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Steueränderungen

Neue Regelungen bei Umsatz- und Grunderwerbssteuer

Der Wuppertaler Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und Partner der Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungskanzlei HLB TREUMERKUR Dr. Schmidt und Partner, Arvid Feuerstack, gibt Auskunft zu wichtigen Fragen und erklärt, wie Unternehmer sich vorbereiten können.

Neue Bagatellregelung für E-Commerce-Leistungen und erleichterte Rechnungsstellung

Bislang galt für Online-Händler, die sogenannte „TRFE-Leistungen“ erbringen (Rundfunk-, Fernseh-, Telekommunikations- und elektronisch erbrachte Dienstleistungen), dass die Leistung unabhängig von der Höhe des Umsatzes entsprechend des jeweiligen Steuersatzes im Land des Endverbrauchers zu versteuern war.

Seit der Jahreswende können sich Unternehmer hier über eine deutliche Vereinfachung des Verfahrens freuen. Denn auf EU-Ebene wurde eine einheitliche Bagatellgrenze von 10.000 Euro eingeführt. Die neue Grenze wurde bereits ins deutsche Recht übernommen und gilt seit dem 1. Januar. „Nur wenn der Umsatz des Online-Händlers diese Grenze im vorangegangenen und im laufenden Kalenderjahr überschreitet, entsteht demnach weiter die Umsatzsteuer im Land des Endverbrauchers“, erklärt Feuerstack, „bleibt der Gesamtbetrag der Entgelte unter der Grenze, entfällt der Sprung ins ausländische Steuerrecht.“

Auch die Regelungen für die Rechnungsstellung von Online-Händlern die „TRFE-Leistungen“ erbringen, werden vereinfacht. Sofern diese am MOSS-Verfahren teilnehmen (Mini-One-Stop-Shop), können die Unternehmer ihre Rechnungen entsprechend der Vorschriften des EU-Landes stellen, in dem sie selbst ansässig sind.

Neue Haftungsregelungen für Betreiber von E-Commerce Marktplätzen

Ebenfalls seit dem 1. Januar 2019 müssen sich Betreiber von elektronischen Marktplätzen wie ebay, Amazon & Co. auf neue Dokumentations- und Haftungsregelungen einstellen. „Schätzungen zufolge entgehen dem deutschen Fiskus durch den Umsatzsteuerbetrug im E-Commerce jährlich Steuereinnahmen im dreistelligen Millionenbereich“, betont Feuerstack. Zukünftig sollen die Betreiber von elektronischen Marktplätzen daher für die nicht entrichtete Umsatzsteuer auf Lieferungen haften, die Händler über die jeweilige Onlineplattform generieren.

Betreiber von Onlineplattformen können dieser Haftung nur dann entgehen, wenn sie von Händlern, die die Plattform nutzen, jeweils die Erfassungsbescheinigung des zuständigen Finanzamts über die steuerliche Registrierung verlangen und entsprechende Aufzeichnungspflichten erfüllen oder nicht registrierte Händler ausschließen. Das Muster für die zunächst noch in Papierform vorzulegende Erfassungsbescheinigung (Vordruck „USt 1 T1“) veröffentlichte das Bundesfinanzministerium (BMF) am 17. Dezember 2018.

Mit Blick auf die erweiterten Aufzeichnungspflichten sind ab 2019 daher sämtliche Betreiber elektronischer Marktplätze verpflichtet, bestimmte Daten von Verkäufern zu erfassen und auf Aufforderung an das zuständige Finanzamt zu übermitteln. Um seitens der Online-Händler dem Verlangen der Plattformbetreiber nachkommen zu können, stellte das BMF ebenfalls am 17. Dezember 2018 mit dem Vordruck „USt 1 TJ“ das Muster für die Beantragung der Erfassungsbescheinigung zur Verfügung.

Umsetzung der EU-Gutscheinrichtlinie in nationales Recht

Bereits 2016 verabschiedet, muss die EU-Gutscheinrichtlinie zum 1. Januar 2019 in nationales Recht umgesetzt werden. Grundsätzlich sind bei der Ausstellung von Gutscheinen dabei künftig per Definition „Einzweck-Gutscheine“ und „Mehrzweck-Gutscheine“ zu unterscheiden. Während ein „Einzweck-Gutschein“ bereits mit seiner Ausstellung besteuert wird, sind bei „Mehrzweck-Gutscheinen“ hingegen erst ihre Einlösung und damit die Leistungserbringung umsatzsteuerlich relevant.

„Konkret ändert sich für Unternehmer vor allem, wie Gutscheine die Umsatzsteuervoranmeldung beeinflussen. Bisher wurden Gutscheine, die den Bezug einer bestimmten Leistung oder einer bestimmten Ware bei einem spezifischen Unternehmen ermöglichten, umsatzsteuerlich als Anzahlung betrachtet“, erklärt Feuerstack. Mit der Neuregelung würde die Umsatzsteuer mit Ausgabe des „Einzweck-Gutscheins“ bereits endgültig festgelegt, somit also angenommen, dass die Leistungserbringung bereits erfolgt bzw. die Ware ausgehändigt worden sei.

„Share Deals“ bei Immobilien(ver)käufen: Neue Regelungen für Personen- und Kapitelgesellschaften

Künftig soll eine beliebte Gestaltungsmöglichkeit zur Vermeidung der Grunderwerbsteuerpflicht nicht mehr im derzeitigen Umfang gegeben sein. Ein entsprechender Gesetzentwurf des Bundesfinanzministers steht jedoch weiterhin aus. Diskutiert wird für Personengesellschaften ein Absenken der sogenannten „Schädlichkeitsgrenze“ auf 90 Prozent. Im Ergebnis hieße dies, dass bereits bei einem Verkauf von 90 Prozent der Anteile an einer grundstückshaltenden Personengesellschaft Steuern anfallen würden. Bislang fallen diese erst ab einer Anteilsgrenze von mindestens 95 Prozent an. Auch soll künftig bei diesen Gesellschaften erst nach einem Zeitraum von zehn Jahren die Veräußerung der „übrigen“ Anteile möglich sein; die „Haltefrist“ für die „übrigen“ Anteile soll also von fünf auf zehn Jahre verlängert werden. Für Kapitalgesellschaften sind ähnlich gelagerte Reformmodelle angedacht. „Eine entsprechende Neuregelung des Gesetzes wird meiner Meinung nach kommen. Unternehmer sollten daher eine zeitnahe Umsetzung ohnehin geplanter Anteilsverkäufe in Erwägung ziehen“, rät Arvid Feuerstack.

TREUMERKUR Dr. Schmidt und Partner KG
Die Treumerkur Dr. Schmidt und Partner KG, gegründet 1932, ist tätig im Bereich der Wirtschaftsprüfung, der betriebswirtschaftlichen, der steuerlichen und der rechtlichen Beratung. Neben dem Hauptsitz in Wuppertal ist das Unternehmen in Köln, Recklinghausen und Düsseldorf vertreten. Zu den Mandanten der Kanzlei zählen namhafte mittelständische Produktions-, Handels- und Dienstleistungsunternehmen, Freiberufler, aber auch gemeinnützige Einrichtungen, Vereine und Betriebe der öffentlichen Hand. Weitere Informationen unter www.treumerkur.de.

Treumerkur ist Mitglied im bundesweiten Netzwerk HLB Deutschland. HLB Deutschland ist ein 1972 gegründetes Netzwerk von 22 selbstständigen und unabhängigen Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaften an 37 Standorten.  Weitere Informationen unter www.hlb-deutschland.de.

(Redaktion)


 


 

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