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Überschuldungsrisiko der Deutschen

Der Negativtrend hält an

Das Schuldnerklima in Deutschland hat sich im Frühjahr 2016 zum zweiten Mal in Folge verschlechtert. Das bedeutet, dass das Überschuldungsrisiko der Deutschen erneut gestiegen ist. Grund dafür ist die ungetrübte Konsumfreude, die durch niedrige Zinsen angefeuert wird.

Im Vergleich zum Vorquartal sinkt der von der Creditreform-Boniversum für alle 16 Bundesländer repräsentativ ermittelte „SchuldnerKlima-Index“ um mehr als zwei auf aktuell 98 Punkte (Winter 2015/16: 101 Punkte). Der Index rutscht in diesem Quartal trotz der weiterhin insgesamt positiven Konjunkturlage wieder in den „roten Bereich“. Das Überschuldungsrisiko der deutschen Verbraucher ist erneut gestiegen und bleibt weiterhin angespannt. „Unser Klimaindex verschlechtert sich deutlich. Das Ergebnis ist auch ein Indiz für eine Verunsicherung der deutschen Verbraucher. Unsere Sonderfrage zeigt, dass die Themen Flüchtlinge und Terror andere Themen überschatten. Trotz der wahrgenommenen Bedrohungslage zeigen die Verbraucher weniger Ausgabenvorsicht und Kaufzurückhaltung als noch im letzten Jahr. Wir gehen daher davon aus, dass die Überschuldungsfälle in den nächsten Monaten weiter zunehmen werden“, sagt Ralf Zirbes, Geschäftsführer von Boniversum.

NRW noch knapp im „grünen Bereich“

Im Bundesländervergleich weisen zehn von 16 Bundesländern eine Verschlechterung des Schuldnerklima und somit einen Anstieg des Überschuldungsrisikos auf. Nur vier Bundesländer bleiben derzeit eher knapp im „grünen Bereich“: das Saarland (104 Punkte), Nordrhein-Westfalen, Hamburg (jeweils 103) und Thüringen (102). Schlusslichter sind derzeit Rheinland-Pfalz (93) und wie im Vorjahr Bremen (91). Kleiner Lichtblick: Die Entwicklung in Ostdeutschland ist derzeit leicht positiver als in Westdeutschland. Die deutschen Verbraucher schätzen ihre aktuelle wie auch die künftige wirtschaftliche Lage merklich schlechter ein als im Vorquartal. Nur noch 27 Prozent der deutschen Verbraucher (Winter 2015/16: 33 Prozent) bewerten ihre aktuelle Lage mit einer guten oder sehr guten Schulnote. Die eigene wirtschaftliche Lage für die nächsten Monate wird von rund 31 Prozent (Vorquartal: 34 Prozent) gut oder sehr gut bewertet. Im Vorquartal waren es noch 34 Prozent. Die Sparneigung der deutschen Verbraucher stagniert auf vergleichsweise niedrigem Niveau (32 Prozent) und liegt unter dem langjährigen Mittelwert.

Verbindlichkeiten und Kreditnutzung nehmen spürbar zu

Sowohl die aktuelle Kreditnutzung der deutschen Verbraucher als auch die kreditbasierte Anschaffungsbereitschaft für die nächsten Monate haben im Frühjahr 2016 wieder zugenommen. Die Anschaffungsbereitschaft hatte im letzten Quartal noch abgenommen. Derzeit geben wieder rund 64 Prozent (+ 3 Punkte) der Verbraucher an, Kredite oder sonstige finanzielle Verbindlichkeiten zu haben. Fast vier von zehn deutschen Verbrauchern (37 Prozent; + 2 Punkte) planen zudem, in den nächsten drei Monaten weitere Anschaffungen mit Krediten zu finanzieren. Hierbei ist die Bereitschaft, kurzfristige Konsumgüter (37 Prozent; + 1 Punkt) und langfristige (mobile) Nutzgüter (PKW; 26 Prozent; + 2 Punkte) mit Hilfe von Krediten anzuschaffen, weiter gestiegen.

Schuldenstress der Deutschen steigt merklich

Der so genannte subjektive Schuldenstress hat im Frühjahr 2016 bei deutschen Verbrauchern merklich zugenommen (15 Prozent, + 2 Punkte) und erreicht den zweithöchsten Wert der insgesamt 23 Wellen der Schuldnerklima-Analyse. Allerdings ist der Anteil der Verbraucher, die sich „manchmal von den finanziellen Verbindlichkeiten überfordert fühlen“, merklich gesunken (35 Prozent; - 4 Punkte). Auffällig: Der Schuldenstress hat sich bei eher jungen Verbrauchern (18 bis 39 Jahre: 9 Prozent; - 6 Punkte) deutlich verringert, bei eher älteren Verbrauchern (40 Jahre und älter: 18 Prozent; + 6 Punkte) in ähnlicher Größenordnung zugenommen. Dies ist aber mutmaßlich auch auf die seit Anfang April wieder aufflammende Mediendebatte um Altersarmut, die Sicherheit der Renten und die mangelnde Altersvorsorge zurückzuführen. Erstaunlicherweise werden die Folgewirkungen von eher jungen Verbrauchern weniger kritisch respektive bedrohlich bewertet als von eher älteren Verbrauchern.

Den ausführlichen Bericht gibt es hier.

(Redaktion)


 


 

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