Sie sind hier: Startseite Bergisches Land Aktuell
Weitere Artikel
Kultur

Zentrum für verfolgte Künste präsentiert Heba Y. Amin und den „Stern von Afrika“

Wie wird Technik als Machtinstrument eingesetzt? Welcher Zusammenhang besteht zwischen Kolonialismus und korrupten Systemen? Unter anderem diesen Fragen widmet sich die in Kairo geborene Künstlerin Heba Y.Amin. "Fruit from Saturn" heißt die Ausstellung, die das "Zentrum für verfolgte Künste" in Solingen bis zum 2. Februar 2020 zeigt.

Kolonialismus, staatliche Kontrolle und Machtausübung durch Technik, sowie korrupte Systeme, zerstörte gesellschaftliche Strukturen und Landschaften sind zwei Seiten derselben Medaille – und es sind die Themen, die Heba Y. Amin bewegen. In der Ausstellung "Fruit from Saturn" schlägt sie den Bogen von der Kolonialzeit, der Präsenz des deutschen Afrikakorps im nördlichen Ägypten bis zur Demokratiebewegung in Ägypten in den 2010er Jahren. Der Ausstellungstitel Fruit from Saturn zitiert den gleichnamigen, 1946 erschienenen Gedichtband des deutsch-französischen Lyrikers Yvan Goll. Auf sein Gedicht Atom Elegy, das den Abwurf der ersten Atombombe als Ende der Verheißungen atomaren Fortschritts entlarvt, bezieht sich Heba Y. Amin.

In Überarbeitungen seines ursprünglichen Gedichts macht Goll seinen Erkenntnisprozess sichtbar. Sie sind Teil der Sammlung Jürgen Serke im Literaturfundus des Zentrums für verfolgte Künste, ein unveröffentlichtes Originalmanuskript wird im Rahmen der Ausstellung nun ebenfalls erstmals öffentlich ausgestellt. Wie Goll beleuchtet Heba Y. Amin den Kern zerstörerischer Macht, gespeist aus Technik, Hegemoniestreben und dem Ziel der Aneignung fremden Territoriums. Gleichzeitig dreht die Künstlerin den Spieß um: In einer Serie von Fotografien zeigt sie sich als Landvermesserin aus Afrika, die bei Nacht mit einem optischen Gerät deutsche Landschaften taxiert und kartiert. Teil der Ausstellung "Fruit from Saturn" ist Amins fortlaufende Multichannel-Videoinstallation Project Speak2Tweet: Eine Sammlung während der Serie von Protesten und Aufständen in Ägypten im Frühling 2011 versandter Sprachnachrichten nach der landesweiten Abschaltung des Internetzugangs.

Ehrengast bei der Eröffnung: Roberto Blanco

Heba Y. Amin, 1980 in Kairo geboren und heute in Berlin lebend, schlägt mit der Ausstellung den Bogen von der Kolonialzeit, dem Krieg des deutschen Afrikakorps im nördlichen Ägypten bis zur Demokratiebewegung in den 2010er Jahren. Ihre Recherchen fokussieren sich auf die Geschichte einer in El Alamein von deutschen Soldaten errichteten Pyramide, ein Memento Mori des im Zweiten Weltkrieg gefallenen deutschen Kampfpiloten Jochen Marseille. Heba Y.Amins Kunstwerk offenbart eine absurde, lebensgefährliche Realität, denn das „Heldendenkmal“ liegt auch heute noch inmitten Millionen deutscher Landminen aus dem Afrikakrieg.

Das Leben des Kriegspiloten wurde 1957 unter dem Titel „Stern von Afrika“ verfilmt. Einer der Darsteller: Der damals 20-jährige Roberto Zerquera, der hier seine erste Rolle als Schauspieler erhielt. Der 1956 nach Deutschland gekommene Sohn kubanischer Eltern machte als Sänger und Entertainer und mit dem Geburtsnamen seiner Mutter Karriere: als Roberto Blanco. Zur Eröffnung der Ausstellung kam er als Ehrengast und Zeitzeuge ins Zentrum für verfolgte Künste. Im Gespräch mit Heba Y. Amin und dem Direktor des Zentrums, Jürgen Kaumkötter, berichtete er von seinen Erlebnissen und Erfahrungen mit dem „Stern von Afrika“.

Heba Y. Amin, zeigte ihre Werke unter anderem auf der 10. Berlin Biennale, der 15. Istanbul Biennale, in der Kunsthalle Bremen (Kunstpreis der Böttcherstrasse 2018), im MAXXI Rom, im FACT Liverpool, in der Kunsthalle Wien, dem Museum of Modern Art in Warschau, dem MOCAK Krakau, im Kunstverein Hamburg, auf der 9. Forum Expanded Exhibition der Berlin Berlinale oder der IV Moscow International Biennale for Young Art. In mehreren Sammlungen, etwa der des Britischen Museums London, sind ihre Arbeiten vertreten. Sie ist Mitbegründerin des Black Athena Collective, Kuratorin für Visuelle Kunst für das US-amerikanische Mizna-Journal und Co-Kuratorin des Residency-Programmes DEFAULT der Random Association (IT).

(Liane Rapp)


 


 

Zentrum
Amin
Ausstellung
Heba Y
Roberto Blanco
Rolle
Stern
Kolonialismus

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Afrika" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: