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Chancen und Risiken einer Betrieblichen Altersvorsorge

Noch immer herrscht gerade bei vielen Arbeitgebern und Arbeitnehmern Unwissenheit und Unsicherheit über die betriebliche Altersvorsorge.Wo liegen die Vorteile, welche gesetzlichen Grundlagen gelten?Das sind Fragen, die oft gestellt werden. Berlin.Business-on.de sprach mit Werner Heinen, von der Finanz- und Wirtschafsberatung Panther& Service und Leiter der Mitgliederbetreuer im Deutschen Arbeitgeberverband e.V. , über die Chancen und Risiken, die die betriebliche Altersvorsorge bietet.

BusinessON: Warum sollten Arbeitgeber einer betriebliche Altersvorsorge zustimmen und warum sollten Arbeitnehmer eine bAV abschließen?

Werner Heinen: Die Arbeitgeber müssen sogar gem. §1a des Betriebsrentengesetz seit dem 01.01.2002 einer Entgeltumwandlung eines Arbeitnehmers bis zu 4% der Beitragsbemessungsgrenze (2.520,-€, ab 2008 2544,-€ jährlicher Umwandlungsbetrag) zulassen bzw. zustimmen. Sie können jedoch einen eigenen Durchführungsweg vorschlagen. Die Arbeitnehmer haben einen geldwerten Vorteil im Sinne der vorgelagerten Besteuerung und der Ersparnis von Sozialversicherungsbeiträge während der Finanzierungsphase. Das bedeutet für z. B. 2.000€ Entgeltumwandlung jährlich setzen Sie je nach persönlichem Steuersatz und der Sozialversicherungspflicht ca. 1.000,-€ aus Ihrem Nettolohn ein.

BusinessON: Welche Chancen haben die Arbeitgeber und Arbeitnehmer beim Abschluss einer betrieblichen Altervorsorge?

Werner Heinen: Das ist insgesamt sehr vielschichtig und würde sicherlich in diesem Interview jeglichen zeitlichen Rahmen sprengen, da es von vielen individuellen Bedürfnissen abhängig ist. Jedoch gibt es klare pauschale Ansätze, wie z. B. aus der Sicht des AN und des AG die Bindung an das Unternehmen und der langfristigen Zusammenarbeit anzustreben. Die Loyalität des Arbeitnehmers an das Unternehmen stärker auszuprägen. Den Arbeitnehmer soziale Sicherheit in der Langfristigkeit zu geben. Vor allem bei unserem Rentensystem das in der 1. Schicht des Alterseinkünftegesetz (Beginn: 01.01.2005) doch immer mehr zu kippen droht. Die Arbeitnehmer profitieren von den vorgelagerten Steuerersparnissen und der Einsparung der Sozialversicherungsbeiträge. Bei einem gut funktionierenden Betriebspensionsmanagement profitiert der Arbeitgeber nicht nur bei den hälftigen Ersparnissen der Sozialversicherungsbeiträge, sondern hat die Möglichkeit sich eine Liquiditätsreserve in Form einer Rücklage bzw. Pensionsrückstellung zu bilden und damit gewinnt er bei Banken an Bonität und Stärke für Investitionen u.a..

BusinessON: Das hört sich ja alles plausibel und gut an, wo jedoch liegen die Risiken einer betrieblichen Altervorsorge?

Werner Heinen: Ja, jetzt kommen Sie zu einem delikaten Thema. Was ich auch nur in Ansätzen in einem Interview schildern kann. Jedoch steckt selbstverständlich der Teufel im Detail. Zunächst müssen Sie davon ausgehen, das die bAV eine Vielfalt von gesetzlichen Grundlagen abverlangt (Grundgesetz, BGB, SGB EStG, BetrAVG, VVG, Arbeitsentgeltverordnung u.v.a. und somit zur Herausforderung eines jeden Steuerberater, Juristen und schlussendlich dem Arbeitgeber der für die ganze Angelegenheit als Treuhänder gem. §1 des Betriebsrentengesetz voll und gänzlich haftet, wird.

