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  • 03.06.2017, 16:55 Uhr
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  • Hamburg
Aktienmärkte

Gelassenheit an den Aktienmärkten – trotz Trumps Alleingängen

Nach dem G7-Gipfel in Taormina auf Sizilien brodelt es hinter den Kulissen gewaltig. Viele Themen sind ungelöste Zeitbomben. US-Präsident Donald Trump nimmt weiterhin eine eigenwillige Position ein und wird weiterhin als eine Gefahr für die Weltwirtschaft gesehen. Die Aktienmärkte reagieren bisher gelassen auf die Trump-Affären im In- und Ausland.

Donalds Trumps erste Auslandsreise offenbarte in großer Klarheit, was auf die Welt zukommen kann, wenn der US-Präsident so fortfährt wie bisher: Mehr Spannungen und mehr Differenzen bei so wichtigen Themen wie Bekämpfung der Flüchtlingswelle von Afrika nach Europa, mehr Klimaschutz, mehr internationale Zusammenarbeit und mehr Welthandel. Damit blockiert Trump alle relevanten G7-Themen. Dies beschränkt sich jetzt nur noch auf die Terrorbekämpfung und selbst hier ist die Vorgehensweise der USA strittig.

Trump hofiert den IS-Unterstützer Saudi-Arabien

So ist der 100-Milliarden-US-Dollar-Waffen-Deal mit Saudi-Arabien genau der falsche Weg, um Frieden im Nahen Osten zu schaffen, auch wenn dadurch Arbeitsplätze in den USA entstehen sollten und die Aktien von Boeing und Lockheed Martin stark ansteigen. Saudi-Arabien ist nach wie vor ein Land, das sehr viel gemeinsam mit der Terrormiliz IS hat und diese auch unterstützt. Saudi-Arabien bombardiert nach wie vor Jemen mit amerikanischer Unterstützung, wo Millionen von Menschen jetzt hungern und Tausende Zivilisten sterben. Auch bei der fortlaufenden Bekämpfung des IS durch das irakische Militär sterben in Mossul täglich Hunderte von Zivilsten, über die die Leitmedien kaum berichten.

Bei der Bekämpfung von Terroristen in Aleppo waren die Russen und die syrischen Armee die „Bösen“, bei der Bekämpfung des IS in Mossul waren die irakische Armee mit Unterstützung von US-Streitkräften die „Guten“ in den Medien. Für die Zivilisten, die dort sterben, macht es aber keinen Unterschied aus, wer angeblich die „Guten“ und wer die Bösen“ waren, denn tot ist tot. Diese Doppelmoral und zweierlei Maß gibt es leider immer wieder bei der US-amerikanischen Art der Terrorbekämpfung zu beklagen, aber auch in den Leitmedien.

Falsche Mittel zur Terrorbekämpfung

Trump nannte diejenigen, die den Terroranschlag in Manchester verursacht habe, als „Loser“. Die Einteilung in angebliche Gewinner (= Trump-Anhänger und Trump selbst?) und Verlierer (= Loser) bringt aber keinen Erkenntnisgewinn und ist auch nicht geeignet, das Problem zu lösen. Auch das Beharren auf die jeweilige Erhöhung der Verteidigungsetats auf 2 Prozent des Bruttosozialprodukts, was Trump auch bei sein Nato-Besuch in Brüssel erneut anmahnte, löst die Problematik nicht an der Wurzel.

Mehr Direktinvestitionen in Afrika und Hilfe zu Selbsthilfe

Die richtige Maßnahme wäre die Erhöhung der Entwicklungshilfe auf 2 Prozent des Bruttosozialprodukts und die Schaffung von Arbeitsplätzen in Afrika durch Investitionen, verbunden mit einer klaren Geburtenkontrolle in Afrika. Sonst wird der Flüchtlingsstrom aus Afrika nie abnehmen und weitere Tausende im Mittelmeer sterben. Sinnvoller wären also mehr Direktinvestitionen in Afrika und mehr Hilfe zur Selbsthilfe.

Mehr Waffen hätten der Terroranschlag im Manchester nicht verhindern können

Es ist ein Irrglaube, dass man den internationalen Terrorismus nur mit mehr modernen Waffen bekämpfen kann. Auch die von Trump geforderten 119 Milliarden US-Dollar, die der Nato fehlen, hätten so einen perfiden Selbstmordanschlag wie in Manchester nicht verhindern können, wohl aber bessere Eingangskontrollen. Der internationale Terrorismus ist längst dezentral organisiert, wodurch auch das Internet und vor allem das Darknet sehr hilfreich geworden ist. Diese klare Erkenntnis ist leider noch nicht bis zu Trump vorgedrungen.

