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Kunstausstellung

Bekenntnis im Raum

Eine Ausstellung über ein Bekenntnis? Was soll da zu sehen sein außer dem Text desselben? Falsch - die Ausstellung »Gelebte Reformation«, die vor einem Jahr zum 8o-jährigen Jubiläum der Barmer Theologischen Erklärung eröffnet wurde, geht einen anderen Weg.

Seit fast einem Jahr gibt es in der Gemarker Kirche die Ausstellung »Gelebte Reformation - Barmer Theologische Erklärung«, die an das grundlegende Zeugnis der Bekennenden Kirche gegen die nationalsozialistische Ideologie der sogenannten Deutschen Christen erinnert und die Wirkungsgeschichte des Bekenntnisses beschreibt.

Natürlich begegnen uns die sechs berühmten Thesen, jede auf einer Stele gleich im ersten Ausstellungsraum. Aber am Eingang grüßen zunächst auf großen Tafeln und in Farbe Luther, Zwingli, Melanchthon und Calvin - eine Art protestantischer Rushmore Hall.

Gottes Wort bleibt

Die Anfänge der Reformation im 16. Jahrhundert verweisen zugleich auf das Ende der Barmer Theologischen Erklärung, denn die erste Erläuterungstafel widmet sich einer Abkürzung: V.D.M.I.Æ – diese Initialen stehen für den biblischen Identitätsruf der Reformationszeit: »Verbum dei manet in æternum«. Diese lateinischen Worte - zu Deutsch: »Gottes Wort bleibt in Ewigkeit« – finden sich auch ganz am Ende der Erklärung, die am 31. Mai 1934 in Wuppertal-Barmen verabschiedet wurde.

Vergangenheit und Moderne

Die Ausstellung »Gelebte Reformation«, die sich in einem Raumensemble zwischen dem Eine-Welt-Laden und dem Kirchraum der Gemarker Kirche erstreckt, lässt den Besucher eintauchen in die Welt von damals – und zwar mit den Mitteln modernster Museumspädagogik. Es finden sich »Reliquien«, wie die Schreibmaschine der Marke Torpedo, auf der Karl Immer junior, der spätere rheinische Präses, nach Diktat von Karl Barth, Hans Asmussen und Thomas Breit die Endfassung der Erklärung schrieb, man findet natürlich auch ein Faksimile dieser und das Schild mit der Aufschrift »Teneo quia teneor« (»Ich halte aus, weil ich gehalten werde«), das einst über dem Schreibtisch von Karl Immer senior hing, damals Pfarrer in Barmen-Gemarke und Gastgeber der Bekenntnissynode. Aber es finden sich auch zahlreiche Stellen, wo man per Kopfhörer Zeitzeugnisse hören kann, und in den Stellwänden Tafeln zum Aufklappen, in denen wertvolle Zusatzinformationen oder Details niedergelegt sind.

Gleichzeitigkeiten 

Und dann ringen in dieser Ausstellung, dezent aber unüberhörbar, zwei Klangwelten miteinander: Ein Potpourri aus Reden der Nazigrößen von Hitler bis Reichsbischof Müller trifft in Dauerschleife auf eine Musikaufnahme der Kantorei Barmen-Gemarke mit Chorälen wie »Erhalt uns Herr bei deinem Wort« und weitere, die damals bei den Gottesdiensten der Bekenntnissynode gesungen wurden. Ja, durchzuckt es auch den heutigen Hörer, das waren die Welten, die damals in Barmen zugegen waren und miteinander gerungen haben. Die Synchronität dieser beiden Welten kommt in diesem Ineinanderklang zum Ausdruck.

Mit dieser Ausstellung ist den Machern um Pfarrer Martin Engels ein großer Wurf gelungen. Und im Besucher hat sich beim Verlassen nach mehrstündigem Aufenthalt folgender Gedanke eingenistet: »Ich muss unbedingt wiederkommen!«

(Esther Brandt)


 


 

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