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Kolumne von Alexandra Schwarz- Schilling

Business needs emotion (Teil 3)

Heißt das wir können unseren Entscheidungsimpulsen bedingungslos vertrauen und sie von vornherein einfach unserem Bauch überlassen?

Hier ist natürlich auch Vorsicht geboten. Da es unser Verhalten auf der Basis vergangener Erlebnisse regelt, wird es besonders stark schon vor der Geburt und in den ersten fünf Jahren des Lebens geprägt. Ist dort vieles schiefgelaufen z. B. durch Krankheit oder mangelnde Fürsorge, können Dauerängste oder existenzielles Misstrauen die Folge sein. Aber auch später kann die Psyche noch großen Schaden nehmen, durch beispielsweise Gewalterfahrung, aber auch durch weniger dramatische Vorkommnisse wie eine große Blamage oder ein misslungenes Liebeserlebnis. Hier kommt es vor allem auf die Verarbeitung des Erlebten an. Um der inneren Stimme zu vertrauen ist deshalb eine gewisse Einsicht in die eigene Psyche und eventuell nicht konstruktiv verarbeiteter Erlebnisse hilfreich. Weichen Gefühls- und Verstandesurteil wiederholt stark von einander ab, lohnt es sich den Gründen dafür nachzugehen. Hartnäckige Warnungen der inneren Stimme sind auf jeden Fall ernst zu nehmen. Das gilt auch besonders für Entscheidungen im Berufsleben – ein schlechtes Gefühl sollte man unbedingt zum Anlass nehmen, noch einmal in sich zu gehen. Bei komplizierten Problemen und komplexen Entscheidungen, sollte man mit Hilfe der Inkubation arbeiten. Inkubation bedeutet dem unbewussten emotionalen Erfahrungsgedächtnis Zeit zu geben, die vielen Informationen zu ordnen und zu sichten. Nicht etwa durch bewusstes Nachdenken oder auch Grübeln. Das wäre der Versuch das Problem mit unserem bewussten Verstand zu lösen, den man sich auch als Arbeitsspeicher vorstellen kann. Der Arbeitsspeicher hat, wie beim Computer, jedoch eine begrenzte Verarbeitungskapazität. Er besitzt für die vielen Einzelinformationen einfach nicht genug Kapazität. Nach einem kurzen anfänglichen Nachdenken über das Problem sollte man es an das Unbewusste abgeben und sich mit etwas anderem beschäftigen, z. B. schlafen oder Zeit lassen. Das Unbewusste kann man sich vorstellen wie die Festplatte. Geben Sie den Auftrag an Ihr Unbewusstes ab, scannt dieses sozusagen Ihre Festplatte durch. Es arbeitet, während Sie schlafen, essen, sich mit Freunden unterhalten. Findet es etwas Passendes, Interessantes zu dem Thema, poppt die Information hoch ins Bewusstsein. Diese Impulse sind äußerst wichtig. Viele kreative Menschen legen deshalb ein Notizblock auf dem Nachttisch oder ins Badezimmer, denn gerade in entspannten Situationen können sich diese scheinbar zufälligen Eingebungen offenbaren. Ist unser Verstand dagegen verkrampft damit beschäftigt die richtige Lösung zu finden, nehmen wir diese wichtigen Impulse in der Regel nicht wahr. Sie tauchen im Bewusstsein nicht auf.

Grübeln ist deshalb der uneffektivste und schwierigste Weg zur richtigen Entscheidung, denn für das Analysieren komplexer Sachverhalte ist das bewusste Denken schlicht nicht ausgestattet. Wenn wir uns dann noch in falsche Argumente verkrampfen ist das Unglück komplett. Beispiel: Einem jungen Ingenieur werden vier Stellen angeboten an den Orten A, B, C und D – mit jeweils unterschiedlichen Gehaltshöhen, Aufstiegschancen, Freizeitmöglichkeiten und so weiter. Bei einer so komplexen Entscheidung tut er gut daran sein Unbewusstes entscheiden zu lassen. Dieses alleine ist in der Lage, die vielen Für und Wider zu überblicken. Lässt er sein Unbewusstes in Ruhe arbeiten, während er sich entspannt, wird irgendwann ein Impuls hochpoppen der da z. B. lautet: geh nach B. Dieser völlig irrational getroffenen Entscheidung, die mit Sicherheit seine emotionalen Präferenzen berücksichtigt, werden dann viele gute Gründe folgen, warum es für ihn sinnvoll und vernünftig ist nach B zu gehen.

Wozu ist dann der bewusste Verstand gut? Den bewussten Verstand kann man sich vorstellen wie einen Scheinwerfer. Er kann eine Sache ganz klar erfassen und gezielt bearbeiten und beleuchten. Er arbeitet präzise und ist auf das Detail beschränkt. Durch diese Fixierung verliert er schnell das große Ganze aus dem Auge. Er hält die beleuchtete Welt, wie Bas Kast es ausdrückt, seine Welt, für das Ganze. Kein Wunder dass er sich maßlos überschätzt. Das Unbewusste dagegen, aus dem sich unsere intuitiven Urteile speisen, ähnelt eher einem schwachen Flutlicht, mit dem man zwar nicht jede Feinheit sehen kann, dafür aber viel mehr wahrnimmt. Alles wird ein bisschen beleuchtet. Diese Strategie erweist sich gerade in komplexen Situationen als Vorteil.

Der Verstand dient dazu uns zum Experten zu machen und Informationen zu sammeln, die Entscheidung selbst sollte man allmählich aus dem Unbewussten auftauchen lassen. Das Unbewusste komprimiert Information zu Intuition. Dabei ist es ziemlich unkritisch. Kritisch sein, gehört zu den Stärken des bewussten Verstandes.

(Alexandra Schwarz- Schilling)


 


 

Alexandra Schwarz- Schilling
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