden Mitte Oktober veröffentlicht.

Viel Bürokratie, zu geringe soziale Absicherung

Demnach sehen 59 Prozent der Befragten in bürokratischen Hürden den größten Nachteil in ihrer Geschäftspraxis. Selbstständige vermissen darüber hinaus Respekt und faire Behandlung durch Politiker und staatliche Einrichtungen: Vier von fünf Befragten fühlen sich von der Politik wenig oder gar nicht respektiert. Noch größer ist mit 82,4 Prozent der Anteil der Selbstständigen, die mit Blick auf eine faire soziale Absicherung Verbesserungsbedarf oder gar erheblichen Verbesserungsbedarf sehen.

Regional gesehen ist in Berlin der Anteil der Selbstständigen an der Gesamtbevölkerung mit Abstand am höchsten. In Sachsen-Anhalt beträgt die Selbstständigen-Dichte dagegen gerade einmal ein Fünftel des Berliner Anteils. Hinter der Hauptstadt liegt mit Hamburg ein weiterer attraktiver Stadtstaat – gefolgt von Bayern und Hessen. Am wenigsten Selbstständige finden sich in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Brandenburg. Auch im Saarland und in Niedersachsen ist der Anteil an Selbstständigen auffällig gering.

Rheinland-Pfalz mit den höchsten, Thüringen mit den niedrigsten Stundensätzen

Anders sieht es beim Stundensatz aus: Mit einem durchschnittlichen Stundensatz von 91 Euro liegt Rheinland-Pfalz vorne. Berlin hingegen gehört mit einem durchschnittlichen Stundensatz von 61 Euro im bundesweiten Vergleich, zusammen mit ihren Kollegen in den fünf anderen ostdeutschen Bundesländern und in Schleswig-Holstein, zu den Einkommens-Schlusslichtern. Mit einem durchschnittlichen Stundensatz von 44 Euro liegen Thüringens Selbstständige weit abgeschlagen am Ende der Einkommens-Tabelle.

Frauen verdienen im Durchschnitt immer noch weniger als Männer

Die selbstständigen Dienstleisterinnen gaben einen durchschnittlichen Stundensatz von 63 Euro an. Ihre männlichen Kollegen berechnen demgegenüber im Schnitt einen Stundensatz von 78 Euro: Das bedeutet, dass Frauen rund 19 Prozent weniger verdienen als Männer. Rund die Hälfte der Frauen, nämlich 46,7 Prozent, betrachtet die aktuelle Lage ihrer Unternehmung laut Selbstständigen Report 2018 als „mäßig, schlecht oder gar existenzbedrohend“.

Die meisten sehen in der Automatisierung keine Bedrohung für den Job

Unabhängig von Alter, Qualifikation, Standort und Branche gehen mit 56,8 Prozent mehr als die Hälfte der befragten Selbstständigen davon aus, dass allenfalls geringfügige Teile ihrer derzeitigen Arbeit in zwanzig Jahren automatisiert erledigt werden. Mit 26 Prozent erwartet ein Viertel der Befragten überhaupt keine Änderungen. Nur etwa jeder sechste Befragte, genau 17,1 Prozent, geht davon aus, dass die derzeit ausgeübte Tätigkeit Ende der 2030er-Jahre ganz oder überwiegend durch Software oder Roboter erledigt wird.

Auffällig sind allerdings die Bereiche Versicherung und Verwaltung: Im Verwaltungssektor halten sich optimistische und skeptische Prognosen über die Automatisierung die Waage. In der Versicherungsbranche gehen hingegen mit 65 Prozent zwei von drei Befragten davon aus, dass der überwiegende Teil ihrer Arbeit in zwanzig Jahren automatisiert erledigt wird.

Die meisten Gründungen sind freiwillig gewählt

Selbstbestimmung, mehr zeitliche Flexibilität und höhere Verdienstmöglichkeiten – das sind die Hauptmotive der von uns befragten Selbstständigen. Notgründungen, wie sie in Zeiten der „Ich-AGs“ zu beobachten waren, sind heutzutage eher die Ausnahme: Nur knapp zwölf Prozent der Umfrageteilnehmer gaben fehlende Erwerbsalternativen als einen Beweggrund ihrer Unternehmensgründung an.

Besonders bemerkenswert: Die positiven Erwartungen an die Selbstständigkeit werden in der Praxis offenbar mehrheitlich erfüllt. Gut 86 Prozent der Befragten würden sich wieder selbstständig machen. Einer der Garanten des geschäftlichen Erfolgs ist das überdurchschnittliche Qualifikationsniveau der Selbstständigen: Laut unserer Erhebung verfügen zwei von drei Selbstständigen über einen Hochschulabschluss.

Buchführung und Steuern: meistens in Eigenregie

Trotz hohem bürokratischen Aufwand im Tagesgeschäft: Jeder vierte Befragte verzichtet laut Selbstständigen Report 2018 komplett auf die Unterstützung durch einen Steuerberater. Kleinunternehmer mit Jahresumsätzen bis zu 17.500 Euro beweisen bei Erfüllung ihrer Steuer- und Buchführungspflichten sogar mehrheitlich Mut zur Lücke: 55 Prozent der Befragten verzichten hier auf professionelle Hilfe.

Auch bei Alter und Bildungshintergrund zeigen sich Unterschiede: Hochschulabsolventen sichern sich mehrheitlich die Unterstützung eines Beraters. Dagegen verzichten ausgerechnet drei von vier Befragten ohne Hochschul- oder Berufsabschluss darauf, einen Steuerberater zu beauftragen.

VGSD-Wunsch: mehr Rechtssicherheit

„Die Umfrage zeigt deutlich, dass die Politiker genauer und unvoreingenommener zuhören sollten. Ich wünsche mir vor allem mehr Rechtssicherheit. Aktuell werden viele IT-Projekte ins Ausland verlagert, weil man innovative Projekte in Deutschland nicht rechtssicher durchführen kann”, sagt Dr. Andreas Lutz, Vorstandsvorsitzender des VGSD.

Der vollständige Selbstständigen Report 2018 kann auf www.invoiz.de heruntergeladen werden.

(Redaktion)


 


 

Selbstständige
Kleinunternehmer
Solopreneure
Freiberufler
Einzelunternehmer
Gründer
Selbstständigen Report 2018
Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland e.V.
VGSD

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Selbstständige" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: