Sie sind hier: Startseite Bergisches Land Lifestyle Reisen
Weitere Artikel
Reisetipp

Urlaubsland Armenien – wo ist das eigentlich?

Wer nach Armenien reist, muss sich erklären. Im Südkaukasus gelegen am Kreuzungspunkt zwischen Europa und Asien, zwischen Türkei, Iran, Georgien und Aserbaidschan, seit 25 Jahren unabhängig von der Sowjetunion. Eine Reiseempfehlung.

Eine Wellnessoase auf der Weltkarte ist Armenien nicht gerade, war es allerdings nie, in der 3000jährigen Geschichte des Landes. Asyrer, Perser, Römer, Araber, Selchuken, Mongolen, Türken – immer wieder stellten andere Völker Ansprüche auf das Territorium des indogermanischen Volkes, so dass das heutige Staatsgebiet nicht einmal zehn Prozent der ursprünglichen Fläche ausmacht. Denn es gab eine Zeit, um 80 vor Christus, da dehnte sich Armenien von der syrischen Mittelmeerküste bis zum Kaspischen Meer aus. Heute ist davon ein Gebiet so groß wie Brandenburg übriggeblieben, das von knapp drei Millionen Armeniern bewohnt wird, davon über eine Million in der Hauptstadt Eriwan.

Gelegen auf 1800 Meter Höhe

Zerklüftet, steinig und uralt. Die Hälfte Armeniens liegt auf einer Höhe von durchschnittlich 1800 Metern. In der Ebene entlang des Flusses Arax allerdings gedeihen in einer offenen, fruchtbaren Ebene neben herrlichen Aprikosen Pfirsiche, Äpfel und Melonen, die auch von privat überall am Wegesrand an kleinen Ständen verkauft werden. Kürbisse, Gurken, Tomaten und Weintrauben hat eh jeder, der in den ländlichen Regionen wohnt, im eigenen Gärtchen.

Vor allem im Norden und Süden laden ausgedehnte Wälder mit Eichen, Buchen und Walnussbäumen zu schönen Wanderungen ein – allerdings nicht ohne einen Guide, denn es gibt dort auch Bären. Die riesigen Hochebenen sind überwiegend versteppt und werden von Rinder- und Schafsherden bewohnt. Der 1200 Quadratkilometer große Sevansee, im Osten Jerewans auf 1900 Metern gelegen, zählt zu den höchstgelegenen Seen der Erde. Leider war er viele Jahrzehnte etlichen Umweltsünden ausgesetzt und erst langsam wächst das Bewusstsein für seine wichtige Rolle im ökologischen Gleichgewicht der Region. Sehenswert ist hier auf jeden Fall die auf einer Halbinsel gelegene Klosteranlage Sevanavank aus dem 9. Jahrhundert mit schönen Kreuzsteinen.

Der heilige Berg Ararat, ein Nationalsymbol

Die Aussicht auf die vielen schneebedeckten Gipfel der armenischen 3000er-Berge hat etwas Mystisches. Vor allem auf den heiligen Berg, den Ararat, einen 5156 Meter hohen ruhenden Vulkan. Seit 1921 liegt er auf türkischem Territorium. Blickt man von den Treppen des Klosters Khor Virap zu ihm herüber, hört man von Weitem den Ruf des Muezzins. Hinüber kann man von hieraus nicht. Die 311 km lange Grenze zur Türkei ist seit Jahren geschlossen.

Zwischen 1915 und 1916 starben durch einen bis dahin beispiellosen, von den Türken verübten Völkermord schätzungsweise 1,5 Millionen Armenier. Ein Umstand, der das tief gläubige Volk – 94 Prozent der Armenier gehören der armenisch-apostolischen Staatskirche an - bis heute mit großer Trauer erfüllt. Greifbar im täglichen Leben und besonders beim Besuch des hoch über Eriwan gelegenen Tsitsernakaberd, der so genannten „Schwalbenfestung“, wo sich die Gedenkstätte des Völkermordes 1915 befindet.

Kloster Tathev: ein Muss

Auch mit dem Nachbarn Aserbaidschan gibt es immer wieder Grenzkonflikte. 20.000 armenische Soldaten sollen hier stationiert sein. Geschossen wird dort jede Nacht, berichtet Dr. Chahin Zeytountchian, der seit fast 15 Jahren ein Hotel in Goris, rund 30 Kilometer von der Kontaktlinie zwischen Berg-Karabach und Aserbaidschan entfernt, betreibt. Der 76jährige Neurochirurg, der lange am Berliner Klinikum Steglitz praktizierte, trotzt den Widrigkeiten und setzt auf Touristen, die hier übernachten auf dem Weg zum berühmten Kloster Tathev. Einem der ältesten der Welt aus dem 9. Jahrhundert, landschaftlich einmalig gelegen. Ein besonderer Ort voller Spiritualität und für jeden Armenien-Reisenden ein „must“.

