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Markus Heckhausen im Interview

Ampelmann - Die Entwicklung vom Verkehrszeichen zum Markenartikel

Das mittelständische Unternehmen zählt heute über 60 Mitarbeiter und steuert in 2008 einen Umsatz von 4 Million Euro an. Business-on.de sprach mit dem Geschäftsführer der Ampelmann GmbH, Markus Heckhausen, über die Entwicklung, Erfolge und zukünftige Visionen mit der Marke.

Nach der Wende schien das Schicksal des Ost-Ampelmanns schnell besiegelt: er sollte durch den West-Ampelmann ersetzt werden. Doch Protestaktionen und die Sympathie vieler Bürger verhinderten das und ein Industriedesigner nahm sich dem Schicksal der Figur an. Am 3. Oktober 2008 eröffnet bereits der vierte Ampelmann Shop in Berlin, in der Markgrafenstraße 37, direkt am Gendarmenmarkt.

Business-on.de: Herr Heckhausen, Sie kommen aus Tübingen. Wann haben sich Ihre Wege mit dem Ampelmann gekreuzt, können sie sich an Ihre erste Begegnung noch erinnern?

Markus Heckhausen: Das war im Jahr 1988, noch vor der Wende. In Berlin fand ein Designkongress statt und einer meiner alten Kollegen hat mich vor einer Ampel fotografiert. Die waren damals schon so auffällig, dass sie mich einfach faszinierten.

Die zweite Begegnung war dann 1995, als ich nach Berlin zog. Damals suchte ich nach neuen Projekten, also bin ich schnell in Berlin-Mitte gelandet, weil sich der Ostteil der Stadt sehr schnell veränderte und besonders inspirierend auf mich wirkte. Zu der Zeit war vieles am Hackeschen Markt noch grau, es gab nicht so viele Geschäfte wie heute. Der farbige Ampelmann stach richtig heraus.

Business-on.de: Wie ist die Idee des Ampelmanns als Marke entstanden?

Markus Heckhausen: Aus alten Ampelgläsern, die auf dem Müll lagen, wollte ich ein neues Produkt herstellen. Ein Jahr hat es gedauert bis das Produkt fertig war – damals hatte ich noch kein eigenes Büro oder einen Shop. Die Idee war, die Pressemitteilung für die fertige Lampe zusammen mit der Geschichte vom Ampelmann zu veröffentlichen. Die ging dann durch die gesamte Bundesrepublik...

Business-on.de: Wie erklären Sie sich die rege Aufmerksamkeit für Ihr Produkt in dieser frühen Phase?

Markus Heckhausen: Für viele Ostdeutsche kam um 1996, nach der Euphorie der Wende, die erste Enttäuschung. Die Menschen in den neuen Bundesländern hatten ein Stück ihrer Identität und Tradition verloren, und das hing unter anderem mit dem Verschwinden der DDR-Marken zusammen. Genau in diesem Moment kam das Produkt. Die ersten hundert Lampen habe ich noch selbst gebaut. Danach hat mich jemand angesprochen, der das Ganze bundesweit vertreiben konnte und das war damals der richtige Weg. Über die Presseveröffentlichungen und einen Bekannten habe ich dann den Urheber der Figur, Karl Peglau, kennengelernt.

Business-on.de: Mussten Sie Herrn Peglau ‚lange bearbeiten’, bevor er Ihnen erlaubte, den Ampelmann für Designprodukte zu verwenden? Er sagt zumindest, dass er Ihrer Idee sehr skeptisch gegenüber stand…

Markus Heckhausen: Herr Peglau kannte die Möglichkeit bis dahin gar nicht. Dass man mit dem Ampelmännchen als Produkt etwas machen könnte, war ihm völlig neu. Er ist Verkehrspsychologe, für ihn war das eine ernste Angelegenheit! Er war jedoch von der Idee begeistert. Dann habe ich mich mit ihm etwas angefreundet und wir haben zusammen die Geschichte des Ampelmännchens aufgeschrieben und als Buch veröffentlicht.

Business-on.de: Wie ging es dann weiter?

Markus Heckhausen: Die ersten zwei Jahre lief es gut, dann hat die Nachfrage etwas nachgelassen.Ich habe zwei, drei Jahre an anderen Projekten gearbeitet, mir aber nach und nach die Rechte am Ampelmann auf einfacher Basis gesichert, also ohne Anwalt. Die Marke war schon etwas bekannt und wir beschlossen eine neue Kollektion zu entwerfen. Damals kam auch Frau Ponn (Anm. d. Red.: heute ebenfalls Geschäftsführerin von Ampelmann GmbH) zu uns. Im Jahr 1999 haben wir dann zehn neue Produkte auf den Markt gebracht.

Business-on.de: Hat jemand den Vertrieb für die Produkte übernommen?

Markus Heckhausen: Ja, aber das lief nicht richtig gut. Darum haben wir uns im zweiten Schritt dazu entschlossen, neben der Produktion auch den Vertrieb wieder selbst zu übernehmen. Das war zwar ein großer Schritt, aber der wichtigste war, zwei Jahre später einen eigenen Shop aufzumachen, 2001 in den Hackeschen Höfen. Daraus entwickelte sich später die Idee, eine ganze „Ampelmann-Welt“ zu präsentieren.

Business-on.de: Was zeichnet diese rot-grüne Welt und die Marke besonders aus?

Markus Heckhausen: Einerseits das Verspielte, andererseits das Anspruchsvolle. Die Lage der Shops am Potsdamer Platz, im Domaquarée und am Hackeschen Markt ist sehr exquisit und die Produkte werden hochwertig präsentiert. Bei uns bekommt jedes Produkt seine eigene Bühne, was bei den Leuten sehr gut ankommt. Die Produkte selbst müssen natürlich auch überzeugen. Wir haben versucht, die Marke immer weiter konzeptionell aufzubauen. So kamen jedes Jahr neue Produkte hinzu und wir sind kontinuierlich gewachsen. Letztes Jahr haben wir dann das Ampelmann-Restaurant in den S-Bahnbögen am Hackeschen Markt eröffnet.

Business-on.de: Welche Bereiche könnten noch von strategischer Bedeutung für Sie sein?

Markus Heckhausen: Da gibt es zwei Bereiche. Der erste, ein sehr naheliegender Bereich, ist die Kinderverkehrserziehung, also Verkehrsfilme sowie Spiele und Textilien für Kinder. Zweitens, der Berlinbereich, da das Ampelmännchen sehr stark mit Berlin verbunden wird. Seine Bekanntheit im Ausland, z.B. in Japan, ist immens, da das Männchen oft in Zeitschriften und Magazinen abgelichtet ist. Daraus könnte sich durchaus eine Berlinmarke entwickeln: Im Ampelmann-Hotel könnten die Touristen übernachten, im Restaurant speisen, mit uns eine Schiffsrundfahrt machen usw. – als Vision, wo es mal hingehen könnte…

Herr Markus Heckhausen, Business-on.de dankt Ihnen für dieses Interview.

(Redaktion)


 


 

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