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Reisetipp: Florida Keys

Karibikfeeling in der „Conch Republic“

Für viele sind die "Keys" ein Sehnsuchtsziel. Was macht den Reiz aus? Welche Hotspots sollte man nicht verpassen?

Aus der Luft sehen die Florida Keys ein bisschen aus wie das Skelett eines Reptils. Zweihundert teils winzigkleine Inseln sorgsam aneinander gereiht, unterteilen sie den pazifischen Golf von Mexiko und den östlich davon gelegenen Atlantik. Auf rund 200 Kilometern miteinander verbunden durch einen vierspurigen Highway und 43 – teils monströse - Brücken. Aus der Vogelperspektive sieht man in erster Linie den tiefblauen Ozean, die smaragdgrünen Lagunen und olivgrünen Mangrovenwälder. Zumindest aus einer Propellermaschine, mit der man für nicht einmal 120 US-Dollar (one-way-Ticket) von Miami aus die Inselgruppe erreichen kann – ein großartiger Start in den Urlaub...

Die Keys, entstanden aus dem spanischen Wort „cayo“ - kleine, flache Insel - sind kein unberührtes, einsames Inselparadies. Jahr für Jahr werden sie von Millionen Touristen überlaufen. Und entlang des Highway Number One entspricht die Infrastruktur vor allem der einer typisch amerikanischen Ausfallstraße – Fastfood-Restaurants, Tankstellen, Shops, gesichtslose Motels, megagroße Werbeschilder. Erst an den abgeschiedeneren Küstenabschnitten abseits des Highways kommt Inselfeeling auf. Und es flirrt kubanischer Karibik-Rhythmus durch die Luft.

Strände, Riffs und Schiffwracks

Key West, der südlichste Ort der Keys ist zugleich der älteste. Nur 145 Kilometer entfernt von Kuba liegt die 33.000-Seelen-Gemeinde, aber 270 Kilometer entfernt von Miami. Im 17. Jahrhundert kamen die ersten Handelstreibenden mit Booten von der fremden Nachbarinsel hierher. Und bis in die 1950er Jahre landeten täglich Dutzende Fähren an den Havanna Docks in Höhe des heutigen Pier House. Zigarrengeruch hing in der Luft, es wurde mit Knoblauch, Oliven und Tabak gehandelt.

1821 kaufte der US-Amerikaner John Simonton aus Alabama die Insel Key West für 2000 Dollar dem Spanier Juan Salas ab. Da bewohnten rund 1500 Menschen das Eiland, und die meisten lebten vom „Wrecking“, vom Ausplündern der gesunkenen oder am Riff gestrandeten Schiffe – was durchaus legal war, solange man als Erster am Wrack war, und die verbliebenen Mitglieder der Crew rettete… Manchmal aber halfen die „Wracker“ dem Kentern auch nach, in dem sie Kapitäne mit Lichtern in die Irre führten. Schließlich wurde Key West dank dieses einträglichen Wirtschafts-zweiges zu einer reichen Stadt. Sie brachte Menschen hervor wie den Schatzsucher Mel Fisher, der 1998 verstarb, und ein Erbe an Gold und Silber im Wert von 400 Millionen US-Dollar hinterließ. Noch heute profitieren auch Touristen davon – tummeln sich an den zahlreichen gesunkenen Schiffswracks entlang dem Riff über 500 Fischarten – was ein besonderes Erlebnis für Taucher und Schnorchler ist.

Seinen Dornröschenschlaf beendete Key West spätestens, als das Militär einen seiner Hauptstützpunkte dort errichtete. 1822 verzeichnete man die ersten offiziellen Touristen, hauptsächlich US-Amerikaner von der Ostküste. Auch der Erdölmagnat Henry Flagler war von den Keys begeistert. Sein Eisenbahnprojekt feiert im nächsten Jahr hundertjährigen Geburtstag. Die Zuglinie wurde hauptsächlich gebaut, um den Handel mit der Karibik, vor allem mit Kuba zu forcieren. 1935 war damit Schluss, die Strecke war durch einen verheerenden Hurrikan an vielen Stellen zerstört… Leider ist an den Wiederaufbau nicht zu denken. Zu vieles wurde von diesem und nachfolgenden Hurrikans zerstört. Heute muss die vierspurige Straße als Haupttransportweg herhalten – was in Stoßzeiten schon mal zu kilometerlangen Staus führt.

