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  • 19.03.2017, 12:03 Uhr
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Bildungsinvestitionen

Mindestlohn sorgt für den Wegfall von bis zu 53.000 Praktikumsplätzen

Unternehmen in Deutschland investieren mehr als drei Milliarden Euro jährlich in Hochschulen und Studierende. Dabei haben sich die Ausgaben für Praktikantenlöhne fast verdoppelt. Gleichzeitig hat aber jedes sechste Unternehmen Praktikumsplätze wegen des Mindestlohns abgebaut. Nach Berechnungen sind bis zu 53.000 Praktikumsplätze verloren gegangen.

Laut der Studie „Bildungsinvestitionen der deutschen Wirtschaft“, die vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft zusammen mit dem Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln) durchgeführt wurde, gaben deutsche Unternehmen im Jahr 2015 rund 3,3 Milliarden Euro für akademische Bildung aus. Im Jahr 2012 waren es noch rund 2,2 Milliarden Euro. Damit stiegen die Ausgaben der Wirtschaft für akademische Bildung jedes Jahr um durchschnittlich mehr als sieben Prozent. Die Verzahnung von akademischer Bildung und beruflicher Praxis ist für Unternehmer demnach weiterhin ein elementares Anliegen. Fast drei Viertel ihrer Investitionen fließen in duale Studiengänge und Praktika.

Die Hauptgründe der Unternehmen, akademische Bildung zu unterstützen, sind ...

  • Transfer neuer Ideen und Inhalte in den Betrieb
  • Behebung von Engpässen bei den Fachkräften im Betrieb
  • Gewinnung guter Nachwuchskräfte für den Betrieb

Die Einführung des Mindestlohns im Jahr 2015 hatte der Studie zufolge erhebliche Auswirkungen: Praktikantenlöhne stiegen, das Angebot von Praktikumsplätzen sank.

Jedes sechste Unternehmen habe nach eigenen Angaben seine Praktikumsplätze wegen des Mindestlohns reduziert. Nach Berechnungen des Stifterverbandes und des IW Köln sind demnach bei steigender Studierendenzahl bis zu 53.000 Praktikumsplätze von 2014 auf 2015 weggefallen. Das sei vor allem auf große Unternehmen zurückzuführen, die hauptsächlich längere und mindestlohnpflichtige Praktika anbieten. Mittelgroße Unternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitern hätten ihr Angebot an Kurz- oder Pflichtpraktika – bei denen der Mindestlohn nicht greift – aufrechterhalten.

Dabei habe die Wirtschaft aber ihre Investitionen in Praktika von 2012 auf 2015 um mehr als 50 Prozent erhöht (2012: 642 Millionen Euro; 2015: 975 Millionen Euro). Der starke Anstieg sei vor allem auf die höheren Praktikantenlöhne zurückzuführen. Anspruch darauf habe zwar nur eine Minderheit der Praktikanten, nämlich jene, die ein freiwilliges Praktikum absolvieren, das länger als drei Monate dauert. Trotzdem habe die Mindestlohneinführung insgesamt zu einer signifikanten Erhöhung des Lohnniveaus für studentische Praktika geführt.

„BILDUNGSINVESTITIONEN DER DEUTSCHEN WIRTSCHAFT“
Die Studie ist die größte Erhebung zu den Ausgaben der Wirtschaft für Hochschulen und Studierende in Deutschland. Sie wird seit 2009 im dreijährigen Turnus von Stifterverband und Institut der deutschen Wirtschaft Köln gemeinsam durchgeführt. An der dritten Befragung nahmen 1.095 Unternehmen im Zeitraum Februar bis Mai 2016 teil.
Mehr Information: www.stifterverband.org/bildungsinvestitionen-der-wirtschaft-2015

„Die Ergebnisse zeigen, Praktikum ist nicht gleich Praktikum. Wir erkennen eine Tendenz zu einer Zweiteilung des Praktikumsangebots“, resümiert Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln. „Längere Praktika sind sehr gut bezahlt, bieten die Möglichkeit des eigenständigen Arbeitens, werden aber aufgrund der Kosten immer seltener angeboten. Bei Kurzpraktika unter zwölf Wochen haben die Praktikanten dagegen seltener die Möglichkeit, aufgrund der Kürze eigene Projekte zu übernehmen oder selbständig verantwortungsvoll zu arbeiten.“

Andreas Schlüter, Generalsekretär des Stifterverbandes sieht angesichts der Studienergebnisse „Anlass darüber nachzudenken, wie mehr Studierende profitieren können, ohne dass weitere Praktikumsplätze bedroht sind“.  „Die Dauer und somit die Qualität eines Praktikums sollte nicht nach Vergütung festgelegt werden, sondern nach dem Praktikumsziel. Bei der Entlohnung wäre zu beachten, dass Praktika halb Lern- und halb Arbeitsphasen sind. Der Stifterverband empfiehlt daher, dass sich die Bezahlung am halben Mindestlohn oder alternativ am BAföG-Höchstsatz orientieren sollte.“

(Redaktion)


 


 

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