Cyberkriege und Cyberattacken sind die Gefahren der Zukunft

Eine westlich größere Gefahr werden in Zukunft terroristische und kriminelle Cyberattacken auf Konzerne, Krankenhäuser, Stromerzeuger, Behörden und der virtuelle Cyber-Krieg zwischen Staaten sein. Dabei sind nicht unbedingt nur Chinesen, Russen und Nord-Korea immer die „Bösen“, denn jeder kann von jedem Teil der Welt fast unerkannt Angreifer von Cyber-Attacken werden. Die letzte großer Hackerattacke „Wannacry“ war mutmaßlich auch nur ein weiterer Versuch, wie verwundbar das Netz ist, dem aber weitere viel größere Attacken folgen werden. Auch die Börsen könnten davon einmal betroffen sein.

Aufrüstung in Sicherheit auch im Internet ist notwendiger als Aufrüstung mit Waffen

Die Kehrseite der Digitalisierung ist die digitale Verwundbarkeit. Auch hier stehen wir erst am Anfang. Cyberkriege sind wesentlich wirksamere Waffen als Atomwaffen, da sie schwer zu kontrollieren sind. Die Zukunft sind Drohnen, Killerroboter und Cyberkriege. Hoffentlich werden diese brisanten Sicherheitshemen auch beim nächsten G20-Gipfel am 7. und 8. Juli 2017 in Hamburg mit der notwendigen Ernsthaftigkeit diskutiert. Es wäre sinnvoll, hier viel mehr in die Sicherheit aufzurüsten anstatt in Waffen, die früher oder später auch Zivilsten töten werden und nicht nur die „Bösen“.

Wer ist „gut“ und wer ist „böse“?

Trumps Einteilung in „Gut“ und „Böse“, die in den USA schon ein lange Tradition hat und auch schon von Reagan und Bush praktiziert wurden, ist ebenso fragwürdig wie vereinfachend – wie Goethe in Faust für Mephisto schon scharfsinnig zum Ausdruck brachte: „Ich bin ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft.“ Es is nicht einfach, das Gute und das Böse zu unterscheiden und wenn man schon diese allzu vereinfachende Unterscheidung macht, gehört es auch zur Aufgabe, genau und ehrlich zu untersuchen, warum das „Böse“ entstand, wobei die US-Amerikaner daran mit ihrem völkerrechtswidrigen Irak-Krieg, der einseitigen Bevorteilung einer politisch genehmen Gruppe und vor allem den fatalen „Anti-Terrorbekämpfung“ nur mit Waffengewalt und mit fragwürdigen Drohneneinsätzen, bei denen auch viele Zivilisen starben, nicht ganz schuldlos sind. Daran ändert auch Trumps Papst-Besuch in Rom nichts. 

Dies gilt für den Kampf gegen die Taliban, gegen Al-Kaida, also Bin Laden, und nun gegen den IS. Wenn Trump nun einseitig nur den Iran für den „Bösen“ erklärt und Saudi-Arabien zu den „Guten“, so befindet sich Trump genauso auf dem Holzweg wie viele andere US-Präsidententen zuvor.

Germany is not so bad!

Genauso falsch ist es, den deutschen Rekord-Handelsüberschuss von 267 Milliarden Euro zu beklagen und gar mit höheren Zöllen, also Abschottung, versuchen zu bekämpfen, da dadurch eine sehr gefährliche Abwärtsspirale in Gang kommen kann, die dann nicht mehr aufzuhalten wäre. Der hohe Handelsüberschuss Deutschlands kommt zustande, weil die deutschen Produkte in der ganzen Welt beliebt und oft auch konkurrenzfähiger sind. Trump bezeichnet Deutschland wegen des hohen Handelsbilanzüberschusses als „schlecht“ (bad), was die amerikanischen Produkte nicht besser macht. Aber auch Frankreich und der Internationale Währungsfonds schlagen hier in die gleiche Kerbe gegen Deutschland, sodass jetzt eine Arbeitsgruppe beim G7 gebildet wurde, die ermitteln soll, wie man den Welthandel mehr im Gleichgewicht halten kann.

Freihandel ist gefährdet

Die zu hohe Verschuldung in Kombination mit Protektionismus kann ganz klar zu einer Weltwirtschaftskrise größten Ausmaßes früher oder später führen. Von daher: Wehret den Anfängen!“ Insofern ist auch der nächste G20-Gipfel von so großer Bedeutung. Schließlich sollte es auch darum gehen, die großen geopolitischen Schlachtfelder in Syrien, Irak, Jemen, Afghanistan und der Ukraine zu befrieden bzw. einen schärfen, auch militärischen Konflikt mit dem Iran und Nord-Korea zu vermeiden, wo sich dann auch China und Russland einmischen könnten. Es geht aber auch darum, Handels- und Währungskriege zu vermeiden, worauf sich der letzte G20-Gipfel schon einmal einigen konnte. Aber wird dies auch mit Trump gelingen?

Bringt die Russland-Connection Trump zu Fall?

