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Reise- und Filmtipp

Poetische Bilderreise - im Kino und durch Holland

Der Film „Loving Vincent“ läuft derzeit in vielen Kinos. Wer sich auf die Spuren des berühmten Künstlers begeben möchte, ist nicht nur in Amsterdam, sondern auch im Südwesten der Niederlande richtig.

In vielen Kinos läuft derzeit der Film „Loving Vincent“, ein Animationsfilm, in dem die Gemälde von Vincent van Gogh spektakulär zum Leben erweckt werden. Eine bewegende Hommage an das tragische Genie: 125 Künstler aus aller Welt fertigten für „Loving Vincent“ 65 000 Ölgemälde an, jedes einen Meter mal sechzig Zentimeter groß. Diese wurden – ebenso wie rund hundert Werke von Vincent van Goghs selbst – für den Film abfotografiert und so miteinander verbunden, dass daraus dieser einzigartige Film entstand. Dessen Geschichte auch noch großartig ist …!

Sie beginnt nach van Goghs Tod im Jahr 1890. Erzählt wird sie aus der Sicht des jungen Armand Roulin, dem Sohn des Postmeisters, mit dem van Gogh befreundet war. Er bekommt die schwere Aufgabe, van Goghs jüngeren Bruder Theo zu finden und ihm den letzten Brief des Künstlers zuzustellen. In Rückblenden werden van Goghs Leben und die Umstände seines Todes wie in einem Puzzle zusammengesetzt. Und so wird „Loving Vincent“ zu einem klugen Kriminalstück.

War er nun verrückt oder nicht? Ein Eigenbrödler? Ein Getriebener? Auf jeden Fall ein Genie .. sonst hätte Vincent van Gogh in den zehn Jahres seines künstlerischen Schaffens wohl nicht über 1800 Gemälde und Zeichnungen anfertigen können. Wer sich auf eigene Faust auf die Suche nach der wahren Identität, nach dem Geheimnis des Vincent van Gogh machen möchte, der sollte – nachdem er sich einen Großteil seines Oeuvre im Van Gogh Museum in Amsterdam und im Kröller-Müller Museum in Otterlo angeschaut hat – unbedingt auch auf den Weg in die drei Städtchen Zundert, Etten-Leur und Nuenen machen. Denn dort wurde er geboren, dort verbrachte er seine Kindheit und Jugend, dort machte er seine ersten Schritte hin zum bildnerischen Darstellen – bevor er nach Belgien und Frankreich ging, um seine “großen” Bilder von Sonnenblumen und Sternennächten zu malen.

Ins "Van Gogh Huis" nach Zundert in Noord-Brabant

Seit sieben Jahren steht im Städtchen Zundert in Noord-Brabant nahe der belgischen Grenze an dem Platz, an dem ehedem sein Elternhaus stand, das “Van Gogh Huis”. Hier finden sich zwar keine Werke van Goghs, sondern „nur“ eine kleine Wechselausstellung von unterschiedlichen zeitgenössischen Malern, die sich von ihm inspirieren ließen. Sehr wohl aber Reproduktionen von Selbstbildnissen und Zitate über ihn von anderen Künstlern wie Paul Klee und Alexj von Jawlensky. Und auch das Leben der Familie van Gogh – Vincent lebte dort mit seinen Eltern sowie drei Schwestern und zwei Brüdern – wird anhand via Audioguide widergegebener Zitate sehr lebendig.

„Vincent van Gogh litt sein Leben lang unter dem “ersetztes Kind”-Syndrom“, erklärt Frans van Hoof, der uns durch das “Van Gogh Huis” und das umliegende Viertel führt. Hier wurde er am 30. März 1853 als zweites Kind der Eheleute Theodorus und Anna geboren. Der Erstgeborene der Familie, so erfährt man u.a. auf dem Friedhof ein paar Schritte weiter, wurde ebenfalls Vincent genannt, verstarb aber noch während der Geburt. Dennoch setzte sich der streng gläubige Vater, protestantischer Pfarrer der kleinen Gemeinde, dafür ein, dass ein Grabstein verlegt wurde – der noch heute dort liegt. Vincent also der zweite Sohn, kommt mit dem schweren Erbe seines verstorbenen Bruders offensichtlich nicht klar. Die Schulkameraden mobben ihn, ziehen ihn auf wegen seiner roten Haare. „Er wird ein Sonderling”, erzählt Frans, “zieht viel allein umher, auch nachts.”