Dr. Zeytountchian sieht in dem Land ebenso Potenzial wie auch Harald Muth, Leiter der Tourismus Information Armenien in Deutschland, wenn es um Tourismus geht: „Es gibt unglaublich viel zu entdecken – und zwar nicht nur die rund hundert geschichtsträchtigen Klöster, teils aus dem 7. Jahrhundert und Weltkulturerbe, sondern zum Beispiel auch atemberaubend schöne Landschaften“. Und auch wegen der Menschen lohnt sich eine Reise nach Armenien, die trotz einer gewissen Schwermut und Zurückhaltung eine sehr offene Willkommenskultur und Gastfreundschaft pflegen.

Hoffnungszeichen: Die längste Pendel-Seilbahn der Welt

Ein Projekt, das auch weltweit für Aufsehen sorgte und zumindest die Wirtschaft in der Region beflügeln soll, war der Bau der 2010 eröffneten längsten Pendel-Seilbahn der Welt „Wings of Tatev“, die in rund 500 Metern Höhe auf sechs Kilometern Länge über die Schlucht des Flüsschens Vorotan führt und Touristen aus aller Welt zum Kloster Tathev bringt. Gebaut wurde sie von der privaten Idea-Stiftung, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Entwicklung Armeniens voranzutreiben. Die 2008 von Ruben Vardanyan und Veronika Zonabend gegründete Stiftung ist auch verantwortlich dafür, dass 2014 im entlegenen Städtchen Dilijan für über 100 Millionen US-Dollar das UWC College entstand, an dem rund 200 Schüler aus 80 Ländern zusammen ihr Abitur machen, darunter auch vier aus Deutschland.

Geschichte und Geschichten

Unser Reiseführer Dr. Hrayr Baghramyan sagt bestimmt: „Armenien, das ist ein Land zwischen Orient und Okzident, aber mit überweigend europäischen Werten“. Der Großteil der Bevölkerung sei gut ausgebildet, spreche mehrere Sprachen und Schach etwa sei ein obligatorisches Schulfach. Dennoch beträgt der Durchschnittslohn in Armenien rund 250 Euro im Monat und die Nachwehen der Weltwirtschaftskrise sind hier überall noch zu spüren. Gut, es gibt auch die Oligarchen und rund um den Platz der Republik in der Hauptstadt reibt man sich verwundert die Augen ob der Fülle an westlichen Nobelkarossen. Doch das Gros der Bevölkerung versucht sich mit zusätzlichen Nebentätigkeiten über Wasser zu halten.

Wer nach Armenien reist, taucht ein in ein Land voller Geschichte und Geschichten, voller Melancholie und Liebenswürdigkeit. Vor allem in unglaubliche Landschaften. Das kleine Land im Südkaukasus, es ist eine Reise wert, auf jeden Fall!

Auskünfte auf Deutsch gibt es bei der Tourismus Information Armenien in Deutschland, www.erlebe-armenien.de, Harald Muth, Rathausstr. 32, 73639 Remshalden, Telefon 07151 70 24 66; auf Englisch bei der Stiftung der Entwicklung Armeniens, www.armeniainfo.am sowie www.idea.am. Spezialreisen-Veranstalter „Karawane-Reisen“ aus Ludwigsburg bietet Rundreisen durch Armenien ab 1495 Euro an: ab Frankfurt, im DZ.

Eriwan? Jerewan! „Yerevan“ oder „Jerewan“ nennen die Armenier ihre Hauptstadt, zu Deutsch: „Eriwan“. Wer diesen Namen hört, denkt vermutlich an die legendären politisch motivierten Radio Eriwan-Witze. Zu DDR-Zeiten spießte man damit die Schwächen und Widersprüche des Sozialismus und der Planwirtschaft auf und sie endeten immer mit der Antwort „Im Prinzip ja, aber …“. Wobei es „Radio Eriwan“ nie gab, reine Erfindung.

(Liane Rapp)


 


 

Armenien
Idea-Stiftung
Jahrhundert
Geschichte
DZ Eriwan
Region

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Armenien" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

2 Kommentare

von VB
05.04.17 14:08 Uhr
Druckfehler

Druckfehler

Liebe Redaktion,

Da hat sich ein Druckfehler eingeschlichen: Statt Schwabenfestung sollte Schwalbenfestung stehen.

Herzliche Grüße

von Redaktion
06.04.17 10:40 Uhr
Druckfehler

Danke für den Hinweis - wir haben es korrigiert :-)
Die Redaktion

 

Entdecken Sie business-on.de: