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  • 04.05.2017, 19:12 Uhr
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  • Hamburg
Aktienmärkte

Finanzpolitische Zeitbomben – droht ein Schwarzer Montag?

Ein Leben zwischen Bomben und Zeitbomben. Erhebliche geopolitische Spannungen werden auch die Aktienmärkte früher oder später negativ beeinflussen. Der Börsenexperte Andreas Männicke mit einem Überblick

In den vergangenen Wochen kam es zu einer ungewöhnlichen Aneinanderreihung von Terroranschlägen in Ägypten (gegen Christen), in St. Petersburg, London, Stockholm und jüngst in Paris mit islamischem Hintergrund. Zudem kann es zu einem Terroranschlag der Taliban in dem angeblich „sicheren Herkunftsland“ Afghanistan. Diesem schenkten die Medien jedoch viel weniger Aufmerksamkeit im Vergleich zum Terroranschlag in Paris, obwohl es in Afghanistan 140 Tote (!) und 160 Verletzte gab, in Paris aber „nur“ zwei Polizisten.

Durch den Terroranschlag auf der Pariser Prachtstraße Champs Elysee am 21. April 2017bekam die Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen ungewollt Wahlunterstützung. Am 23. April fand die Schicksalswahl für Europa in Frankreich statt. Nach den Hochrechnungen sind der liberale ehemalige Investmentbanker und nun parteilose Politiker Emmanuel Macron mit 23 bis 24 Prozent und die Rechtspopulistin Marine Le Pen mit 22 Prozent in der Stichwahl. Die Sozialisten und Konservativen sind die Verlierer der Wahl. Le Pen wird nun zwei Wochen lang einen harten Wahlkampf gegen Emmanuel Marcron führen. Der 7. Mai wird der Tag der Wahrheit und Klarheit in Frankreich, auch für Europa.

Also wird es, wenn überhaupt, einen „Schwarzen Montag“ erst am 8. Mai geben. Doch auch dort sind die Chancen gering, dass Le Pen die Wahl gegen Macron gewinnen wird. Falls wenn Le Pen die Stichwahl gewinnen sollte, werden die Weltbörsen einbrechen, da Europa dann vor der Spaltung steht und Le Pen das System verändern will.

Perfider Anschlag gegen Borussia Dortmund durch einen Aktien-Zocker aus Habgier

Beim Anschlag gegen den Mannschaftsbus der Fußballmannschaft von Borussia Dortmund gab es zwar drei Bekennerschreiben von der Terrormiliz IS, aber der perfide Täter war „nur“ einen Short-Aktien-Zocker. Sein Motiv: Habgier, indem er durch den Anschlag mit 15.000 Put-Optionen auf die fallenden Aktien von Borussia Dortmund viel Geld verdienen wollte. Während man sich in Paris wundert, warum die Terroristen immer ihre Pässe im Auto dabei haben und so für schnelle „Ermittlungserfolge“ sorgen, muss man die Ermittler in Dortmund in der Tat loben, dass Sie den Täter so schnell gefunden haben.

Droht nun ein Krieg in Nord-Korea?

US-Präsident Donald Trump hat in Syrien und in Afghanistan bereits mit einer Bombardierung für Fakten gesorgt. Wird er aber auch Nord-Korea für einen Präventivschlag bereit sein? Neben den geopolitischen Spannungen drohen zudem Zeitbomben an den Finanzmärkten, wobei zunehmender Protektionismus nur eine Gefahr von vielen darstellt.

Neben den Bomben bei Terroranschlägen beunruhigen auch die Bomben der USA in Syrien und in Afghanistan. Waren diese Bomben etwa nur der Lackmustest für einen Präventiveschlag gegen Nord-Korea? US-Präsident Donald Trump deutete an, dass nun bei weiteren Provokationen durch Raketentests alle Optionen offen seien. Und Trump ist ohnehin alles zuzutrauen.