In den 1930er Jahren wollte die US-Regierung Key West dem Verfall preisgeben, die Insel evakuieren. In Folge der „Depression“ waren die meisten Einwohner verarmt. Die Insulaner aber kämpften für den Erhalt der Kleinstadt, und es etablierte sich langsam eine Künstlerkolonie, die dem Tourismus wieder Auftrieb gab. Heute besuchen fünf Millionen Touristen jährlich die Insel, manche bleiben nur eine Nacht. Einige aber bleiben für immer… so wie Carol Shaughnessy (54), Büroleiterin des Fremdenverkehrsamtes. Sie schwärmt vom Zusammenhalt: „2005 riss Hurrikan Wilma alles weg – Autos, Mülltonnen, Grabplatten. Es sah schlimm aus in Key West. Aber schon am nächsten Tag krempelten die Leute die Ärmel auf und begannen aufzuräumen…“ Mit 19 kam sie hierher, wollte nur ein paar Tage Urlaub machen, aber es kam anders: „Ich rief zu Hause an, bat meine Mutter, mir zwei Koffer mit Kleidung der Post zu schicken, ich wollte einfach nicht mehr weg hier.“

Ein "must do": Sunset Celebration

Wir stehen am „Southernmost Point“. Einem schwarz-rot-gelb gestrichenen Betonklotz in Form einer Boje, der 1938 hier postiert wurde und nun tagtäglich von Tausenden als Fotomotiv genutzt wird. Abgebildet ist darauf die hier heimische, rosafarbige Muschel – eine „Conch“, gesprochen: Konk - das Symbol für Key West, und die selbst gewählte Bezeichnung der alteingesessenen Bewohner. Conch Republic nennen sie den südlichsten Zipfel des US-amerikanischen Kontinents auch. Und am 23. April 1982 probten sie sogar den Aufstand: Sie drohten dem US-amerikanischen Staat damit, sich selbstständig zu machen, wenn der seine Ankündigung – am Nordende der Keys Grenzschützer dauerhaft zu postieren, um dem damals ausufernden Schmuggel und Drogenhandel Einhalt zu gebieten – wahr machen sollte. Ihre Revolte hatte Erfolg, und seitdem lebt der Kult – viele haben sogar eigene Pässe.

Seitdem nun Billigflieger den Flugbetrieb nach Kuba aufgenommen haben, hat sich vieles geändert, so Carol Shaughnessy: „Jetzt ist es hier wieder wie früher – wir bekommen mehr karibische Einflüsse zu spüren, Menschen reisen von Key West aus mit dem Schiff oder Flugzeug nach Havanna, es ist lebendiger geworden …“

Sie nimmt mich mit zum allseits angepriesenen Sonnenuntergangsspektakel „Sunset Celebration“ am Mallory Square. Heerscharen von Touristen aus aller Welt – manche kommen eigens dafür für eine Nacht aus Miami hierher – drängen sich über die asphaltierte Promenade, bestaunen Straßenkünstler und trinken überteuerte Cocktails…. Hier sollen noch vor wenigen Jahren verträumte Hippies mit qualmenden Joints am Ufer gehockt haben, Steelbands und Rastafari sorgten für die passende Hintergrundmusik, und, wenn die Sonne ihre letzten Strahlen ans Land geschickt hatte, brach ein Jubel aus, der bis tief in die Nacht widerhallte…?! Ich bin enttäuscht. Als wesentlich eindrucksvoller erlebe ich das Happening auf einem der zahlreichen „Sunset-Cruise“-Katamarane, die eine Stunde vor Sonnenuntergang von der Marina aus starten, und zu lauter Musik ins Abendrot fahren. Richtig romantisch ist es auf Sunset Key. Hier befinden sich nicht nur die zur Hotelgruppe Westin gehörigen luxuriösen „Sunset Key Guestcottages“, sondern am weißen feinsandigen Strand auch das Restaurant „Latitudes“ mit prächtigem Blick auf die untergehende Sonne.

Fragt man Verkaufsdirektorin Stacey Mitchell vom Tourism Board, was Besucher auf den Keys nicht verpassen sollten, so rät sie spontan: „Einmal mit Schildkröten oder Delfinen im Freien schwimmen – aber nicht anfassen. Und einen Sonnenaufgang auf Bahia Honda, einen Schiffsausflug in die Flats erleben. Shoppen kann man besser in Miami. Nach Key West kommt man zum Relaxen, um sich inspirieren zu lassen von den Künstlern, von der Musik - um das Leben zu genießen, weil es hier einfach anders ist als überall sonst in den USA.“

Weitere Informationen: www.fla-keys.de, Tel. 0221 – 2336 – 451, Email: [email protected]

(Liane Rapp)


 


 

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