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  • 22.08.2016, 11:05 Uhr
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BDI

Mehr Frauen in Führungspositionen: wann und wieviel - ist in Planung!

Deutsche Unternehmen planen, mehr Frauen in Führungspositionen einzusetzen. Das ergibt eine gemeinsame Studie, die der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und die Beratungsgesellschaft Kienbaum in Berlin vorgestellt haben. DIW (Managerinnebarometer) kommentiert für Business On die Ergebnisse.

Anlass ist die Halbzeit zwischen der Festlegung der Ziele aufgrund des Gesetzes zur Geschlechterquote Ende September 2015 bis zum Ende des ersten Berichtszeitraums Ende Juni 2017. Der BDI fordert, die gesetzlichen Vorgaben nun wirken zu lassen. So lautet die vorsichtige und sommerlich-positivistisch gestimmte Pressemitteilung des BDI. Informationen zur Kienbaum Studie BDI unter www.bdi.eu

Der Studie zufolge planen die befragten Unternehmen Erhöhungen der Frauenanteile für ihre Vorstände um 3,2 Prozentpunkte auf 10,9 Prozent (derzeit 7,7 Prozent), für die erste Führungsebene unterhalb des Vorstands um 4,1 Prozentpunkte auf 18,4 Prozent (derzeit 14,3 Prozent ) und für die zweite Führungsebene um 3,7 Prozentpunkte auf 22,4 Prozent (derzeit 18,7 Prozent). Für ihre Aufsichtsräte streben die Unternehmen 23,6 Prozent gegenüber 23,0 Prozent an (+0,6 Prozentpunkte). Wann die Planung beendet ist und Taten folgen, ist jedoch nicht klar ersichtlich. 

"Die geplanten Steigerungsraten in Führungspositionen zeigen, dass viele Unternehmen auf einem guten Weg sind - und das trotz des knappen gesetzlichen Zeitfensters von weniger als zwei Jahren", sagt Holger Lösch, Mitglied der BDI-Hauptgeschäftsführung. "Die Politik muss den Unternehmen jetzt die nötige Zeit geben, um die Maßnahmen wirken zu lassen. Noch immer entscheiden sich zu wenige Frauen für industrierelevante Berufswege, etwa in Technik- oder Naturwissenschaften. Frauen für Führungspositionen zu finden, ist erschwert durch noch traditionelle Rollenbilder und die oft fehlende Möglichkeit, Familie und Beruf besser vereinbaren zu können", erklärt Lösch. 

"Die Unternehmen verstehen, dass sie das Thema Vielfalt ganzheitlich angehen und vor allem die Unternehmenskultur verändern müssen", erläutert Anne von Fallois, Director Political Relations bei Kienbaum. "Demografischer Wandel, Digitalisierung und veränderte Vorstellungen von Führung und Zusammenarbeit in der Generation Y lenken die Aufmerksamkeit verstärkt auf qualifizierte Frauen für Führungsfunktionen. Mehr Vielfalt auf den Führungsetagen ist einerseits Ergebnis, anderseits aber auch Voraussetzung eines zeitgemäßen Wandels in der Unternehmenskultur. Daran arbeiten viele Unternehmen, um den eigenen Erfolg in einer veränderten Arbeitswelt zu sichern", sagt von Fallois weiter.

An der Studie haben 175 Unternehmen teilgenommen. Mit 18 Teilnehmern wurden qualitative Tiefeninterviews geführt. Die Studie soll ein erstes aussagekräftiges Stimmungsbild darüber abgeben, wie Unternehmen die neuen gesetzlichen Verpflichtungen wahrnehmen und umsetzen. 

DIW (Elke Holst, Managerinnen Barometer) zu der Mitteilung vom BDI / Studie Kienbaum gegenüber Business On Berlin:

Zu der aktuellen Pressemitteilung vom BDI und der Kienbaum-Studie sagt Elke Holst gegenüber Business On: „Es ist zu begrüßen dass der BDI und seine Mitglieder jetzt mehr Gas geben möchten und sich um eine Erhöhung der Frauenanteile bemühen. Die freiwillige Vereinbarung zwischen der Bundesregierung und den Spitzenverbänden der deutschen Wirtschaft aus dem Jahr 2001 (genauer Titel: Die freiwillige Vereinbarung zwischen der Bundesregierung und den Spitzenverbänden der deutschen Wirtschaft zur Förderung der Chancengleichheit von Frauen und Männern in der Privatwirtschaft) war ja gescheitert. Es benötigt heute dringend ambitionierter Ziele und deren Umsetzung. Mit dem jetzt bestehenden Gesetz zur gleichberechtigten Teilhabe an Führungspositionen dürfte die Entwicklung an Fahrt gewinnen.“ Und sie fügt hinzu: „Wir freuen uns, wenn wir die Realisierung der guten Absichten künftig in unserem DIW -Managerinnenbarometer dokumentieren können.“ Die Studie und die Befragung hält Elke Holst durchaus für interessant, denn sie zeige, dass in der Wirtschaft Unternehmerkultur und Rollenbilder als ‚Hebel für die nachhaltige Veränderung der Zusammensetzung der Führungsetagen‘erkannt werden. Auch wenn nur 175 von ursprünglich 3000 angeschriebenen Unternehmen sich hierzu äußern und damit nicht von einer repräsentativen Studie gesprochen werden kann, sei das positiv zu bewerten.

Auch der Mittelstand wird bei Kienbaum und der Pressemeldung vom BDI zitiert: „Wir sind am Thema ‚Frauenförderung‘ schon länger dran, auch wegen des Audits ‚Beruf und Familie‘. Das neue Gesetz hat aber wie ein Katalysator gewirkt und bringt eine neue Verbindlichkeit in die Beschäftigung mit dem Thema.“ (Mittelstand).

Dazu Elke Holst: "Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist zwar notwendig aber nicht hinreichend für mehr Frauen in Führungspositionen. Unterbrechen nur Frauen ihre Erwerbsarbeit oder arbeiten Teilzeit, sinken ihre Chancen auf einen Aufstieg. Insofern ist eine Änderung der Unternehmenskultur wichtig, die auch Männern ermöglicht, andere Erwerbsmuster zu leben. Insgesamt sind Unternehmen ebenso gefragt wie der einzelne Mensch und die Gesellschaft. Veränderung braucht hier Zeit – ist aber Voraussetzung dafür, dass konkrete Maßnahmen zur Verwirklichung von mehr Vielfalt greifen können."

Presseinfo vom DIW zum Managerinnenbarometer hier.

Anm. d.Red.: Frauen im Management (FIM) und auch das DIW haben hingegen schon mehrfach darauf hingewiesen, dass Bekundungen nicht reichen und die Zahlen von Frauen in Führungspositionen immer noch bei Weitem nicht ausreichend ist. So hat Anfang des Jahres das DIW mit dem Managerinnenbarometer hierzu Fakten auf den Tisch gelegt. Siehe Artikel Businesss On  Berlin hier: http://www.business-on.de/berlin/diw-managerinnen-barometer-frauenanteile-in-spitzengremien-grosser-unternehmen-steigen-kaum-_id25933.html

(Redaktion)


 

 

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