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Luxus im Wandel

In der nächsten Woche findet in Berlin die Reisemesse ITB statt. Anlässlich des Messe-Themenschwerpunktes „Wandel von Kunden im Luxussegment“ bezieht Experte Timo Kohlenberg Stellung zur neuen Lust auf individuelle Reiseerlebnisse, Understatement und dem perfekten Instagram-Bild.

Der Luxusbegriff ist im Wandel. Immer öfter meint "Luxus" Dinge, die man in keinem Laden kaufen kann. Immateriell muss er sein und bezieht sich auf unvergessliche Erlebnisse sowie die Zeit für diese. Auch beim Thema „Reisen“ erfolgt ein Umdenken: „Bling Bling“ im Fünf-Sterne-Kettenhotel ist out, „Glamping“ im Edel-Zelt unter dem Sternenhimmel dagegen durchaus angesagt. Schöne Dinge und Reisen verlieren nicht an Bedeutung, doch an die Stelle von Glanz und Glamour rücken authentische Produkte, die Werte und Understatement vermitteln - meint Timo Kohlenberg, Geschäftsführer des Spezialreisen-Veranstalters America Unlimited und des Luxusreisen-Veranstalters Feinreisen

Luxus anno 1999, 2009 und 2019 – gibt es einen Unterschied?

Ja, auf jeden Fall gibt es einen Unterschied und eine Entwicklung bei dem, was Menschen damals und heute unter Luxus verstehen. Der Prunk der späten 1990er Jahre ist heute nicht mehr gefragt. 2019 zählen authentische Erlebnisse, Exklusivität, exquisites Essen und ein Top-Service. Die Software ist heute noch wichtiger als die passende Hardware. Luxus im klassischen Sinne von Fünf-Sterne-Hotel ist inflationär geworden.

Was sind die Auslöser für den Wandel des Luxusbegriffs?

Einen großen Einfluss auf die neue Wahrnehmung haben Digitalisierung und Soziale Medien. Die Inspirationsquellen haben sich vervielfältigt. Zum klassischen Reisekatalog gesellen sich im 21. Jahrhundert erst das Internet, dann Facebook, Instagram und Youtube. Das hat Auswirkungen: Eine Urlaubsdestination oder ein Hotel qualifizieren sich heute nicht nur durch einen schönen Strand oder ein komfortables Zimmer, sondern auch durch Faktoren wie „Fotogenität“ und „Fame“. Je jünger die Reisenden, desto wichtiger werden Fragen wie: Welches einzigartige Instagram-Bild kann ich von meinem Urlaub posten? und Wer, beziehungsweise welcher Influencer war vor mir da?.

Wo zeigt sich der Wandel denn am meisten? Am Kunden oder am Produkt?

Die Änderungen betreffen das Produkt und die Kunden. Wir stellen fest, dass Hotels sich heute sehr um Begriffe wie Authentizität, Regionalität, individuelles Design und den vielgepriesen „individuellen Wohlfühlfaktor“ bemühen und auch technologisch „aufrüsten“. Viele Standard-Hotelketten versuchen durch die Schaffung neuer Marken in Richtung Boutiquehotel zu gehen, wie z.B. Hyatt mit seiner jungen, exquisiten Marke „Andaz“. In Destinationen wird heute ein deutlich größeres Angebot an Erlebnistouren angeboten. Diese reichen von der Walbeobachtung in Manitoba bis hin zur „Sex in the City“-Tour in New York. Auf der Kundenseite haben wir es heute auch mit deutlich jüngeren und vermögenderen Reisenden zu tun. Diese Klientel ist erstklassigen Service, gutes Essen und eine edle Zimmerausstattung bereits gewöhnt, da macht der Erlebnisfaktor den großen Unterschied.

Werden heute andere Destinationen gebucht und was ist gerade „en vogue“?

Die Klassiker wie Kalifornien, Hawaii, New York oder der Dauerbrenner Kanada gehen immer (noch). Nachgefragt wird aber vor allem "stylisch", "schick", mit mehr Design und einem hohen Erlebnisfaktor. Dazu zählen z.B. „Glamping“-Aufenthalte in Edelzelten inmitten der Natur eines US-amerikanischen Nationalparks oder ein Tag als Cowboy auf einer Ranch in Kanada. Wir verzeichnen parallel eine wachsende Nachfrage zu authentischen Reisezielen wie Indien und Oman.

Spielen Begriffe wie Digitalisierung, Big Data und künstliche Intelligenz eine Rolle beim Wandel des Luxus oder gilt „offline“ als neuer ultimativer Luxusgedanke?

Die Menschheit ist so verschieden wie die Antwort auf diese Frage. Einen Urlaub „offline“ wünscht sich kaum jemand. Vielreisende begeistern sich, wenn das Personal im Hotel schon weiß, wie sie ihren Kaffee am liebsten trinken und ob sie einen Parkplatz in der Tiefgarage benötigen. Trotz aller Risiken, die Big Data birgt, überwiegt für mich beim Reisen der Nutzen. Was künstliche Intelligenz wie den automatisierten Concierge betrifft, so widerspricht das dem Luxusgedanken, der ja gerade auf persönlichen Service und Individualität setzt.

Ist denn der klassische Luxusreisende ausgestorben?

Nein, die gibt natürlich auch immer noch. Die fliegen First Class, steigen im Fünf-Sterne-Hotel ab und buchen für den Hoteltransfer eine Limousine. Aber die Tendenz, vor allem bei den jungen Reisenden ist eindeutig immateriell. Lieber wohnt man in einem landestypischen Hotel, lernt bei Ausflügen Land, Leute und andere Kulturen kennen. Hier geht es viel um das „Vorzeigen, was man erlebt“ während der Reise und das „Kopfkino“, das man in der Heimat wieder aufrufen kann.

Und wie sieht es in der nahen Zukunft aus mit dem Luxus auf Reisen?

Das Verständnis von Luxus wird sich weiter wandeln. Schwer vorherzusagen, wie und wie schnell. Bleiben wird der Wunsch, etwas zu erleben, was noch nie jemand anderes erlebt hat. Dieser Gedanke wird in Zukunft zum ultimativen Reiseziel und ist so der ständige Motor für die Suche nach neuen Produkten, Dienstleistungen und Destinationen.

Über America Unlimited und Feinreisen:
Der 2006 unter der Leitung der innovativen Geschäftsführer Julia Kurz und Timo Kohlenberg gegründete Spezial-Reiseveranstalter America Unlimited mit Sitz in Hannover gehört zu den führenden Anbietern von individuell ausgearbeiteten Reisen in die USA (inklusive Hawaii, Bahamas und Alaska) und Kanada. Unter der 2011 gegründeten Marke „Feinreisen“ vermitteln die Reiseexperten maßgeschneiderte Premium-Reisen für Gäste, die den unvergesslichen Urlaubsmoment suchen. Aufenthalte in weltweiten Sehnsuchtszielen, die Unterkunft in handverlesenen Hotels sowie private Touren, die in keinem Reiseführer stehen gehören zum Portfolio von Feinreisen. 

(Liane Rapp)


 


 

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