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Interview mit Dr. Claudia Borowy

9 Fragen an ... Dr. Claudia Borowy, Geschäftsführerin von inszenio - agentur für szenische kommunikation

Berlin.Business-on.de befragte führende UnternehmerInnen und Berliner Köpfe zu Ihren Einschätzungen und Erwartungen für das neue Jahr. Die Agentur für szenische Kommunikation sieht sich mit knappen Unternehmensbudgets für Personalentwicklungsmaßnahmen konfrontiert. Frau Dr. Borowy sieht darin allerdings weniger ein Risiko als vielmehr eine Chance für inszenio.

Business-on.de: Frau Dr. Borowy, was war für Sie das Highlight im Jahr 2008?

Dr. Claudia Borowy: Eigentlich gab es für mich gleich mehrere Highlights: Zum einen die Tatsache, dass inszenio eine neue Heimat gefunden hat. Seit Mitte des Jahres entwickeln und proben wir unsere Stücke in unseren Räumen in der Schwedter Straße in Berlin-Mitte und laden Kunden regelmäßig zum „Schulterblick“ ein.

Zum anderen ist jede Aufführung ein Highlight, wenn ich erlebe, welche nachhaltige Wirkung unsere szenischen Interventionen haben, und wie sich Mitarbeiter und Führungskräfte in Unternehmen vom Medium Theater nicht nur zu einer tiefgehenden Reflexion über ihr eigenes Verhalten anregen, sondern auch zur interaktiven Mitarbeit und Veränderung unserer Szenarien verführen lassen.

Business-on.de: Gab es Theaterthemen in der Vergangenheit, die heute keine Anwendung mehr finden oder kommt doch alles immer wieder?

Dr. Claudia Borowy: Bei uns werden immer weniger reine Unterhaltungsprogramme angefragt. Stattdessen gewinnt der individuelle inhaltliche Bezug zu unternehmensrelevanten Themenstellungen immer mehr an Bedeutung. Das kommt unserer Arbeitsweise natürlich sehr entgegen, die immer maßschneidert und nichts „von der Stange“ produziert. Nur so erreichen wir unsere Zuschauer, wenn wir „ihre“ Themen auf der Bühne spiegeln, und zwar immer mit einem Augenzwinkern. Und genau dieser Humor funktioniert nur, wenn er individuell auf den jeweiligen Unternehmenskontext, die Strukturen, die spezifische Kultur hin entwickelt wird.

Business-on.de: Findet die Finanzmarktkrise thematischen Anklang in einem Ihrer neusten Stücke?

 Dr. Claudia Borowy: Ja, auf jeden Fall. Wir sind gerade dabei, für verschiedene Kunden Stücke und Produkte zu entwickeln, die einen konkreten Kommunikationsmehrwert vor dem Hintergrund der Finanzkrise vermitteln, also z.B. die Frage „Wie manage ich als Führungskraft die Krise nach innen?“, „Wie kann ich erfolgreich verkaufen im Angesicht der Krise?“ etc.
Abgesehen von der Krise hat ein zentraler Aspekt unserer szenischen Interventionen und Stückentwicklungen immer etwas mit dem großen Thema „Herausforderung/Veränderung“ zu tun, seien es Veränderungen von Unternehmenswerten, von Strukturen, von Prozessen und damit einhergehend: von kommunikativen Verhaltensweisen.

Business-on.de: Welche Chancen und Risiken wird das Jahr 2009 für inszenio bringen? Planen Sie strukturelle Veränderungen?

Dr. Claudia Borowy: Wir werden uns sicherlich mit knapperen Unternehmensbudgets für Personalentwicklungsmaßnahmen konfrontiert sehen. Ich sehe darin allerdings weniger ein Risiko als vielmehr eine Chance für uns: Mit szenischen Interventionen und Trainings, deren Mehrwerte gegenüber herkömmlichen Seminarangeboten sich konkret messen lassen, wollen wir uns 2009 noch stärker positionieren. Strukturell werden wir unser Team dazu weiter ausbauen – sowohl im kreativen als auch im administrativen Bereich.

Business-on.de: Sind Sie zufrieden mit dem Hauptstadt-Standort Berlin und welche Faktoren schätzen Sie besonders?

Dr. Claudia Borowy: Ich kann mir keinen besseren Standort als Berlin für uns vorstellen. Berlin heißt für mich vor allem: Künstlerische Inspiration und Kreativität, die Offenheit für Unkonventionelles und eine lebendige Netzwerkkultur.

Business-on.de: Welches sind die wichtigsten Themen, die das Businesstheater im kommenden Jahr maßgeblich bestimmen und beeinflussen werden?

Dr. Claudia Borowy: Ich bin davon überzeugt, dass die Krise neben ihren finanziellen und wirtschaftlichen Dimensionen vor allem eine Wertediskussion auslösen wird. Also: Was heißt verantwortliche Marktwirtschaft? Was heißt verantwortliches Unternehmertum in einer globalisierten Welt? Was heißt verantwortliches Führen? All diese Themen werden zu weiteren Veränderungsprozessen in Unternehmen führen. Diese Prozesse können wir mit Businesstheater kommunikativ nachhaltig begleiten.

Business-on.de: In welchem (anderen) Unternehmen würden Sie gern mal für einen Tag arbeiten?

Dr. Claudia Borowy: Ich habe im Laufe meiner Berufstätigkeit nicht nur das Theater sondern auch einige große Unternehmen von innen kennen gelernt, weiß also um Strukturen und Befindlichkeiten. Insofern finde ich das Thema „Perspektivwechsel“ viel spannender und würde gerne einmal in einer sozialen Einrichtung arbeiten. Hospize zum Beispiel interessieren mich sehr, das Tabu-Thema „Sterben“. Ich bin davon überzeugt, dass wir in der Begleitung des Sterbens sehr viel über das Leben lernen können.

Business-on.de: Wie lautet Ihr persönlicher Tipp, wenn jemand nach einem guten Theaterhaus in Berlin fragt?

Dr. Claudia Borowy: Mich auf eines festzulegen fiele mir da sehr schwer und würde sich vermutlich immer auf eine konkrete Produktion, ein Stück beziehen. Wenn ich meine Theatersaison 2008 Revue passieren lasse, liegen Deutsches Theater, Berliner Ensemble und das Hebbel am Ufer ganz vorn.

Business-on.de: Haben Sie persönlich einen guten Vorsatz für das Neue Jahr 2009?

Dr. Claudia Borowy: Immer wieder aufs Neue: Auf mich acht geben.

Frau Dr. Claudia Borowy, Business-on.de dankt Ihnen für dieses Gespräch.

(Redaktion)


 


 

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