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Schauspieler Harald Krassnitzer:"Wuppertal erdet mich"

Sonntagabend um 20.15 Uhr ist es wieder soweit: Harald Krassnitzer ermittelt als Tatort-Ermittler in Österreich. Seit 17 Jahren lebt der gebürtige Salzburger im Bergischen Land. Wie konnte es dazu kommen?!

In Tatort-Folge Nummer 1008 steht das österreichische Ermittlerteam Oberstleutnant Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Majorin Bibi Fellner (Adele Neuhauser) sprichwörtlich unter „Schock“. Ein junger Mann setzt die Ermittler stark unter Druck, u.a. mit einem Video, in dem er den Mord an seinen Eltern ankündigt. Eine Botschaft, die sich rasend schnell viral über die sozialen Netzwerke verbreitet. Eisner wird zum Leiter der BAO – der Besonderen Aufbauorganisation – ernannt, um der Drohung nachzugehen. Geschickt entzieht sich der mutmaßliche Mörder jedoch seiner Verhaftung und versteht es, mit den Medien zu spielen, seine gesellschaftskritischen Botschaften an die Öffentlichkeit zu tragen. Je länger die Jagd auf ihn dauert, desto klarer wird, dass der Medizinstudent aus reichem Hause unmöglich auf eigene Faust handeln kann. Dass die Suche nach Komplizen aber ausgerechnet zu Eisners Tochter Claudia führt, ist für den Kommissar ein "Schock" … (Sonntag, den 22. Januar 2017 um 20.15 Uhr in der ARD).

Business-on sprach mit dem Schauspieler, der zusammen mit seiner Frau, Schauspielerin Ann-Kathrin Kramer, seit 17 Jahren in Wuppertal lebt, über das unterwegs-Sein, "Eventhaie" und seine Ängste.

Wie geht es Ihnen als gebürtigem Salzburger und Wien-Liebhaber im Bergischen Land?

Ich fühle mich sehr wohl hier. Wobei ich, seitdem ich hier wohne, vermutlich die Hälfte der Zeit unterwegs war. Zum Beispiel in Wien, wo ich oft arbeite, dann aber im Hotel wohne und die Annehmlichkeiten eines solchen Hauses auch genieße. Wien inspiriert mich. Wuppertal erdet mich.

Sie und Ann-Kathrin Kramer werden oft als Powerpaar beschrieben, sehen Sie das auch so?

Hm, wir tun uns schwer mit all diesen Superlativen vom Traumpaar oder so. Das hat ja nichts mit unserem Leben zu tun. Bei uns läuft´s an manchen Tag auch unrund. Da ist man müde oder unglücklich – wie jeder andere auch. Das Gute ist, dass wir uns nicht darüber erschrecken, dass wir so einem Ideal gar nicht hinterherrennen. Das sind ja künstliche Begriffe. So etwas kann man einfach nicht gerecht werden im realen Leben.

Ist es anstrengend, wenn beide so in der Öffentlichkeit stehen?

‚Anstrengend‘ ist nicht das richtige Wort, weil das ja Teil unseres Berufes ist. Andere Paare haben ganz andere Herausforderungen zu bestehen. Wir haben gelernt, damit umzugehen. Das Wichtigste ist, dass wir für uns Räume des Rückzugs geschaffen haben, wo wir einfach sein können wie wir sind, wo wir die Tür zumachen und das ist dann privat. Hinzu kommt, dass wir auch bewusst keine Eventhaie sind und nicht bei jedem Champagnerempfang dabei sein müssen. Also, ich denke, abgesehen von einer gewissen Bekanntheit führen wir ein ganz normales Leben.

Wie meinen Sie ‚normal‘?

Wir bewerten das alles nicht so über. Das hat wenig mit uns zu tun, mit unserer Persönlichkeit. Und es kann ganz schnell vorbei sein. Insofern empfinde ich uns schon als außergewöhnlich vom Glück verwöhnt. Wir durften unser bisheriges Leben lang spielen, unseren erwünschten, ersehnten Lieblingsberuf ausüben und das auch noch recht erfolgreich. Wir kennen eine Menge Kollegen, die hervorragende Schauspieler sind, sich jahrelang verzweifelt abstrampeln, versuchen, auf einen grünen Zweig zu kommen, und trotzdem nicht gut davon leben können. Dann merkt man, wie privilegiert wir sind, wir wissen es zu schätzen, dass wir auf der Sonnenseite stehen.

Sie könnten sich also entspannt zurücklehnen?

Nein, sicher nicht, denn ich spüre auch durchaus eine Ohnmacht. Mir ist klar, dass das Glück nur geliehen ist. Wir haben das nur bedingt in der Hand – dass der Erfolg uns trägt.

Kennen Sie Ängste?

Es gibt meiner Meinung nach keine Schauspieler, die keine tiefen Ängste haben. Alle haben ganz tiefe Ängste, ich auch. Vor dem Misserfolg. Erfolg in unserem Metier hat ja viel damit zu tun, gemocht zu werden, Anerkennung zu bekommen. Dass die Filme, die wir machen, von möglichst vielen Leuten angeschaut werden. Du brauchst eine Art Bestätigung, die legitimiert, was du machst. Davon sind wir abhängig. Und das macht manchmal Angst. Denn wenn das nicht mehr ist, leidest du unter einer Art Liebesentzug.

Fordert Ihr Beruf Sie sehr?

Das ist kein Beruf, den man einfach ablegt. Man kann damit nicht einfach aufhören nach Drehschluss, ist im Grunde immer damit beschäftigt. Nach Drehschluss muss ich immer wieder irgendwie das normale Leben lernen. Also aufstehen, Zähne putzen, duschen, Kaffee machen, meinen Tagesablauf zu Hause wieder neu finden.

Würden Sie sonst bis mittags im Bett bleiben?

Nein, gar nicht, ich bin eher ein Frühaufsteher, wache so um 6 Uhr das erste Mal auf und stehe dann gegen sieben, halbacht auf. Dann informiere ich mich erst einmal – in der Tageszeitung, digital und im Fernsehen. Ich lese auch österreichische und internationale Zeitungen. Ich bin ein politischer Mensch, mische mich in die österreichische Politik ein, unterstütze die Sozialdemokraten. Ich versuche immer herauszufinden, was passiert hinter den Kulissen, woher rühren so Konflikte wie in Syrien oder der Ukraine. Ich will mir ein eigenes Bild machen, vor allem im historischen Kontext. Deshalb lese ich auch gern Bücher, habe schon immer viel zur österreichischen Geschichte recherchiert und zusammen mit befreundeten Filmemachern auch schon Dokumentarfilme realisiert.

Sind Sie also gern unterwegs?

Nun, ich mache mich gern auf, bin gern in Bewegung, auch, um den Dingen auf den Grund zu gehen, sie zu entdecken. Das ist für mich spannend und deshalb reise ich auch sehr gern. Ich bin nicht so ein häuslicher Typ, auch wenn ich nun schon so lange in Wuppertal lebe.

(Liane Rapp)


 


 

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