Trump steht innenpoltisch wegen der nebulösen Russland-Connection und der Untersuchungen durch das FBI, die zentrale US-Sicherheitsbehörde, enorm unter Druck, insbesondere nachdem er den FBI-Chef James Comey entlassen hat und angeblich versucht hat, ihn bei seinen Amtshandlungen zu beeinflussen. Nach einen ZDF-Bericht vom 24. Mai 2017 soll Trump angeblich auch mit der russischen Mafia und russischen Oligarchen wie der Firma Bayrock Group LLC Kontakt haben, die auch seine Immobiliengeschäfte und auch den Bau des Trump-Towers mitfinanziert haben sollen. Dabei soll es sich auch unter anderem um Kontakte zu Felix H. Sater handeln, der wiederum einer kriminellen Vereinigung angehören soll und vorbestraft war. Es gehe um Zahlungen von mehr 100 Millionen US-Dollar von zwielichtigen Gestalten, die auch im Trump Tower gleich unter dem Penthouse residieren und Trump mit fragwürdigen Immobilienkäufen dienten als Trump kein Geld mehr von US-Banken wegen seiner vorherigen Pleiten bekam.

Es gebe angeblich eine lange Liste hochrangiger Figuren des organisierten Verbrechens, die im Trump Tower residierten und mit Trump Geschäfte machten. Nicht nur amerikanische Verbrecher, sondern auch Gangster aus Russland, Kasachstan und der Ukraine. Sie nutzten angeblich den Trump Tower als Zentrum für kriminelle Machenschaften unter anderem Glücksspiel, Prostitution und Drogenhandel. Das erklärte Scott Horton, ein weltweit gefragter Antikorruptionsexperte gegenüber dem ZDF.

In der Tat sind die Immobiliengeschäfte in Russland nach dem Wahlsieg von Trump in New York sprunghaft angestiegen. Trump wollte auch angeblich Hotelketten auch in Russland nach dem Modell des Trump Towers bauen. Hoffentlich wird er nicht versuchen, durch außenpolitisches Säbelgerassel, das er in Saudi-Arabien schon symbolträchtig „praktizierte“, von den innenpolitischen Problemen abzulenken. Auch ob Trump seine geplante Steuerreform im Kongress ohne Gegenfinanzierung durchbekommt, ist zweifelhaft.

Bitcoins auf Allzeithoch – Aktienmärkte (noch) stabil

Die Aktienmärkte reagierten bisher erstaunlich gelassen auf die Trump-Affären im In- und Ausland. Der Dow Jones Industrial Index blieb sehr stabil nach dem Allzeithoch bei über 21.000 Indexpunkten und der deutsche Aktienindex seit Anfang Mai relativ stabil über 12.500 Zählen. Gold erholte sich zwar seit Mitte Mai leicht von 1.220 auf 1.260 US-Dollar/Unze – den größten Kurssprung erst auf über 2.000 US-Dollar, um dann am 26. Mai wieder um über 10 Prozent nach unten zu fallen. Bitcoins, die immer mehr zum Spekulationsobjekt werden, sind damit wesentlich wertvoller geworden als Gold. Nicht wenige warnen aber von einer Bitcoin-Blase, die der Tulpen-Blase in den Niederlanden ähnelt.

Osteuropabörsen können selektiv outperformen

Auch die Aktienmärkte in Osteuropa machen mit Ausnahme des russischen Aktienmarktes viel Freude. Sieben Börsen in Osteuropa zählen schon wieder zu den 30 am besten performenden Aktienmärkten der Welt, wobei hier wiederum besonders die Aktienmärkte aus Polen und Rumänien als Outperformer weiterhin überzeugen. Der Cece-Index (für die Länder Polen, Ungarn, Tschechien, Slowakei) erreichte am 26. Mai erst ein neues Jahreshoch von 1.790 Indexpunkten, um dann per Saldo um 0,84 Prozent auf 1.774 Indexpunkte zu korrigieren. Der Cece stieg schon über 20 Prozent in diesem Jahr und damit weit mehr als der deutsche Leitindex Dax.

Der russische Aktienmarkt leidet hingegen weiter unter den relativ schwachen Ölpreisen und unter der Enttäuschung über Trump, der sich vom Putin-Versteher im Wahlkampf zum Falken wandelte. Trump wird zum G20-Gipfel das erste Mal direkt auf Putin treffen und man darf sehr gespannt sein, wie die beiden im direkten Gespräch miteinander klar kommen.

Das Ölkartell Opec konnte sich zwar am 25. Mai offiziell auf eine weitere Verlängerung der Fördermengen-Kürzungen um neun Monate einigen. Der Brentölpreis fiel dennoch hernach von 54 auf 52 US-Dollar/Barrel, weil sich einige auch eine Erhöhung der Fördermengen-Kürzungen erhofften, die dann aber nicht zustande kam. Im Vorfeld der Opec-Sitzung war der Brentölpreis allerdings schon von 48 auf 54 US-Dollar/Barrel gestiegen.

Der russische RDX-Index gab am 26. Mai um 1,73 Prozent auf 1.232 Indexpunkte nach, wobei hier aber auch die jetzt intensiver zu untersuchende Trump-Russland-Connection eine Rolle spielt und bei den Anlegern für Verunsicherung sorgt.

(Andreas Männicke)


 


 

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