Neue Konflikte mit dem Iran könnten eskalieren

Es beunruhigen auch die Aussagen vom US-Außenminister Rex Tillerson. Er hält die Atomverträge mit dem Iran für falsch, da sie angeblich immer noch einen möglichen Bau einer Atombombe nicht hinreichend behinderten. Tillerson gefällt auch nicht die Unterstützung durch die iranische Hisbollah im Jemen und in Syrien. In diesem Fall hat Tillerson Israel voll hinter sich. Die Israelis warnen weiterhin vor dem Bau einer Atombombe Irans und planen schon lange einen Präventivschlag gegen Iran. Da Russland und China aber im Bunde mit dem Iran sind, droht in Zukunft hier einen neuer Stellvertreterkrieg mit dem Iran, wenn es die USA auf die Spitze treiben. Hier drohen also weiter geopolitische Spannungen und Bomben, was auch die Aktienmärkte früher oder später negativ beeinflussen wird.

Finanz- und gelpolitische Zeitbomben mit hoher Sprengkraft

Es drohen eine ganze Reihe finanzpolitischer Zeitbomben mit enormer Sprengkraft wie ein zunehmender Protektionismus. Das war schon eines der Haupthemen beim G20-Treffen der Finanzminister in Washington und wird wohl auch beim nächsten G20-Treffen der Staatschefs am 7. und 8. Juli 2017 in Hamburg sein. Zunehmender Protektionismus wäre Gift für den Welthandel. Einleiten könnte Trump die Krise mit der Einführung einer erhöhten Importsteuer zur Gegenfinanzierung der Unternehmenssteuerreform.

US-Notenbank versucht den Spagat zur „Normalsierung“

Eine weitere Zeitbombe ist die zunehmende Verschuldung auf verschiedenen Ebenen in Kombination mit der möglichen Beendigung der außergewöhnlichen Maßnahmen, neudeutsch „Quantitative Easing“ (QE) der Notenbanken, was die US-Notenbank Fed schon jetzt übt. Der Weg zur Normalisierung mit steigenden Zinsen ist steinig und nicht ganz ungefährlich. Bisher haben die Notenbanken durch das QE die Banken gerettet und auch Staatsbankrotte verhindert. Dabei wird mit der Niedrigzinspolitik, die die Zinslast des Staates künstlich enorm verringert, allerdings nur auf Zeit gespielt. Die Fed will demnächst wieder Anleihen verkaufen – das Gegenteil von dem, was sie zuvor machte. Ob das gut geht?

Ein Ende des Quantitative Easing wird zum Bumerang

Wenn die Liquiditätszufuhr beendet wird, werden die Weltbösen Probleme haben, das hohe Kursniveau aufrechtzuerhalten. Der amerikanische Aktienmarkt ist ohnehin stark überbewertet. Zu stark steigende Zinsen kann sich keine Notenbank der großen Industrieländer wegen der zu hohen Staatsverschuldung leisten, da dann Staatbankrotte drohen. Der „Club Med“ ist mit den Hauptproblemländern Italien und Griechenland und den 820 Milliarden Euro Target-2-Salden am Rande der pleite. Und auch die USA werden demnächst vor großen Finanzierungsprobleme stehen. In absehbarer Zeit muss die Erhöhung der Schuldengrenze von 20 Billionen US-Dollar vom US-Kongress genehmigt werden. Wie Trump die geplante Unternehmenssteuerreform finanzieren will, ist bis heute nicht klar.

Ausnahmenzustand in Venezuela – bald auch in den USA und Europa?

Was in einem Land passieren kann, wenn ein Staat kurz vor dem Staatbankrott steht, sieht man jetzt in Venezuela mit Straßenschlachten der „Wutbürger“ gegen die Staatsmacht, also gegen die Polizei und gegen den Präsidenten. Es könnten bürgerkriegsähnliche Situationen entstehen, auch in Europa und den USA. Zudem gibt es in Venezuela trotz des Ölreichtums eine Hyperinflation, worunter auch die Bevölkerung am meisten leidet.

