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BIZTIPPS / GESUNDHEIT

Unternehmenspraxis: Was beinhaltet die Psychische Gefährdungsbeurteilung?

Business On im Interview mit Dr. Oliver-Timo Henßler, Leiter Partnermanagement und Beratung bei der vitaliberty. Webinar-Reihe und Termine zum Thema "Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen" im September.

Die zunehmende Arbeitsverdichtung, die Flexibilisierung und der Einsatz mobiler Kommunikationsmedien führen zu steigenden Anforderungen in der heutigen Arbeitswelt. Parallel haben auch psychische Belastungen und damit psychische Erkrankungen in den letzten Jahren stark zugenommen.  Bereits seit dem Jahre 2013 verpflichtet der Gesetzgeber deshalb alle Unternehmen zur Durchführung einer Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen.

Doch die gesetzliche Verpflichtung scheint 2016 noch längst nicht in den Unternehmen angekommen zu sein. Aktuell setzt nur eine Minderheit der bundesdeutschen Betriebe die Gefährdungsbeurteilungen unter Berücksichtigung psychischer Belastungen auch tatsächlich um. Gerade die kleinen Unternehmen zögern. Die Unsicherheiten sind groß, dabei steckt in der Analyse der erlebten Belastungs- und Ressourcensituation der Mitarbeiter durchaus großes Potential.

Im Interview mit Dr. Oliver-Timo Henßler, Leiter Partnermanagement und Beratung bei der vitaliberty.

Herr Henßler: Da stellt sich schon die Frage - warum wird ein drei Jahre altes Gesetz noch so unkonkret gehandhabt?

Dr. Henßler: Es gibt keine gesetzlichen Vorgaben, wie genau die psychische Gefährdungsbeurteilung auszusehen hat und wie sie durchzuführen ist. Die Details schreibt das Arbeitsschutzgesetz nicht  vor. Man muss hier feststellen, dass das Gesetz den Unternehmen einen großen Handlungsspielraum einräumt. Das erscheint mir auch sinnvoll, denn  nur so können Verfahren gewählt werden, die genau zur Unternehmenskultur passen. Auf der anderen Seite bringen unkonkrete Ansätze logischerweise auch Unsicherheiten mit sich. Wer hat den Hut auf, wen muss man mit einbinden, wie sind die Abläufe?

Sie begleiten sehr viele Unternehmen und beraten Krankenkassen und große kommunale Strukturen. Was ist denn zusammengefasst der wichtigste Punkt bei der Gefährdungsbeurteilung?

Dr. Henßler: Vor allem eines ist in den letzten Jahren klargeworden: Jede Branche, jedes Unternehmen und jeder Mitarbeiter hat seine ganz eigenen Herausforderungen und Besonderheiten, woraus sich auch ganz individuelle psychische Belastungen ergeben. Diese muss man analysieren und daraus Handlungsempfehlungen ableiten. Die Psychische Gefährdungsbeurteilung ist im Grunde ein Prozess der Organisationsentwicklung hin zu einem gesünderen Arbeitsumfeld, sie endet nicht mit der Erfassung von Belastungen. Das wird von vielen Unternehmen noch nicht verinnerlicht.

Mitarbeiterbefragungen werden nicht immer mit Begeisterung aufgenommen. Haben Sie dafür Hinweise an die Arbeitgeber?

Dr. Henßler: In der Regel ist der Einstieg zu einer Mitarbeiterbefragung auf digitaler Basis mit geringeren Hürden verbunden. Im Endeffekt kommt es aber immer darauf an, dass die Ergebnisse wissenschaftlich fundiert ausgewertet werden können und in ein nachhaltiges Gesundheitsmanagement münden.

Regel Nr.1: Wenn ich die Befragung halbherzig durchführe, werde ich das am Feedback der Belegschaft schnell spüren. Eine transparente Kommunikation im Vorfeld ist hier sehr entscheidend – die Mitarbeiter müssen den Sinn und den Hintergrund der Befragung verstehen.

Regel Nr. 2: Analysen sollten immer unternehmensindividuell erfolgen. Ich kann nicht die Baubranche mit einer Behörde oder einem Finanzdienstleister vergleichen.