Mit 16 schicken ihn die Eltern nach Den Haag zum Onkel, der dort Kunsthändler ist. Nach Stationen in London, Paris, Amsterdam und Brüssel zieht es den nicht mehr ganz jungen Mann im Alter von 28 Jahren zurück zu den Eltern, die mittlerweile in Etten wohnen. Bis dahin hat er einige Berufe ausprobiert, aber nichts will gelingen. Nun beginnt er zu zeichnen. Hauptsächlich Bauern bei der Arbeit und Landschaften. Davon erzählt auch der Trailerfilm, den man ein paar Kilometer weiter nördlich von Zundert in der zum Museum und Begegnungsort umfunktionierten Reformierten Kirche von Etten-Leur sehen kann, in der van Goghs Vater sieben Jahre lang predigte. Der beeindruckende, viele Meter hohe Ausstellungsraum ist bestimmt von acht van Goghs Stil nachempfundenen hohen Fenstermosaiken. Zum Ensemble gehören ebenso ein Informationszentrum sowie ein winzig kleines Kino, in dem bis zu zehn Personen einen interessanten Kurzfilm über das Leben und Schaffen des Künstlers sehen können.

Das Van Gogh Huis in Zundert, Markt 27, ist geöffnet mi-fr 10 bis 17 h, sa + so 12 – 17 Uhr, Eintritt 6 Euro, erm. 4 bzw. 2,50 Euro, Telefon 0031-76-5978590, www.vangoghhuis.com
Das Informationszentrum von Etten-Leur ist täglich geöffnet von 13.30 h bis 16.30 h, Tel. 00 31 (0) 6 22 01 1155, [email protected], www.vangoghkerk.nl.
Das „Vincentre“ in Nuenen (bei Eindhoven) beherbergt auch ein kleines Café, Audioguide auch in Deutsch, Berg 29, Telefon 0031-40-2839615, Eintritt 7, ermäßigt 4 Euro, geöffnet di-so 10 bis 17 Uhr,www.vgvn.nl. 

Sheila Fikke betreibt zusammen mit ihrem Mann zwei Hotels in Etten-Leur, u.a. das “Hotel Het Witte Paard”, wo van Gogh einst seinen Absinth getrunken haben soll. Beide sind Mitglieder in der örtlichen Stiftung, die es seit 2010 ermöglicht, auch in Etten – u.a. bei geführten Spaziergängen – auf den wahrhaftigen Spuren des großen Niederländers zu wandeln. „Es hat ein wenig gedauert, bis sich hier so viele begeistert für das Erbe van Goghs interessierten, dass wir die Stiftung auf die Beine stellen und die Kirche so repräsentativ für Besucher herrichten konnten”, gibt sie zu. Nun aber lebt der 42.000 Seelen-Ort mit dem hübschen, teils historischen Stadtkern recht gut vom van Gogh-Hype. Original-Kunstwerke gibt es derweil auch in Etten nicht zu bewundern. „Allein die Versicherung für die Werke könnten wir nicht stemmen”, sagt Sheila, weist aber darauf hin, dass das berühmte Bild “Erinnerung an den Garten von Etten” in der Hermitage in St. Petersburg hängt.

Das "Vincentre" in Nuenen bei Eindhoven

Von Etten aus dauert es circa 45 Minuten mit dem Auto, bis man im Örtchen Nuenen bei Eindhoven landet, wo ein weiteres Museum vom Leben van Goghs erzählt, das “Vincentre”. Erst dort schließt sich für den Besucher der Kreis, hier begreift er, wie sehr van Gogh seine Wurzeln im ländlichen Teil der Niederlande geprägt haben. Die Wälder, Weiden und Windmühlen, das reife Korn und der Arbeitsalltag der armen Tagelöhner. Hier findet er auch Zitate aus den über 800 Briefen, die van Gogh vor allem seinem Bruder Theo, dem er eng verbunden war, schrieb.

