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Die Bullen melden sich an der Börse zurück – wie lange noch?

Die Moskauer Börse startete 2019, ganz ohne eigenes Zutun, mit am besten unter allen Weltbörsen. Die russischen Indices wie der RDX- und RTX-Index stiegen um 3 bis 5 Prozent und damit weit mehr als Dax, Euro-Stoxx oder S&P-Index – genauso wie schon 2018. Auch andere Börsen in Osteuropa hatten vor allem durch die starken Kurssteigerungen eine positive Wertentwicklung. Die Wall Street hatte ebenso wie der deutsche Aktienmarkt anfangs einen schwachen Börsenstart, erholte sich aber kräftig am 4. Januar 2019.

Kaufpanik am Freitag an der Wall Street nach guten Arbeitsmarktdaten

Die Wall Street hatte zum Jahresbeginn aufgrund der Umsatzwarnung von Apple und der globalen Konjunktursorgen einen schwachen Börsenstart. Die Aktie von Apple fiel nach der Umsatzwarnung um fast 10 Prozent auf unter 150 US-Dollar. Der Apple-Aktienkurs fiel damit seit dem Hoch von 225 auf nunmehr 148 US-Dollar, womit die Marktkapitalisierung auf 704 Milliarden US-Dollar fiel. Damit verringerte sich die ehemalige 1-Billionen-US-Dollar-Aktie um fast 300 Milliarden US-Dollar seit dem Hoch Anfang Oktober 2018.

In den USA stiegen die „Nonfarm Payrolls“ am 4. Januar um 312.000 Stellen, weit mehr als erwartet wurde. Dies war überraschend der größte Anstieg seit Februar 2018 am Arbeitsmarkt. Zudem gab es Hoffnungen, dass sich US-Präsident Donald Trump mit China im Januar einigen und einen Handelskrieg damit vermeiden kann. Die Verlängerung des „Shutdowns“, also der Haushaltssperre infolge der nicht zustande gekommenen Einigung mit den Demokraten über die 5 Milliarden US-Dollar für den Bau einer Mauer für Mexiko, spielten eine untergeordnete Rolle am Freitag. Auch die neuen Drohungen des nordkoreanischen Präsidenten Kim Jong-un, dass er seine Atomabrüstungspläne überdenken oder umändern werde, wenn die USA nicht bald die Sanktionen gegen Nordkorea aufheben, wurde bisher nicht ernst genommen.

Kräftige Erholung in intakten Bärmärkten

Ausgehend von der Marktechnik handelte es sich am 4. Januar nur um eine technische Gegenreaktion eines zuvor überverkauften Marktes, wobei der Markt am Freitag schon wieder auch nach oben übertrieben hat, denn Kurssteigerungen von über 3 Prozent an einem Tag sind sehr selten an der Wall Street. Der übergeordnete Trend an der Wall Street ist seit Oktober 2018 weiterhin ein Bärmarkt mit einer fallenden 50-Tageslinie, wobei die meisten Kurse vor allem der Technologieaktien trotz der kräftigen Erholung immer noch unter der 50-Tageslinie liegen. Der Nasdaq-100-Index stieg am Freitag sogar um 4,25 Prozent an einem Tag und damit um 2,12 Prozent seit Jahresbeginn.

Es handelt sich also im eine „Bärmarktrallye“, die es schon zu Weihnachten einmal gab, als der Dow-Jones-Index um 1.000 Indexpunkte (!) und der Nasdaq-Index sogar um 6 Prozent an einem Tag anstiegen. Die Frage bleibt aber ungewiss, wie sich die Konjunktur 2019 in Anbetracht des drohenden US-Handelskriegs mit China tatsächlich entwickeln wird. Das Kursfeuerwerk vom Freitag kann schnell verpuffen, wenn neue Konjunkturdaten die Börsenstimmung wieder eintrüben.

Sehr viel wird auch davon abhängen, ob sich Trump im Januar wirklich mit China einigen und einen Handelskrieg vermeiden kann. Andernfalls dürften die Weltbörsen wieder schnell kräftig nachgeben. Zudem rücken demnächst auch wieder andere Themen in den Vordergrund wie der Brexit, die Verschulungsprobleme in Italien, das Wachstum in China und die Geldpolitik der Notenbanken.

Neue Cyberattacken zeigen die Schwächen der Digitalisierung deutlich auf

Der deutsche Aktienleitindex Dax erholte sich am Freitag ebenfalls um 3,37 Prozent auf 10.767 Indexpunkte, wobei der Aktienindex anfangs auch einen schwachen Börsenstart hatte und der intakte Bärmarkt seit Mai 2018 fortgesetzt wurde. Immerhin verblieb beim Dax seit Jahresbeginn nun ein Plus von 1,98 Prozent.

Dabei spielten die Datenpanne und die neuen Cyberattacken gegen einige Bundestagsabgeordnete und Journalisten (noch) eine untergeordnete Rolle. Diese zeigen allerdings die Schwächen der Digitalisierung auf, denn die Datensicherheit ist nicht überall gewährleistet und sogar viele Unternehmen werden verwundbarer im Fall von Cyberattacken. Denkbar ist auch einmal eine globale Cyberattacke gegen Börsen, die dann einige Weltbörsen über Nacht lahmlegen kann.

Deutsche Anleger hoffen zunächst, dass Trump mit China einen Deal hinbekommt, weil dies für alle Weltbörsen von großer Bedeutung in diesem Jahr sein wird.

Steigende Rohstoffpreise nur ein Strohfeuer?

Darauf setzen nun auch die Terminhändler an den Rohstoffmärkten, wobei die meisten Industriemetalle am Freitag kräftig anstiegen. Gold gab hingegen leicht um 0,71 Prozent auf 1.285 US-Dollar/Unze nach, nachdem es zuvor den höchsten Stand seit Juni 2018 erreicht hatte. Silber konnte sich bei 15,69 USD/Unze knapp behaupten. Dagegen stieg Palladium schon wieder um 2,56 Prozent auf 1.300 USD/Tonne an, wobei der Palladiumpreis schon im letzten Jahr um etwa 20 Prozent anstieg und damit als Edelmetall weit besser als Gold performte.

Auch der Brentölpreis konnte um 2,54 Prozent auf 57,31 USD/Barrel zulegen, nachdem er zuvor seit Oktober bis Ende 2018 von 85 auf 52 USD/Barrel im freien Fall war. Der Euro stabilisierte sich bei 1,13 EUR/USD fast unverändert und der Bitcoin bei 3.360 BTC/EUR. Falls sich Trump im Januar aber nicht mit China einigen kann, dürften die Rohstoffpreise wieder stark nachgeben.

Moskauer Börse schon wieder klarer Outperformer neben anderen Osteuropabörsen

Nicht nur die Moskauer Börse konnte wieder outperformen, sondern auch noch einige andere Börsen in Osteuropa wie vor allem der ungarische, tschechische und rumänische Aktienmarkt, die alle den Dax und Dow-Jones-Index outperformen können mit einem Plus von jeweils über 2,5 Prozent seit Jahresbeginn. Der RTX-Index, ein Kunstprodukt der Wiener Börse für russische Originalaktien, konnte sogar seit Jahresbeginn um 5,22 Prozent ansteigen. Der Gazprom-Kurs stieg von 3,80 auf 4,02 Euro und Lukoil von 62 auf 65 Euro in der vergangenen Woche. Dabei gab es bis zum 6. Januar, den orthodoxen Weihnachtsferien, gar keinen Handel an der Moskauer Börse, sondern nur mit dem Ausland in London gehandelten Hinterlegungszertifikaten – ADR und GDR genannt.

Osteuropa-Aktien weiterhin attraktiv

Der Rubel stieg am Freitag leicht auf 77,67 EUR/RUB um 0,7 Prozent an, nachdem er 2018 kräftig an Wert verlor. Für risikoorientierte Anleger lohnt sich also weiter ein Blick über den Tellerrand nach Osteuropa. Schon im letzten Jahr zählten die meisten Aktienmärkte in Osteuropa zu den stabilsten der Welt. Der russische Aktienmarkt lockt weiterhin mit sehr niedrigen Bewertungen und sehr hohen Dividendenrenditen, wobei allerdings keiner weiß, wie weit die US-Amerikaner ihre Sanktionen noch steigern werden. Der politische Discount des russischen Aktienmarktes bleibt also sehr hoch.

(Andreas Männicke)


 


 

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