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Alexandra Schwarz-Schilling

Möchten Sie mehr Anerkennung?

Viele Menschen klagen über mangelnde Anerkennung. Sowohl im Job, als auch im Privatleben sind wir in Deutschland mit Anerkennung nicht gerade großzügig. Haben wir doch eine Kultur, die eher auf Fehler und Schwächen hinweist als auf das, was gut läuft.

Die verschiedensten Schulreformen haben sich darum bemüht, wenigstens die Kleinsten doch auch hin und wieder zu ermutigen und zu loben anstatt, wie früher, immer nur auf dem rumzuhacken, was nicht gut genug scheint. Dafür mussten allerdings viele Wissenschaftler bemüht werden, die nicht müde wurden, darauf hinzuweisen, dass Lernen besser und effektiver möglich ist, wenn man die Kinder für ihre Stärken belohnt und sie ermutigt diese weiter auszubauen. Das scheint in den Grundschulen in Deutschland inzwischen tatsächlich angekommen zu sein. Und auch Eltern sind äußerst bemüht, die lieben Kleinen aufzubauen. Darüber hinaus sieht es jedoch weiterhin recht trostlos aus.
Spätestens auf der Oberschule lernen Kinder und Jugendliche wieder, „wie es im Leben wirklich zugeht“. Das mit der Ermutigung mag für die Kleinen ja taugen, aber dann ist es auch schon wieder vorbei damit. Die deutsche Mentalität, auf Mängel und Fehler hinzuweisen, ist in Wirklichkeit ungebrochen. Dies zeigt sich vornehmlich im Berufsleben. Die meisten Mitarbeiter sehnen sich nach mehr Anerkennung, diese wird selten bis gar nicht gegeben. Kommt sie dann vereinzelt, sind die meisten Menschen misstrauisch. Wir sind in der Regel in keiner Weise darauf vorbereitet, Anerkennung einfach anzunehmen und uns darüber zu freuen. Entweder vermuten wir eine versteckte Absicht dahinter oder wir können die Anerkennung von vornherein nicht wirklich aushalten und relativeren sie sofort wieder. So lautet eine typische Antwort von einer Frau auf die Bemerkung, dass sie heute aber ein schönes Kleid anhabe, das ihr auch sehr gut stehe: „ach das, naja, das war ein Schnäppchen, habe ich ganz billig bekommen.“ Diese Reaktion ist typisch - unabhängig davon, ob es bei der Anerkennung um Äußerlichkeiten, Leistung oder andere Qualitäten geht. Kaum kommt die ersehnte Anerkennung des Weges, schieben wir sie sofort wieder ein Stück von uns fort, damit sie uns bloß nicht zu nahe kommt.

Die Ursache dieser so verbreiteten aber zum größten Teil unbewussten Reaktion ist wohl die fehlende Übung. Anerkennung ist so selten, dass sie uns verlegen macht und verunsichert. Dabei ist das Bedürfnis nach Anerkennung im Grunde ein menschliches Grundbedürfnis, das so legitim ist, wie das Bedürfnis nach Essen und Schlaf. Nicht nur Kinder und Mitarbeiter haben dieses Bedürfnis, sonder genauso Eltern und Chefs. Diese Tatsache wird oft übersehen. Uns allen würde ein bisschen mehr Anerkennung gut tun. Und haben wir nicht ganz oft auch Anerkennung für unsere Mitmenschen und denken uns: „Wow, sie sieht echt toll aus“ oder „wie sie oder er das immer macht, wirklich bewundernswert“. Dummerweise behalten wir das für uns, anstatt es der betreffenden Person einfach mitzuteilen. Anerkennung geben und nehmen kostete keinen Cent und könnte das Leben so viel schöner und lebenswerter machen. Die beste Methode Anerkennung zu bekommen ist übrigens sie großzügig an andere zu verteilen. Probieren Sie es aus: machen Sie sich bewusst, wofür Sie die Mitmenschen in Ihrem Umfeld anerkennen könnten und gewöhnen Sie sich an, diese Anerkennung einfach immer öfter auszusprechen. Sie werden sich wundern, von wo überall plötzlich Anerkennung zu Ihnen zurückfließt. Viel Spaß!

(Alexandra Schwarz- Schilling)


 


 

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