Hier ein paar wesentliche Punkte auf die ein Arbeitgeber, aber auch ein Arbeitnehmer achten sollte:

- Produktauswahl (ungezillmerter Tarif) der externe Versorgungsträger (Versicherungen oder andere dürfen Ihre gesamten Kosten (Provision, Verwaltung, Abschluss) nicht auf die ersten drei Jahre beschränken, sondern müssen diese mindestens auf fünf bzw. in Zukunft auf die gesamte Laufzeit verteilen. (Bisher gibt es eine handvoll Unternehmen die diese Leistung überhaupt erbringen) - Den Durchführungsweg (Direktversicherung, Pensionskasse, Pensionsfonds, Unterstützungskasse oder Pensionszusage) – hier gibt es unterschiedliche Nachfinanzierungsrisiken die sich aus dem BetrAVG ergeben. Das größte Risiko haben Sie als AG bei einer Pensionszusage (auch einer rückgedeckten Pensionszusage, Risiko bei der Rückstellungsbildung durch den Zinsfaktor Heubeck). - Einhaltung der Portabilität nach §4 des BetrAVG (dadurch vermehrter Aufwand in der Administration von Alt- bzw. Neuverträgen. Hier spricht man von Übernahmen und Übertragungen von Ansprüchen der AN. Dieses Gebiet ist äußerst umfangreich, jedoch gibt es inzwischen neue Urteile zugunsten von AN die diesen Bereich gesetzlich noch verbessern lassen müssen, um diesen Streitigkeiten aus dem Weg gehen zu können. Es wird an einer Verbesserung dieses Gesetzes fleißig gearbeitet. Hier das aktuellste Urteil 4Sa 1152/06 des LAG München v. 15.03.07. Die externen Versorgungsträger sind ebenfalls derzeit bemüht die Vertragsgestaltungen im Sinne der AN und AG zu verbessern. Doch hier können sich AG bei Nichtbeachtung die meisten Risiken und somit auch Schadenersatzklagen einfangen. - Zusageart (reine Leistungszusage, beitragsorientierte Leistungszusage oder Beitragszusage mit Mindestleistung – bei der Leistungszusage und der beitragsorientierten Leistungszusage können einige Nachfinanzierungsrisiken entstehen (u.a. aus dem §16 des BetrAVG – Anpassungspflicht) Die seit dem 01.01.2005 eingeführte Beitragszusage mit Mindestleistung hat kaum eine Nachfinanzierungspflicht, da Sie sich auf die Mindestleistung (Garantieversprechen des externen Versorgungsträgers) beschränkt.

FAZIT: Wenn Sie als Arbeitgeber Ihren Arbeitnehmern bis heute noch nicht über die Möglichkeit einer bAV und der Entgeltumwandlung informiert haben (und zwar in Form eines Beratungsprotokolls für die Personalakte, eines Aushangs am schwarzen Brett und einer individuellen Versorgungsberatung durch einen Fachberater), dann sollten Sie dies schleunigst veranlassen, da inzwischen 6 Jahre seit der gesetzlichen Reglementierung vergangen sind und das bedeutet für Sie als AG, dass jeder AN der in Ihrem Unternehmen einen solchen Anspruch noch nicht geltend machen konnte, diese Rückwirkend fordern kann, das löst Schadenersatzforderungen in Höhe von 4% der BBG des Entgeltumwandlungsbetrages auf Steuerersparnisse und Ersparnisse der Sozialversicherungsbeiträge aus.

Wenn Sie aktuell einen Rahmenvertrag mit einem externen Versorgungsträger haben, sollten Sie diese auf Herz und Nieren durch einen gut informierten Steuerberater und/oder einen externen Spezialisten in diesem Bereich überprüfen und eine Bestandsaufnahme und Risikoanalyse durchführen. Nur so können Sie gezielt einige Risiken als Arbeitgeber minimieren. Auch können Sie Ihr Betriebspensionsmanagement jederzeit anpassen und somit für sich als AG und Ihren Arbeitnehmern Mehrwerte schaffen. Aktuell haben wir derzeit in Deutschland nur 4 externe Beratungsfirmen, aber auch einige Versicherungsunternehmen bieten inzwischen Beratungshilfen für geringere Beratungshonorare an.

Glossar: bAV – betriebliche Altersvorsorge AG – Arbeitgeber AN – Arbeitnehmer Nach Heubeck – Festlegung der jährlichen Verzinsung von 6% für die Rückstellung BBG – Beitragsbemessungsgrenze Portabilität – Übertragung bzw. Übernahmen von Ansprüchen

Mitgliedern im Deutschen Arbeitgeberverband e.V. in Berlin wird eine entsprechende fachliche Unterstützung in Form von Seminaren für Arbeitgeber und Steuerberater, aber auch individuellen Einzelberatungen angeboten. Unverbindliche Informationen können Sie jedoch auch direkt über Werner Heinen – Tel.: 033708 / 928903 oder Email: [email protected] erhalten.

(Redaktion)


 


 

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1 Kommentar

von Ralf
20.02.08 16:42 Uhr
Private Altersvorsorge

Sehr interessantes Interview!

Gruß Carsten
http://www.rente-vergleich.de

 

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