Sie sind hier: Startseite Berlin Aktuell Interviews
Weitere Artikel
Interview mit Jens Caßens

9 Fragen an ... Jens Caßens, Geschäftsführer der Berliner-Kindl-Schultheiss-Brauerei

Berlin.Business-on.de befragte führende UnternehmerInnen und Berliner Köpfe zu Ihren Einschätzungen und Erwartungen für das neue Jahr. Jens Caßens, Geschäftsführer der Berliner-Kindl-Schultheiss-Brauerei ( Radeberger Gruppe KG) sieht die Hauptstadtbrauerei für 2009, trotz Finanzkrise, gut gerüstet.

Berlin.Business-on.de: Herr Caßens, welches Ereignis aus dem Jahr 2008 wird Ihnen im Gedächtnis bleiben?

Jens Caßens: Ganz klar – leider – die Finanzmarktkrise. Und hier möchte ich an Gandhi erinnern: „Auf der Welt ist für jedermanns Bedürfnisse Platz, allerdings nicht für jedermanns Gier.“ Ein weiser Satz, den jeder von uns für sich verinnerlichen sollte. Die nachhaltigen Auswirkungen dieser Ent­wicklung werden wir sicherlich alle zu spüren bekommen, weil wir auch vorher gemeinsam daran partizipiert haben.

Berlin.Business-on.de: Wie beurteilen Sie die wirtschaftliche Entwicklung Ihrer Branche in 2008 ?

Jens Caßens: Wir erlebten ganz besonders schwierige Wettbewerbsverhältnisse. Neben dem Rauchverbot in der Gastronomie, das erheblich auf den Fassbierabsatz drückt, sind auch die steigenden Kosten für Rohstoffe, Energie oder Logistik zu nennen. Auch die Kaufzurückhaltung der Verbraucher, die ihr „Bier-Budget" offensichtlich bereits über Kostenerhöhungen beim Benzin, bei den Lebensmitteln oder Strom ausgegeben haben, bekommen die Brauereien deutlich zu spüren. Der Markt wird sich in 2008 wieder deutlich negativ entwickeln, wenn auch nicht ganz so stark, wie Prognosen Anfang des Jahres vermuten ließen.

In diesem schwierigen Marktumfeld aber nimmt unsere eigene Entwicklung bzw. die unserer Marken einen positiven Verlauf. Mit dem klassischen Berliner Kindl, dem feinherb-spritzigen Berliner Pilsner und dem frisch-würzigen Schultheiss – ergänzt um Spezialitäten wie der Berliner Kindl Mix Weisse - sind wir in der Hauptstadt gut aufgestellt und behaupten unsere Marktführerschaft.

Berlin.Business-on.de: Was glauben Sie welche Auswirkungen die Finanzkrise generell auf die Bierbranche haben wird?

Jens Caßens: Brauereien, die schon in der Vergangenheit kaum mehr finanzielle Reserven hatten, trifft die Krise besonders. Vor allem die Anbieter imageschwacher Biere sind kaum zukunftsfähig. Der Konsolidierungsprozess wird sich aus meiner Sicht noch deutlicher beschleunigen.

Wir als Teil der Radeberger Gruppe, der größten Privat-Brauereigruppe Deutschlands, haben mit dem Geschäftsmodell der Deutschen Bierkultur und mit der finanzstarken Oetker-Gruppe als Alleingesell­schafter diese Sorgen nicht – gerade auch, weil wir hier von spekulativen Entwicklungen an der Börse verschont bleiben.

Allerdings sehen wir mit großer Sorge, dass das Gastronomiegeschäft sehr zu kämpfen hat. Einerseits bleiben die Menschen lieber daheim und trinken ihr Bier dort. Andererseits sind neben den starken Marken auch die Billigstbiere gefragt, die aber ausschließlich im Handel ihr Geschäft machen und sich aus der Finanzierung neuer, Erfolg versprechender Gastronomie-Objekte heraushalten und sich auch bei Veranstaltungen nicht engagieren. Das sollte übrigens jeder Bier-Liebhaber bedenken – ohne die Unterstützung vieler namhafter Biermarken wären weder eine so vielfältige Gastronomie-Landschaft noch eine so große Anzahl toller Events denkbar.

Berlin.Business-on.de: Wie wird sich voraussichtlich die Auftragslage der Berliner-Kindl-Schultheiss-Brauerei im Jahr 2009 entwickeln?
 
Jens Caßens:
Die Berliner-Kindl-Schultheiss-Brauerei blickt auf ein ordentliches Jahr 2008 zurück. Mit einem Marktanteil von über 50 Prozent ist sie eindeutige Marktführerin in der Region Berlin / Brandenburg. Den Abstand zu ihren Wettbewerbern konnte sie weiter deutlich und strategisch aus­bauen. In einem schwierigen Marktumfeld sehen wir uns auch für 2009 gut gerüstet, auch wenn uns und alle anderen Akteure des Biermarktes die Zukunft vor große Herausforderungen stellt.

Berlin.Business-on.de: Wie sieht es mit der Unternehmerfreundlichkeit in Berlin aus? Reichen Engagement und Förderung des Senats aus oder müsste hier noch mehr getan werden?

Jens Caßens: Wir fühlen uns als Hauptstadtbrauerei der Region Berlin eng verbunden. Nicht umsonst werben wir mit dem Claim „So schmeckt Berlin“ auf Plakat und im Funk für Berliner Kindl oder haben mit der Hymne „Berlin, Berlin, Du bist so wunderbar, Berlin“ für Berliner Pilsner sogar bundesweit für Furore gesorgt.
So ist auch die Zusammenarbeit mit dem Senat sowie mit vielen anderen Berliner Institutionen gut. Wenn wir allerdings einen Wunsch äußern dürften: In der alkoholpolitischen Debatte steht gerade Bier am Pranger, obwohl wir uns eindeutig für einen verantwortungsvollen Genuss unserer Marken einsetzen. Statt über Werbeverbote für Bier in einzelnen Bezirken oder viele andere Restriktionen nachzudenken, ist es sicherlich Aufgabe der Politik, an den Ursachen anzusetzen. Und diese liegen nicht in der Werbung für unser Produkt, die übrigens strengen Richtlinien folgt. Gründe für den Alkoholmissbrauch, den wir selbstverständlich entschieden ablehnen, gibt es viele. Dieses gesamtgesellschaftliche Problem aber gilt es zu lösen.

Berlin.Business-on.de: In welchem anderen Unternehmen würden Sie gern für einen Tag arbeiten und warum?

Jens Caßens: Schwierige Frage, da ich ja schon in einem tollen Unternehmen arbeite. Aber wenn ich eine Alternative nennen soll, dann würde ich mir einen Tag in der ARCHE aussuchen. Schließlich gibt es doch nichts Schöneres als in freudestrahlende Kinderaugen zu blicken…

Berlin.Business-on.de: Auf welchem Tabellenplatz wird Hertha BSC die laufende Bundesligasaison beenden?

Jens Caßens: Auf Platz 3. Sollte es zu mehr reichen, lasse ich mich gerne eines besseren belehren. 

Berlin.Business-on.de: Welche Biersorte trinken sie am liebsten?

Jens Caßens: Kommt auf die Stimmung an – und beim Essen auch auf das, was auf den Tisch kommt. Zu Fischgerichten mag ich am liebsten das feinherb-spritzige Berliner Pilsner, bei Fleisch und Pasta bevorzuge ich das klassische Berliner Kindl. Schultheiss trinke ich gerne mal als Zuschauer beim Sechstagerennen. Und im Sommer ist die Berliner Kindl Mix Weisse Schwarze Johannisbeere mein Favorit. 

Berlin.Business-on.de: Haben Sie sich für 2009 ein persönliches Ziel gesetzt?

Jens Caßens: Ja, habe ich: Mein Gewicht zu halten ist mein persönliches Ziel 2009. In diesem Jahr habe ich rund 20 Kilo abgenommen. Und dies, obwohl ich für eine Brauerei arbeite. Ich strafe also alle diejenigen Lügen, die meinen, Bier mache dick…

(Redaktion)


 


 

Berliner Kindl
Jens Caßens
Geschäftsführer
Brauerei
Berlin
Interview
2009
Radeberger Gruppe
Unterneh

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Berliner Kindl" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: