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Reisetipp Vietnam

Von Hanoi zur Halong-Bucht

Ein Urlaub im Norden Vietnams, das ist Asien-Urlaub für Anspruchsvolle.

Der Fall des in Berlin mutmaßlich vom vietnamesischen Geheimdienst entführten Trinh Xuan Thanh hat das asiatische Land wieder in die Schlagzeilen gebracht. Es herrscht eine angespannte, diplomatische. Dennoch - Vietnam ist und bleibt (vorerst) ein wunderbares Reiseland, das wir Ihnen - mit einem Schwerpunkt auf Hanoi und dem Norden - hier vorstellen möchten

Vermutlich denkt man bei Vietnam an exotische Strände, Reisterassen und antike Tempelanlagen. Aber ebenso an Krieg, Boat People und das Giftgas Agent Orange? Alles richtig. Und doch nicht einmal die Hälfte der Wahrheit. Das moderne Vietnam hält alles bereit für den perfekten Urlaub. Strandleben an der über 3000 Kilometer langen Küste, palmengesäumte Resorts und warmes Meer. Aber ebenso lebt die Vergangenheit, nicht nur im Ho-Chi-Minh-Mausoleum in Hanoi. Auch auf den Soldatenfriedhöfen, die sich im ganzen Land finden. Schließlich ist der letzte Schuss des Vietnamkrieges erst vor gut 40 Jahren gefallen. Und wichtige Verbindungswege wie etwa die 1726 Kilometer lange Bahnstrecke von Saigon nach Hanoi wurden seit 1976 mühevoll wiederhergestellt – 1334 Brücken, 27 Tunnel und 158 Bahnstationen waren im Krieg zerstört worden.

Hanoi: ein Gewusel von Rollern, Fußgängern, Trucks und Linienbussen

In Hanoi, der ältesten Hauptstadt Südostasiens, kommen auf neun Millionen Einwohner 4,5 Millionen Mopeds. Die Verkehrsadern der „Stadt an der Biegung der Flüsse“ (was Ha Noi übersetzt heißt) nördlich des Mündungsdeltas von Vietnams zweitlängstem Strom, dem Roten Fluss, gleichen Ameisenstraßen. Ein Gewusel von Rollern, Fußgängern, Trucks und Linienbussen, dazwischen ein paar Bonzenschlitten mit abgedunkelten Fensterscheiben sowie einige verwegene Radfahrer. Vor jeder roten Ampel ein buntes, knatterndes Geschwader von Hondas und Yamahas. Auf den Sitzen neben den meist sowohl mit Mundschutz als auch mit Helm geschützten Fahrern nicht selten noch der Rest der vierköpfigen Familie (seit 2010 sind nur noch zwei Kinder pro Familie erlaubt). Oder ein Berg von Gütern aller Art, wahlweise auch ein ganzes Schwein – tot oder lebendig, drei Säcke Reis oder mehrere Zentner Baumaterial.

Angesichts von 12.000 Verkehrstoten in jedem Jahr und dem Hinweis des Auswärtigen Amtes, dass Vietnam damit weltweit einsame Spitze sei, geht von dem Bild, das sich dem unbedarften Besucher inmitten des vietnamesischen Großstadtverkehrs bietet, ein gewisses schauriges Gruseln aus. Schon das Überqueren einer Kreuzung als Fußgänger erscheint als gewagtes Abenteuer … Nach ein paar Tagen aber, die man sich als "Langnase" im vermeintlichen Chaos der Metropole bewegt, ist der Damm gebrochen und man wagt den nächsten Schritt: Einmal als Sozius auf einem Moped Teil sein dieser Community, die sich trotz widriger Umstände Tag für Tag durch die holprigen Straßen wälzt. Ich vertraue mich Sy Trinh an, einem erfahrenen Guide und versierten Mopedfahrer, der mich als erstes mit einem eigenen Helm ausstattet.

Auf dem Moped durch enge Gassen

Es ist Abend in Hanoi. Über den breiten Boulevards glänzen ausladende Lichterketten und in den engen Gassen der Altstadt bunte Neon-Werbetafeln. Es ist Hauptstoßzeit in den intensiv duftenden Garküchen. Die meist sauberen Trottoirs bersten von Menschen. Viele sitzen auf kleinen Schemeln und unterhalten sich, während sie ihre dampfenden Nudelsuppen löffeln. Am Ufer des Hoan-Kiem-Sees, wo morgens Tausende Hanoier ihre Tai-Chi-Übungen praktizieren, flanieren nun Liebespaare und blicken verträumt auf den angeleuchteten Jadeberg-Tempel. Vor wenigen Wochen trug sich hier im See eine tief betrauerte Tragik zu: Eine von allen verehrte, über hundert Jahre alte Riesenschildkröte starb und versetzte das ganze Land in Aufruhr. Ihr Tod wurde als böses Omen gedeutet.

"Doch jede schlechte Sache kann auch eine gute Seite haben", meint dazu mild lächelnd unser Tourguide Nguyễn Quốc Anh. Ihm fällt eine passende Geschichte ein, die ihm schon sein Großvater erzählte. Sie handelt von einem jungen Mann, dessen über alles geliebtes Pferd wegläuft. Der Vater tröstet den Sohn mit den Worten, die auch er schon von seinen Vorfahren hörte: „Alles Schlechte kann auch etwas Gutes haben." Und tatsächlich, das Pferd kommt zurück, bringt sogar noch ein zweites mit. Dieses Mal spricht der Vater: „Sei nicht zu enthusiastisch - Gutes kann auch ins Gegenteil umschlagen." Einen Tag später steigt der Sohn auf das neue Pferd, aber schon nach kurzer Zeit schmeißt es ihn ab, er bricht sich das Bein. Die Leute aus dem Dorf kommen, bringen Früchte und bemitleiden ihn. Und wieder spricht der Vater seine weisen Worte. Schließlich werden eine Woche später alle jungen Männer des Landes an die Waffen gerufen. Ein Krieg ist ausgebrochen. Nur er darf zu Hause bleiben ... Jedes Schlechte kann auch etwas Gutes mit sich bringen - dieses Lebensmotto scheinen viele der fast 90 Millionen Landsleute von Anh verinnerlicht zu haben. Und vielleicht macht gerade diese so ruhige und besonnene Sicht der Dinge Vietnam so besonders - vor allem für uns Reisende aus dem Westen.

"Doi Moi" und die Folgen

Und so gesehen scheint es eine Art von Glück zu sein, dass das so genannte Indochina – also neben Vietnam auch seine Nachbarn Kambodscha und Laos – bis in die 1970er Jahre von Kriegen überzogen war. Im Fall von Vietnam, das noch bis 1975 in Nord- und Südvietnam geteilt war, trugen erst die Franzosen ab 1858 mit ihrer Kolonialisierung und dann bis 1954 mit dem Ersten Indochinakrieg dazu bei, dass diese Region für den Tourismus tot war. Es folgten die Truppen von Japanern, Chinesen und schließlich der USA. Sieben Millionen Liter Entlaubungsmittel Agent Orange machten weite Teile des Landes, vor allem die Mitte, quasi unbewohnbar. 3,4 Millionen Tote sowie vier Millionen schwer Körperbehinderte und durch Giftgas Geschädigte sind allein in Vietnam die grausame Bilanz des Zweiten Indochinakrieges.

„Geschichte", winkt Anh ab. Er und die Generation der Unter-Vierzigjährigen wollen die traumatische Vergangenheit hinter sich lassen. Seit die kommunistische Regierung vor 30 Jahren unter dem Motto "Doi Moi" wirtschaftliche Reformen einleitete, hat sich die Gesellschaft stark verändert. Der Durchschnittsvietnamese verdient mittlerweile 3500 Euro im Jahr, weit über dem Durchschnitt der Nachbarländer Laos und Kambodscha. Zwar werden auf den Feldern jenseits der Großstädte noch immer Reis, Mais, Getreide, Bananen, Zuckerrohr, Kaffee und Gemüse angebaut. Dennoch strömen die jungen Leute in die Städte, arbeiten, wenn nicht in Büros, so doch immer noch lieber in den Fabriken von Panasonic und Canon als auf dem Acker.

Möglichst lässig halte ich mich als Sozius an Trinh fest. Ein Meer von Scheinwerfern und Menschen umgibt uns hier inmitten des Zentrums von Hanoi. Drei, zwei , eins – an der Ampelanlage werden die Sekunden bis zum Start in großen roten Ziffern heruntergezählt. Und schon geht es los. Das Französische Viertel zieht an uns vorüber. In den gut erhaltenen, gelb angestrichenen Villen der einstmaligen Besetzer sind heute vor allem Regierungsbüros und Botschaften untergebracht. Ein paar Meter weiter erhebt sich an einer belebten Straßenkreuzung das neoklassistische Gebäude der Oper von Hanoi, ebenso das Hotel Hilton, in dem u.a. 2014 Angela Merkel während ihres Staatsbesuches weilte. Quer über der Straße gespannt jede Menge Elektro- und Telefonleitungen, an denen Bambuskäfige mit Singvögeln baumeln. Kein Besucher kommt an einem Gang durch das schachbrettartig angeordnete Herz der Stadt vorbei. Durch die 36 phuongs, Gassen, die im 11. Jahrhundert nach den angesiedelten Handwerkergilden benannt wurden. Zwar haben sich viele Auslagen der Geschäfte in Hanois Altstadt den Bedürfnissen der Touristen angepasst. Aber hier und da scheint noch das Ursprüngliche durch, sitzen tatsächlich Hut- und Korbmacher an ihren Ladentheke. Sehenswert vor allem die nur wenige Zentimeter breiten Tunnelhäuser – vorn ein schmaler Raum zum Wohnen oder als Werkstatt genutzt, weiter hinten neben einem Innenhof weitere Wohn- und Schlafräume sowie oftmals auch Lager, Küche und Bad.

Stundenlang kann man durch die Straßen schlendern, an jeder Ecke gibt es etwas zu entdecken und auch zu essen, entweder von Fliegenden Händlern oder in kleinen Restaurants. Hier und da tauchen auch Pagoden und Tempel auf. Insgesamt finden sich diese allerdings mehr auf dem Land. Ein touristisches Muss in Hanoi sind aber auf jeden Fall die belebte Dong-Xuan-Markthalle, das monumentale Ho-Chi-Minh-Mausoleum sowie das Historische Museum. Dem Besucher gegenüber sind die Vietnamesen stets aufgeschlossen, schauen meist interessiert, teils neugierig, sind aber niemals aufdringlich.

Mystische Halong-Bucht

Nicht nur in Hanoi, sondern im ganzen Land, spürt man, dass hier ein Volk zum großen Sprung in die Zukunft angesetzt hat. Überall wird gebaut, Autobahnen, neue Stadtviertel, Häfen, Fabriken, Kraftwerke und vieles mehr. Altes bleibt da schon mal auf der Strecke. In den großen Städten tobt das Leben, und man reibt sich verwundert die Augen ob dieses Tempos. Dennoch gibt es noch an vielen Ecken, zum Glück, das "alte", das liebenswerte Vietnam, das auch die weite Reise wert ist. Dies aber vor allem wegen der Menschen, die so offen und so freundlich auf den Fremden zugehen, dass er sich sogleich willkommen fühlt.

Freizeit und Urlaub haben Vietnamesen selten. Wenn aber, verbringen sie diese kostbaren Stunden gern in einer bizarren Inselwelt, die sich im äußersten östlichen Zipfel des Landes an der Grenze zu China und ca. drei Autostunden von Hanoi entfernt befindet: Rund 2000 kegelförmige Inselchen ragen aus dem Wasser der Halong-Bucht im Golf von Tongking. Für den Tourismus wurden sie in den 1980er Jahren entdeckt. Zum Unesco-Weltkulturerbe zählen sie seit 1994, zum Weltnaturerbe seit 2000. Unendlich viele Mythen und Geschichten ranken um ihre Entstehung. Naturwissenschaftler allerdings erklären ihre einzigartigen Formen u.a. durch eine alpinische Faltung vor 30 bis 50 Millionen Jahren. Mittlerweile fahren Hunderte Boote zwischen den Inselchen hin und her, die Hälfte von ihnen auch über Nacht, um den Besuchern aus aller Welt die mystische Atmosphäre der durch diese einzigartigen Karstinseln geprägten 1500 km² großen Landschaft näherzubringen. An einen "niedersteigenden Drachen", was Ha Long in Vietnamesisch bedeutet, wird man beim Anblick der aufragenden Felsformationen nicht gleich denken. Dennoch: ein Morgen an Deck einer luxuriösen Dschunke inmitten der unwirklichen Kulisse, wenn sich gegen den heller werdenden Himmel die zerklüfteten Berge aus dem Meer erheben, ja, das sollte jeder Vietnamreisende einmal erlebt haben. Es erinnert tatsächlich an eine verzauberte Welt, in der auch Drachen durchaus Bestand haben können.

Informationen
Allgemeine Auskünfte findet man im Internet unter www.vietnamtourism.com, allerdings nur auf Englisch und Französisch. Die Botschaft in Berlin erreicht man telefonisch unter 030 / 5563 0108 und im Internet www.vietnambotschaft.org. Es gibt auch ein Generalkonsulat in Frankfurt.
Für die Ein- uns Ausreise genügt für deutsche Staatsbürger ein 6 Monate über den Aufenthalt hinaus gültiger Reisepass (für einen Aufenthalt von maximal 15 Tagen). Diese visumfreie Einreise ist allerdings zunächst bis zum 30.6.2018 befristet.
Einer der führenden vietnamesischen Veranstalter von Touren ist HG Travel, www.hgtravel.com, man spricht Englisch.
Im Norden Vietnams herrschen subtropische Temperaturen. Ab April wird es feuchtheiß. Von Dezember bis Februar können die Temperaturen deutlich unter 20 Grad sinken. Nieselregen, gerade in der Halong-Bucht, kann dann das Reisevergnügen beeinträchtigen. Mückenschutz durch lange Kleidung und das Auftragen mückenabweisender Mittel ist in vielen Teilen Vietnams ratsam.
Übernachten: Das schicke 5-Sterne-Hotel Mövenpick mit Kinetic Gym und Wellness Studio bietet beste Voraussetzungen, sich auch zu Fuß einen Teil von Hanoi anzuschauen. Die 154 Zimmer verfügen über allen Luxus, sind gut schallisoliert und das DZ kostet ab 109 € / Nacht, mit Frühstücksbüffet ab 147 €, 83A Ly Thuong Kiet Street | Hoan Kiem District, Hanoi, Tel 0084 4 38 22 28 00, [email protected] Alternativ ist auch ein Aufenthalt im „The Palmy Hotel & Spa“, 4A-4B Bao Khanh , Hoan Kiem, Hanoi, eine gute Wahl. Hier gibt es das DZ mit Frühstück schon ab 47 €. Es bietet ebenfalls moderne, klimatisierte Zimmer an, alle mit Holzböden ausgestattet, und ist 200 m vom Hoan-Kiem-See entfernt, www.thepalmyhotel.vn, Tel. 0084 4 3828 6622.

(Liane Rapp)


 


 

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