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Kurzreise-Tipp

Märchenhaftes Marburg

Ein Besuch in der hessischen Universitätsstadt ist auch Zeitreise auf den Spuren der Gebrüder Grimm.

Marburg liegt im Herzen Deutschlands und bezaubert mit seiner wunderschön erhaltenen Altstadt aus dem Mittelalter und den urigen Studentenkneipen. Ein Stadtbummel durch die verkehrsberuhigte City mit ihren typischen Fachwerkhäusern ist allerdings nichts für Fußkranke, denn trotz eines Aufzugs, der die Unter- mit der Oberstadt verbindet, muss man viele der Gässchen treppauf, treppab per pedes bewältigen.

Gut 100 Höhenmeter liegen zwischen dem die Stadt überragenden Landgrafenschloss und der Elisabethkirche im Tal. Sie erinnert an das Schaffenswerk der Landgräfin Elisabeth von Thüringen, die hier im 13. Jahrhundert Kranke und Gebrechliche bis zu ihrem frühen Tod mit 24 Jahren pflegte und dafür heiliggesprochen wurde. Viele Tausend Pilger aus aller Welt kamen im Mittelalter nach Marburg, um ihr Grab zu sehen, und trugen mit dazu bei, dass die Stadt aufblühte. Noch heute zählt die gotische Hallenkirche jedes Jahr rund 100.000 Besucher.

Über 25.000 Studenten

Der Kern der 800 Jahre alten Stadt mit ihren rund 75.000 Einwohnern, davon mehr als 25.000 Studenten, strahlt eine gemütliche Atmosphäre aus, beherbergt schicke Boutiquen und traditionsreiche Gasthäuser gleichermaßen. Angeblich gibt es hier nach München die größte Kneipendichte Deutschlands. Gästeführer Wilfried Geiger erklärt die interessante Geschichte der einzelnen Häuser rund um den historischen Marktplatz und fügt schmunzelnd hinzu: „Was die Fassaden hier in der Altstadt betrifft, so kann man allerdings sagen, dass die, die nach nix aussehen, meist sehr alt sind, und die, die alt aussehen, verhältnismäßig jung sind.“

Eine Stadtrallye der besonderen Art hält der „Grimm-Dich-Pfad“ bereit: An 14 Stationen, verteilt in der ganzen Altstadt, findet man übergroße Märchenfiguren, die 2012 zum 200. Bestehen der „Kinder- und Hausmärchen“ in luftiger Höhe angebracht wurden. Ob „Das blaue Licht“ im Marburger Schlossbrunnen, das Lichtkunstprojekt „Sterntaler“ oder der riesige rote Schuh von Aschenputtel unterhalb des Landgrafenschlosses – überall wird man an die berühmtesten Studenten der Stadt und deren Werk, das zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, erinnert.

Berühmte Studenten-WG

Die Brüder Jacob und Wilhelm Emil Grimm, geboren 1785 und 1786 in Hanau, studierten in Marburg zwischen 1802 bis 1806 Jura und bewohnten zusammen ein kleines Eckzimmer in der Barfüßerstraße 35. Wilfried Geiger berichtet beim Gang durch die verwinkelten Gassen: „Die Brüder mochten Marburg nicht allzu sehr. Von Jacob ist folgender Spruch überliefert: Es scheint so, dass diese Stadt mehr Treppen und Stufen hat als Straßen und Plätze.“ Die Märchen von Hänsel und Gretel und vielen anderen veröffentlichten die beiden erst zehn Jahre nach ihrer „Marburger Zeit“, 1854 auch den ersten Band des "Deutschen Wörterbuchs". In Berlin und Weimar kamen sie mit den führenden Köpfen ihrer Zeit zusammen – etwa Clemens von Brentano, Achim von Arnim und Johann Wolfgang von Goethe. Die Idee für ihre Märchenbücher aber soll ihnen hier in dem malerischen Städtchen gekommen sein, inspiriert durch die vielen Gespräche mit dem von ihnen verehrten Professor Carl von Savigny, einem Schwager Brentanos, der u.a. ein Experte für Volkslieder und Märchen war.