Die gebürtige Kölnerin Sabine Hendrikse lebt seit 25 Jahren in den Niederlanden, 18 davon in Nuenen. Sie ist eine von rund 200 ehrenamtlichen Helfern, die im beschaulichen Nuenen das „Vincentre“ sowie das kleine Museumscafé betreiben, und erklärt: „Vincent van Gogh war ein Mann, der immer auf der Suche war. Er hatte harte, düstere Zeiten hinter sich und suchte nun hier mit fast 30 Jahren den Weg der Selbstverwirklichung, wollte sich endlich zum ernstzunehmenden Künstler entwickeln.“ Dank moderner Museumstechnologie und der sorgfältig recherchierten Informationen gelingt es dem Besucher im „Vincentre“, sich einen eindrucksvollen Einblick zu verschaffen vom Leben und Schaffen dieses außergewöhnlichen Mannes. Man erfährt, wie ihn hier in Nuenen die Einfachheit des Landlebens und der Menschen prägten. Dass er hier Hunderte von Porträts von Arbeitern, Handwerkern und Bauern malte, auch sein erstes Meisterwerk „Die Kartoffelesser“, das heute mehrere Millionen Euro wert ist. Van Gogh aber war – nicht nur zu seiner „Nuenener Zeit“ - bettelarm, gönnte sich eher Farbe als ein Stück Brot. Er war nach Nuenen gekommen, weil hier die Eltern wohnten, der Vater hier arbeitete. „Doch auch hier war er unglücklich“, erzählt uns unsere ehrenamtliche Stadtführerin, „Viele nannten ihn einen Kauz oder bezeichneten ihn als verrücktes Malermännchen.“

Im Anschluss an den Museumsrundgang nimmt uns Sabine mit auf einen Spaziergang durch den Ort. An 22 Informationsstelen, die im ganzen Ort verteilt stehen, erfährt man viel Interessantes über das Leben van Goghs hier in Brabant, über seine Nöte, Freundschaften und Liebeskummer. Immer wieder fischt Sabine aus ihrer Hängetasche eine Kladde mit Kopien von Bildern van Goghs und deutet auf Gebäude. „An vielen Ecken Nuenens sieht es heute, rund 130 Jahre nach seiner Zeit hier, noch aus wie damals“, sagt sie, „insgesamt sind es 14 Motive, die man hier eins zu eins wiedererkennen kann, unter anderem das Haus, in dem seine Familie lebte, und auch die reformierte Kirche von Nuenen.“ Ein Bild, das er 1884 für seine Mutter malte, als diese mit gebrochener Hüfte ans Bett gefesselt war, und den Vater, der dort als Pastor arbeitete, nicht begleiten konnte. „Das Original-Bild“, so berichtet Sabine Hendrikse bedauernd, „wurde 2002 zusammen mit anderen Kunstwerken aus dem Van Gogh-Museum in Amsterdam gestohlen und ist immer noch verschollen.“

Van Gogh - auch ein Schwerpunkt in Het Noordbrabants Museum

Als einziges Museum im Süden der Niederlande präsentiert das "Het Noordbrabants Museum" Originalwerke von Vincent van Gogh. Die neun Werke befinden sich in der Ausstellung Het Verhaal van Brabant (Die Geschichte von Brabant) in einem Pavillon, der Van Gogh und seiner Brabanter Periode gewidmet ist. Bald schon soll das für fast drei Millionen Euro im letzten Jahr erworbene Gemälde "Wassermühle in Kollen bei Nuenen" zu dieser Kollektion hinzugefügt werden.

Nur noch bis zum 28. Januar ist wiederum die Wanderausstellung "Loving Vincent" in ’s-Hertogenbosch über die Entstehung des gleichnamigen Animationsfilms zu sehen. Darüber hinaus wird gerade aber eine Ausstellung über die Beziehung Van Goghs zu seiner Familie, Freunden, Modellen und anderen Künstlern vorbereitet. Diese internationale Ausstellung mit dem Titel "Van Gogh’s Intimate Circle" wird vom 21. September 2019 bis zum 12. Januar 2020 im Het Noordbrabants Museum zu sehen sein.

Besucherinformationen
Het Noordbrabants Museum
Verwersstraat 41,’s-Hertogenbosch
T +31 (0)73 – 6877 877
www.hnbm.nl

Allgemeine Auskünfte findet man auf www.holland.com sowie auf der Website der „Stiftung Zusammenarbeitsverband Van Gogh in Brabant“, P.O. Box 360, 5060 AJ Oisterwijk, Email: [email protected], www.vangoghbrabant.com

Übernachtungsmöglichkeiten:
Hotel ‘t Witte Paard, Oude Bredaseweg 15, 4872 AB Etten-Leur, Telefon 0031-76-3031301, www.hotelhetwittepaard.nl, 27 Zimmer ab 60 Euro für DZ ohne Frühstück (klein, aber sauber), hübsches Restaurant mit Blick in den Stadtgarten.
Das 3-Sterne-Hotel Parkhotel Auberge Vincent verfügt über 25 Zimmer und kostenlose Parkplätze vor dem Haus, Nuenen, Park 69, Telefon 0031-40-290 6390, www.aubergevincent.com. Preis: DZ ohne Frühstück ab 84 Euro, Frühstück: 14,50 Euro.

(Liane Rapp)


 


 

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