Regel Nr. 3: Digitale Tools sind hilfreich, müssen aber die Komponente persönlicher Faktor berücksichtigen. Denn: Trotz technisch ausgereifter Lösungen darf man den Motivationsschub, der durch den persönlichen Kontakt von Mensch zu Mensch entsteht, nicht unterschätzen.

Regel Nr. 4: Ohne eine wissenschaftliche Auswertung ist die Analyse nicht sinnvoll.

Regel Nr. 5: Die psychsiche Gefährdungsbeurteilung ist nie eine einmalige Sache. Sie sollte immer als kontinuierlicher Prozess angelegt sein.

Hinweis: Im Rahmen ihrer kostenfreien Webinar-Reihe im September zeigen die BGM-Experten der vitaliberty GmbH, wie sich die psychische Gefährdungsbeurteilung unkompliziert und effizient umsetzen lässt und geben praxisnahe Tipps zur Vorbereitung, Durchführung und Wirksamkeitskontrolle im Unternehmen.

> Anmeldung zu den drei Terminen unter: www.corporate-moove.de/psychGB

Termine:

01. September 2016, 14.00 Uhr
Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen in KMU

Speziell kleine und mittelständische Betriebe stellt die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen vor eine Herausforderung. Fragen stellen sich speziell zur korrekten Umsetzung, dem Zeitbedarf und möglichen Stolpersteinen in der praktischen Umsetzung. Im ersten Teil der Webinar-Reihe zeigen die Experten Dr. Oliver-Timo Henßler und Katharina Fox, wie dieser Prozess im Unternehmen langfristig und nachhaltig umgesetzt werden kann und stellen hierzu unterschiedliche Lösungswege vor.

07. September 2016, 14.00 Uhr

Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen in Dienstleistungsbranchen und Außendienst

Häufiger Kundenkontakt und hohe Reisetätigkeit stellen mögliche Belastungen für Mitarbeiter dar. Die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen bietet daher die Chance, Belastungen und Beanspruchungen frühzeitig zu erkennen und mögliche Gegenmaßnahmen zu entwickeln. Langfristige negative Folgen für die Mitarbeitergesundheit können so minimiert werden. Im zweiten Teil der Webinar-Reihe zeigen Florine von Caprivi und Dr. Oliver-Timo Henßler die Hintergründe und Umsetzungsmöglichkeiten der Gefährdungsbeurteilung in Dienstleistungsbranchen und Außendienst und bieten zudem die Möglichkeit zum direkten inhaltlichen Austausch.

15. September 2016, 14.00 Uhr

Kommunikation und Mitarbeitermotivation im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen

Neue Entwicklungen und Abläufe im Unternehmen sorgen immer für Unsicherheiten und lassen viele Fragen bei den Mitarbeitern aufkommen. Dies gilt auch für Prozesse des Arbeitsschutzes und des Betrieblichen Gesundheitsmanagements, dessen mögliche Stolpersteine zu geringer Akzeptanz und Beteiligung führen können. Im dritten Teil der Webinar-Reihe geben die Experten der vitaliberty den Teilnehmern einige Erfolgsfaktoren an die Hand, wie die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen kommunikativ und motivatorisch bestmöglich im Unternehmen begleitet und umsetzt werden kann.

Über die vitaliberty: Die vitaliberty GmbH mit Sitz in Mannheim gehört zur vitagroup und zählt zu den führenden Unternehmen im Bereich des Betrieblichen Gesundheitsmanagements. moove motiviert mit digital unterstützten Gesundheitsprogrammen aus den Bereichen Fitness, Stressmanagement und Ernährung jeden Mitarbeiter individuell und langfristig zu mehr gesundheitlicher Eigenverantwortung. Management-Tools, wie die Umfrage zur Unternehmensgesundheit, unterstützen Unternehmen die Rahmenbedingungen für gesundes Arbeiten zu schaffen. Eine fundierte BGM-Beratung begleitet Unternehmen bei der Einführung von Betrieblichem Gesundheitsmanagement. Mehr Infos zu moove unter:  www.corporate-moove.de.

(Redaktion)


 


 

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