Ausflug auf der Lahn

Wer nach Marburg kommt, wird sicher auch das Ufer der Lahn entdecken. Der Uferweg des seit den 1990er Jahren in weiten Teilen des Stadtgebietes renaturierten Flusses lädt zu Spaziergängen ein, die Wiesen entlang des Ufers im Sommer zum Sonnenbaden und Entspannen. Auch entspanntes Chillen ist hier möglich – etwa im Beachclub „Aroma Lahn Beach“ gleich neben der Rosenparkbrücke, gleich nebenan das „Bistro & Eisbar Aroma“. Um die Stadt aus der Perspektive des Flusses wahrzunehmen, bietet sich die Fahrt mit einem Tret- oder Ruderboot sowie von April bis Ende September mit dem Lahnboot Elisabeth II an. Ein- und Ausstieg ist am Trojedamm. 

Vor den Toren der Stadt: Dagobertshausen

Wer Marburg besucht, sollte auch einen Ausflug ins nur sieben Kilometer entfernte Dagobertshausen einplanen. Hier lässt sich die moderne, gehobene Gastronomie und Hotellerie der „Vila Vita“-Gruppe entdecken. Das Restaurant „Waldschlösschen“ ist in einem historischen Fachwerkhaus untergebracht und sehr stilvoll eingerichtet. Durch eine gläserne Scheibe kann man dem jungen Kochteam bei der Arbeit zuschauen, während im Sommer draußen im Garten gegrillt wird und die Kinder ein herrliches Terrain mit Seilbahn und Sandgrube für sich haben. Perfekt: Gleich neben der ausgefallenen Eventscheune für größere Gesellschaften befindet sich hier auch das kleine, sehr hübsche „Schlafgut“ mit individuell gestalteten Zimmern sowie einer Hochzeitssuite.

Landwirt Helfried Eden lebt mit seiner Familie seit 2012 in Dagobertshausen und betreibt das über die Landesgrenzen bekannte Hofgut. Riesige Erdbeer- und Spargelfelder gehören dazu, Kartoffelfelder mit alten Sorten wie der „Roten Emma“, Himbeersträucher in großem Stil, 150 Apfelbäume und eine Reitanlage. Spargel? Erdbeeren – hier? „Einer musste damit hier ja mal anfangen“, so der gebürtige Ostfriese fröhlich. Der Marburger Boden sei zwar schwerer und erwärme sich nicht so schnell wie der in Südhessen, aber er eigne sich durchaus für Spargel.

Informationen
Allgemeine Auskünfte erteilt die Marburg Tourismus und Marketing GmbH, Erwin-Piscator-Haus, Biegenstraße 15, 35037 Marburg, Tel.: 064 21-99 12-0, Fax: 064 21-99 12-12, www.marburg.de. Den Plan zum Grimm-Dich-Pfad erhält man bei der Touristikinformation oder online unter www.marburg.de/grimm

Übernachtungstipp: Das 8-Zimmer-Haus „Schlafgut“ in Dagobertshausen vor den Toren der Stadt, eingerichtet im englischen Landhausstil mit viel Liebe zum Detail, www.schlafgut-dagobertshausen.de, oder das 5-Sterne-Hotel Rosenpark, am Ufer der Lahn und nur wenige Minuten von der Altstadt entfernt, www.rosenpark.com.
Essen & Trinken: Restaurant „Waldschlösschen“, Dagobertshäuser Str. 12, 35041 Dagobertshausen, Telefon 06421 1750271, www.waldschloesschen-dagobertshausen.de, Frisches aus dem eigenen Kräuter- und Gemüsegarten und der Umgebung, Landbier aus der eigenen Brauerei, wunderschöner Garten; Biergarten „Bückingsgarten“ - Terrasse hoch über den Dächern von Marburg mit spektakulärem Ausblick, Landgraf-Philipp-Str. 6, Telefon 06421 – 165 77 71, www.bueckingsgarten-marburg.de.

(Liane Rapp)


 


 

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