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BERLINALE 2009 - KOLUMNE

Berlinalegeflüster II von Caroline Elias

Auf der Straße sehe ich derzeit überall Filmteams bei der Arbeit, selbst merkwürdig verhängte Fenster geraten bei mir in den Verdacht, Teil von Dreharbeiten zu sein. Der Kopf rattert: Wie heißen die Gegenstände noch, mit denen Licht und Spiegelung produziert und gelenkt wird?

Mein Kopf geht Vokabellisten durch und bleibt an einem liebenswerten Detail hängen: am "Franzosenarm". Der Franzosenarm ist ein Gestänge mit Gelenk am Ende, um derlei Gerätschaften in alle möglichen Stellungen zu platzieren. Das Wort ist lokalisierbar: Es gehört ins Filmstudio Babelsberg. Dort hatte in den 1950er Jahren Simone Signoret in der Verfilmung von Arthur Millers Drama "Hexenjagd" mitgespielt - und die mitreisenden Techniker kamen mit großem Gepäck und Ideen, die von den Schlossern im DEFA-Filmstudio flugs nachgebaut wurden.

Und weil dort keiner den französischen Begriff übersetzen konnte, bürgerte sich der "Franzosenarm" ein. Den wiederum lernte ich kennen, als ich, als blutjunge Journalistin unterwegs, 1989/90 im Spielfilmstudio für eine Reportage recherchierte, die dann von den "Cahiers du Cinéma" veröffentlicht wurde.

Indirekt hilft die Berlinale bei der Wortfeldrecherche. Ich wusste schon mal, was "Franzosenarm" auf Westdeutsch bzw. Französisch heißt, aber "use it or lose it" oder "wer rastet, der rostet" - meine Erinnerungen an die Vokabeln sind unscharf, teils angerostet, teils verloren wie die Datei im alten Rechner. Einst hätte ich den Kollegen Kreuzworträtselfragen gestellt à la "ein Begriff mit mindestens vier Silben, bei dem offene Vokale dominieren", heute zeige ich Fotos, um die Wortliste zu ergänzen.

Denn im Wörterbuch finde ich dazu nichts. Für viele Branchen gibt es Fachwörterbücher, zum Beispiel für Agrar- und Ingenieurwesen, und ich kenne auch mindestens zwei Menschen, die seit Jahren zum Thema Film arbeiten. Oder liegt es daran, dass Verlage den Markt in Zeiten des WWW dafür zu klein finden?

Zu klein ist auch mein Küchentisch, auf dem jetzt fröhlich durcheinander Berlinale-Infomaterial liegt. Ich weiß noch nicht, wie viel Zeit mir dieses Jahr zum Filmegucken bleibt, informiert sein muss ich dennoch. Auch, um Freunden Tipps zu geben, die sich beizeiten "anschlangen", um Fassbinders Cousine zu zitieren, die ich als Studentin in einer Berliner WG kennen gelernt habe. Die Berlinale hat nämlich die wunderbare Eigenschaft, ein Publikumsfestival zu sein - und das liegt nicht daran, dass auf allen Straßen gedreht, in allen WGs Filmleute wohnen ;-)

Gleich mal die News aus der Warteschlange abfragen. Tickets gibt's sonst auch im Netz.

http://www.berlinale.de/de/service/eintrittskarten/index.html

(Caroline Elias)


 


 

Caroline Elias
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