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Lebensstil

Gemütlichkeit ist in

Plüsch war gestern. Der neue Trend der Gemütlichkeit will mit spießiger Piefigkeit nichts zu tun haben. Es geht um einen zuverlässigen Rückzugsort und Geborgenheit in einer digitalisierten Welt.

Schon Balu, der Bär wusste den kleinen Mogli mit seinem Dschungelbuch-Hit „Versuch`s mal mit Gemüüütlichkeit“ zu begeistern. Da war die Rede von summenden Bienen, vom Beerenpflücken und Bescheidenheit … und dann das vorhergesagte happy end: „Dann kommt das Glück auch zu diiiir.“ Wobei in der amerikanischen Originalversion ganz pragmatisch von den „Grundbedürfnissen“, dem „Nötigsten“, was man zum wahren Leben braucht, die Rede ist, aber Schwamm drüber. Wie dem auch sei, der deutsche Text ist und bleibt unsterblich!

Zukunftsforscher: Neue Rückbesinnung auf die Gemütlichkeit

Was jahrzehntelang als Synonym für kleingeistige Abschottung stand, wird wieder salonfähig: Gemütlichkeit. Im „Immobilien Report 2015“ bestätigte der Zukunftsforscher und Dipl.-Ing. Architekt Wolfram Putz: „Die heutige Rückbesinnung auf die Gemütlichkeit des Hauses, die Idylle des Privaten speist sich u. a. aus der Angst vor den Herausforderungen der Globalisierung und im Speziellen aus dem Verlust der Privatsphäre in einer digitalisierten Welt.“ Ob Eckbank oder Kachelofen, Hochflorteppich oder Kuscheldecke – Gemütlichkeit ist „der“ große Trend, sagen nicht nur Wohnexperten. Während Briten und Franzosen die deutsche „Gemütlichkeit“ sehr unscharf mit „comfort“ bzw. „confort“ übersetzen, gibt es nur eine andere Sprache, die eine annähernd analoge Bedeutung vorweisen kann: das dänische „hyggelig“, was ebenfalls so etwas wie wohlige Behaglichkeit ausdrückt. Spätestens, seitdem deutsche Sitten und Lieder, unter anderen durch das bajuwarische Oktoberfest, bis weit nach Asien und Südamerika herüberschwappen, kennt man auch dort das schöne, alte Liedgut vom „Prooosit auf die Gemüüütlichkeit“ ... Auch dies soll dazu beigetragen haben, den Begriff international zu verbreiten.

Gemütlichkeit, das kennzeichnet „eine dem Menschen freundliche, warme Atmosphäre und Umgebung, in der man sich wohlfühlt“, so die Erklärung von Wikipedia. Sie sei gekennzeichnet von Ausgeglichenheit, Geborgenheit, Konfliktfreiheit und Sorglosigkeit und bringe Ruhe in die Hektik des Alltags. Ein entspannender Kräutertee, Kissen, Kerzen und Kamin wärmen schließlich von innen. Dazu Puschen oder eine kuschelige Decke. Und schon geht es uns besser.

Lindner Hotels leben Trend in den neuen "me and all hotels"

Um, wenn auch gewissermaßen arrangierte, „Stimmungen“ geht es auch in der Gastronomie und Hotellerie. Otto Lindner etwa, Vorstand der Düsseldorfer Lindner Hotels AG, hat einen neuen Ableger seiner Hotelkette gegründet, die „me and all hotels“ mit ersten Dependancen in Berlin und Düsseldorf. Angesprochen werden von dem „urbanen, lässig-ungezwungenen Flair“ sollen „City- und Business-Traveller, die Leben, Arbeiten und Kommunikation in sympathischer Gemütlichkeit verbinden möchten.“ Der Firmenchef: „Mit den me and all hotels möchten wir das Lebensgefühl der urbanen Nomaden verkörpern, die vernetzt arbeiten und leben, dabei Wert auf stilvolles Understatement und eine lebendig-unaufgeregte Atmosphäre legen. Das Herzstück der me and all hotels ist die Verschmelzung von Lounge, Bar und Restaurant, wo die Gäste in gemütlicher Atmosphäre arbeiten, kleine Meetings abhalten, sich mit Freunden treffen oder einfach nur relaxen.“

Til Schweiger und sein Label "Barefoot" verköpern eine "neue Gemütlichkeit"

Ein Trend, den auch der Schauspieler und Regisseur Til Schweiger auifgriff, als er 2014 sein eigenes Label „Barefoot“ gründete, das seinen persönlichen Lebensstil widerspiegeln soll. Der Schauspieler und Regisseur erzählt über die Idee seines Start-ups: „Mein Anspruch an Filme wie Keinohrhasen, Zweiohrküken oder Kokowääh ist, dass man sich beim Anschauen wohlfühlt. Und so haben wir uns über die vielen Anfragen, wo man denn das Interieur Design der Film-Wohnungen kaufen könne, sehr gefreut. Da dahinter einfach mein ganz privater Lebensstil steckt, haben wir eine Firma gegründet, die diese Wohlfühlprodukte anbietet. Schränke, Stehlampen, ja sogar Alpenzirbelöl – Dinge, ich mag und mit denen ich gern mein Leben gestalte.“ Alle Produkte – hauptsächlich Möbel, Wohnaccessoires, Geschirr und Kleidung – soll Til Schweiger persönlich ausgesucht haben. Vieles davon wird in einer kleinen Manufaktur in Portugal hergestellt. Der „Emma Wein“ kommt, so der Schauspieler, von Mallorca und sein „Lieblings-Kaschmirpullover“ aus dem Hochgebirge Nepals, wo „die Menschen selbstverständlich zu fairen Bedingungen“ arbeiten. Er selbst bezeichnet den Stil als eine „Mischung aus East Coast, Skandinavien und Mallorca. Auf jeden Fall mit natürlichen Materialien, schlichtem Design und Erdtönen. Es geht darum, mit Freunden und Familie eine entspannte Zeit zu haben. Und es ist für mich schön, wenn ich diese Stimmung weitergeben kann.“

Homing ist in

Den Wohntrend mit flauschigen Kissen, warmen Farben, sanften Materialien und Formen sieht auch Ursula Geismann vom Verband der Deutschen Möbelindustrie. „Wir sind ganz weg von den kühlen, zurückhaltenden Sachen. Wertigkeit drückt sich aus durch Größe und Naturmaterialien, und es setzt sich eine skandinavische Ausprägung der Gemütlichkeit durch", so die Trendexpertin, „der Tisch ist dabei zentrales Einrichtungsstück. Dort findet das Leben, gemeinsames Kochen oder der Spieleabend statt. Das eigene Zuhause wird zum sozialen Lebensmittelpunkt, ‚Homing‘ nennt sich das und steht für ein großzügiges, kuscheliges Wohngefühl.“
Ein Trend, den auch die Gründerin von Deutschlands führendem do-it-yourself-E-Commerce-Portal „DaWanda“, Claudia Helmig, bei ihren Kundinnen beobachtet: „Alles, was naturverbunden und ursprünglich aussieht, aus Naturmaterialien besteht und zu einem behaglichen Wohn- und Wohlfühlambiente beiträgt, ist gefragt. Hoch im Kurs stehen kuschelige Accessoires wie etwa die „Faultier“-Wärmflasche. Ebenso Mützen, Schals, gestrickte Teppiche, Decken und Kissen aus superdickem, handgesponnenem Merinogarn, das mit übergroßen Nadeln gestrickt wird – das sogenannte ‚Extreme Knitting‘.“


(Liane Rapp)


 


 

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