Weltbörsen bisher (noch) stabil – Nasdaq fast vor einem neuen Allzeithoch

Trotz all dieser altbekannten Probleme blieben die Weltbörsen auf hohem Niveau bisher relativ stabil und gaben bisher kaum nach. Es bedarf aber auch eines gravierenden auslösenden Faktors, damit viele Anleger auf einmal die Exittaste drücken. Dabei werden die „Flash boys“, also die Hochfrequenzhändler, die ersten sein und damit eine Abwärtsdynamik in Gang bringen und später auch verstärken. Hier hilft aber die Markttechnik, den rechtzeitigen Ausstieg zu schaffen. Noch sind die Haussetrends an den Weltbörsen alle intakt. Der Nasdaq-Index steht sogar kurz vor einem neuen Allzeithoch.

Gold als „sicherer Hafen“ wieder gefragt

Es war nicht das erste Mal, dass die Börsen entlang der „Mauer der Angst“ weiter steigen. Gesucht waren aber zuletzt auch wieder „sichere Häfen“ wie Gold und trotz Mini-Zinsen sogar erneut Bundesanleihen. Gold stieg auf das 8-Monats-Hoch mit 1.285 US-Dollar pro Feinunze. Bei über 1.300 US-Dollar/Unze entsteht ein neues Kaufsignal für Gold. Im Sommer vergangenen Jahres war der Goldpreis jedoch schon bei mehr als 1.350 US-Dollar/Unze und damit weit höher.

Aluminium stieg am Freitag, 21. April um 2,3 Prozent und damit schon um 17,7 Prozent in einem Jahr. Anleger können dies über Exchange Traded Commodities (ETC) der BNP-Paribas ausnutzen. Der verstorbene Investmentguru André Kostolany würde sagen: „… man sollte auch mal über Aluminiumwerte nachdenken!“

Gold stieg innerhalb eines Jahres bis jetzt „nur“ um 4,7 Prozent und Silber um 5,8 Prozent und damit weit weniger als die meisten Aktienmärkte in diesem Zeitraum. Denn der Nasdaq-Index stieg in einem Jahr um 19,5 Prozent, der Dax um 15,5 Prozent, der RTS-Index (Russland) um 16,9 Prozent und selbst der CECE-Index (Zentralosteuropa: Polen, Ungarn, Tschechien) mit den Aktien aus Zentral-Osteuropa um 12,9 Prozent. In den vergangenen drei bis fünf Jahren waren die Performance-Unterschiede noch wesentlich größer zugunsten der Aktienmärkte, zumal hier auch steigende Dividendenzahlungen hinzukamen. Auch in diesem Jahr wird es zu neuen Rekord-Dividendenausschüttungen kommen. Besonders hoch sind die Dividendenrenditen in Osteuropa mit über 4 Prozent.

7 Osteuropa-Börsen als Outperformer

Sieben Börsen aus Osteuropa konnten bisher den Dax, der schon um 6 Prozent in diesem Jahr anstieg, klar outperformen und zwar die Börsen in Kasachstan, Polen, Rumänien Slowenien, Bulgarien, Tschechien und Lettland. Aber auch die Aktien aus Österreich mit viel Osteuropa-Approach und der Türkei schnitten im Durchschnitt – trotz Erdogans – besser ab als der Dax. Gute Chancen gibt es zudem in Argentinien und in Vietnam. So ergeben sich auch in Krisen immer wieder neue Chancen.

Moskauer Börse schwach trotz starken Rubels

Dagegen gab die Moskauer Börse in diesem Jahr auch aufgrund der Enttäuschung über Trump und den neuen Spannungen mit den USA um etwa 12 Prozent nach, nachdem der russische Aktienmarkt 2016 über 50 Prozent anstieg. Sehr stabil hielt sich der Rubel bei 60,5 Euro/Rubel, obwohl der Brentölpreis zuletzt weiter auf unter 53 US-Dollar/Barrel nachgab. In einem Jahr verlor der Euro zum Rubel fast um 20 Prozent an Wert, womit hohe Währungsgewinne auch für hochverzinsliche Rubelanleihen für deutsche Anleger in Russland entstanden. Ein geeignetes Vehikel ist hier etwa das Rubel-Zins-Zertifikat der BNP Paribas, das seit Anfang 2016 schon um 58 Prozent angestiegen ist und damit wesentlich mehr als der Aktienmarkt.

(Andreas Männicke)


 


 

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