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Mit Nerdalize gratis heizen

Wie soll das funktionieren - die Wohnung mit Energie zu heizen, die von Servern und Computern stammt? Der in Solingen aufgewachsene Start-up-Gründer Florian Schneider erklärt das Geschäftsmodell von "Nerdalize".

Milliarden von Gigabytes sind mittlerweile in der Cloud gespeichert. Urlaubsfotos, Musikvideos, Dokumente. Genau so groß wie die Datenmenge ist auch der Stromverbrauch, den die Kühlung der Server verursacht, auf denen die Daten gespeichert sind: Weltweit fließen fast zwei Prozent der Energieversorgung in den Betrieb von Datenträgern, schätzt Greenpeace.

Ein niederländisches Startup will nun die Wärme, die Server produzieren, sinnvoll nutzen. “Nerdalize” heißt das Unternehmen, das einen Server in Form eines Heizkörpers entwickelt hat. In Zusammenarbeit mit dem Energieversorger Enceo wurde dieser nun in die ersten fünf Test-Haushalte in den Niederlanden eingebaut.

Wenn es nach Florian Schneider, einem der Gründer des niederländischen Start-ups Nerdalize, geht, könnten wir bald ganz auf Heizungen verzichten und nur noch mit Rechnern heizen. Kostengünstiger, denn die Kosten tragen etwa Universitäten, die über den Computer in den eigenen vier Wänden etwa Genom-Forschung betreiben.

Nerdalize bietet seine ungewöhnliche Heizung  vorerst nur in den Niederlanden an, da es für die Umsetzung der bahnbrechenden Idee einen leistungsstarken Breitbandanschluss braucht, bevorzugt Glasfaser. Und da hinkt Deutschland seinem Nachbarn noch deutlich hinterher.

Florian Schneider, gebürtiger Bonner und in Solingen aufgewachsen, gründete die Firma 2013 noch während seines Studiums gemeinsam mit Boaz Leupe und Mathijs de Meijer. Seit Ende 2014 ist Eneco, einer der größten Energielieferanten in den Niederlanden, als Investor an Bord.

Im Interview erklärt Florian Schneider, wie die Geschäftsidee von Nerdalize funktioniert.

Herr Schneider, wie funktioniert das -  aus einem PC eine Heizung zu bauen?

Die ursprüngliche Idee stammt von meinen beiden Mitgründern. Wir haben die vage Idee dann Stück für Stück zum Konzept mit Geschäftsmodell ausgearbeitet – hauptsächlich abends mit einer Flasche Wein oder an den Wochenenden. Mit jedem Schritt rutschten wir weiter in Richtung Firmengründung, ohne, dass es der ursprüngliche Plan gewesen wäre. Wir haben uns dann nach dem Studium entschieden, nicht nach Jobs zu suchen, sondern Investoren für unser Konzept zu finden.

Ist Ihr Rechner ein vollwertiger Ersatz für eine klassische Heizung?

Im Moment ist es vor allem ein Zusatz zur bestehenden Heizung. Allerdings mit dem Unterschied, dass das Heizen mit Nerdalize gratis ist. Das heißt, Bewohner können etwa 300 Euro im Jahr sparen.

Inwieweit könnten Firmen aus dem Bergischen bei Nerdalize einsteigen oder von Ihrer Idee profitieren?

Firmen aus dem Bergischen können natürlich auch Gebrauch machen von der Rechenleistung, die wir anbieten. Das gilt insbesondere für sehr rechenintensive Aufgaben, die parallelisierbar sind, wie zum Beispiel Rendering, complexe simulationen oder Szenarioberechnungen. In der Zukunft können wir hoffentlich auch auf Deutschland unser Angebot ausbreiten. Und, wenn dann Nerdalize-Heizungen im Bergischen verfügbar werden, ist es wahrscheinlich für Firmen auch möglich, von unseren Heizungen Gebrauch zu machen.

Und was machen Privatmenschen, die gern dabei wären – außer sich gedulden, bis das Netz auch hier das entsprechende Datenvolumen durchlässt?

Zumindest können die sich auf nerdalize.cloud einschreiben und angeben, dass sie auch gerne unsere Heizkörper hätten. Sobald unsere Heizungen in der Region verfügbar sind, melden wir uns. Und unabhängig von unseren Heizkörpern kann jeder auch weiterhin Druck auf Politik und Wirtschaft machen, um den Ausbau des Glasfasernetzes in Deutschland voranzutreiben. Deutschland wird in diesem Bereich von einigen seiner Nachbarn abgehängt.

Wie sieht Ihre Vision aus, wo steht Nerdalize in zwei, fünf oder zehn Jahren?

Unser Ziel ist es, ein bedeutender Cloud-Anbieter in den Niederlanden, Europa und schlussendlich weltweit zu werden und damit den Googles und Amazons dieser Welt Paroli zu bieten. Und im gleichen Zuge wollen wir natürlich so viele Häuser wie möglich mit nachhaltiger Wärme versorgen.

Was raten Sie anderen Start-ups?

Ich denke, dass man sich so schnell wie möglich potentiellen Kunden und der Öffentlichkeit zuwenden sollte. Das klingt gewagt, ist es auch, aber je länger man in der stillen Kammer vor sich hintüftelt, ohne zu wissen, ob der Markt das auch wirklich braucht, umso eher denkt man am Markt vorbei. Man muss wissen, was zukünftige Kunden wirklich wollen und wofür sie bereit sind, Geld auszugeben.

(Liane Rapp)


 


 

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