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  • 07.06.2017, 13:57 Uhr
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  • Baden-Württemberg
Charity

Strampeln für einen guten Zweck

In nur zehn Tagen will Resilienzcoach Karsten Drath ganz allein von Heidelberg nach Verona radeln. Neben der sportlichen Herausforderung hat er sich noch eine zweite auferlegt. Drath will für die ZIS-Stiftung Geld sammeln, da diese ihm in seiner Jugend zwei außergewöhnliche Studienreisen finanziert hat.

„18.000 Euro für 1.000 Kilometer“, so lautet das Ziel für Karsten Drath. Der 47-jährige international tätige Spezialist für Resilienz und Führungskräfte-Coach von Leadership Choices radelt für einen guten Zweck. Drath möchte Geld sammeln für ZIS, dem gemeinnützigen Verein „Zusammenarbeit Internationale Studienreisen“ e.V. mit Sitz in Salem am Bodensee. Der Verein vergibt Stipendien, um jungen Menschen im Alter von 16 bis 20 Jahren außergewöhnliche Studienreisen zu ermöglichen. Ein Stipendium kostet heute inklusive Betreuungskosten 900€, mindestens zwanzig Stipendium will er finanzieren und hat dafür entsprechende Infos sowie ein Fundraising-Konto unter www.betterplace.org/p53158 angelegt. Am 3. Juni startet er seine Radtour von Heidelberg aus über die Alpen bis nach Verona. Dabei legt der ehemalige Triathlet in zehn Tagen rund 1.000 Kilometer zurück und überwindet 10.000 Höhenmeter.

Für Karsten Drath ist diese Aktion eine Herzensangelegenheit. Er selbst hat als Schüler je ein Stipendium für Reisen nach Schottland sowie Island erhalten. Ein Mitschüler von der Schülerzeitung hatte eine solche Reise gemacht, und danach den damals 17-jährigen Karsten Drath einfach für die Bewerbung eines Stipendiums ebenfalls angemeldet. Drath musste sich nur noch ein Forschungsthema für die Reise ausdenken und schon ging es los. „Die Bedingungen für das Stipendium in Höhe von heute umgerechnet rund 325 Euro waren knallhart: Ich musste eine Reisedokumentation über mein gewähltes Thema „Fischfang an der Westküste Schottlands“ abliefern und durfte kein eigenes Geld mitnehmen, sondern musste für meine vierwöchige Tour ausschließlich mit der von ZIS zur Verfügung gestellten Summe auskommen.“

Das war leichter gesagt als getan, doch Drath fand eine Reederei, die ihn und sein Fahrrad kostenlos nach Rotterdam beförderte, bevor er auf eigene Kosten mit der Fähre übersetzte. 1.700 Kilometer radelte der Schüler damals bis Schottland und wieder zurück. Auf seiner Reise lernte er Fischer kennen, die ihn kostenlos bei sich wohnen ließen, ihn zum Fischfang mitnahmen und ihm immer mehr Kontakte verschafften. Für seine gute Reise-Dokumentation gewann er einen Preis in Form eines Stipendiums für eine zweite Reise nach Island. Diese gestaltete sich trotz des auf umgerechnet rund 400 Euro aufgestockten Budgets noch schwieriger, weil die isländischen Behörden ihn gar nicht erst ins Land lassen wollten. Sie fürchteten, sein geringes Budget reiche nicht für vier Wochen Aufenthalt inklusive Rückreise. Doch der inzwischen 19-Jährige kämpfte für sein Vorhaben und wurde am Ende sogar mit einem Interview mit der damaligen isländischen Ministerpräsidentin Finnbogardottir zum politisch brisanten Thema Walfang belohnt. Er durfte sogar auf einer Walfangstation mitarbeiten. „Das Zerlegen der Tiere war wirklich ekelig“, erinnert sich der ehemalige Amnesty International-Aktivist. „Von den Eindrücken und Erfahrungen dieser beiden Reisen profitiere ich allerdings bis heute“, verrät Karsten Drath im Interview. „Nun möchte ich davon etwas zurückgeben und dazu beitragen, dass nach meiner Verona-Tour junge Menschen die gleiche Chance erhalten wie ich vor vielen Jahren“.

Was waren damals Ihre größten Herausforderungen?

Meine Kindheit war durch die Medikamentenabhängigkeit meiner Mutter für mich nicht immer leicht, weshalb ich mich zu einem ruhigen, unsicheren, sehr angepassten Jugendlichen entwickelt hatte. Während der Reisen war ich plötzlich in einem fremden Land, fernab der Heimat und völlig auf mich allein gestellt. Damals gab es weder Handy noch Internet. Meine Reise musste also gut geplant und ich auf jede neue Situation vorbereitet sein. Das war für mich wohl die größte aller Herausforderungen.

Was haben Sie für sich aus diesen Reisen mitgenommen?

Ich habe dabei gelernt, wie man offen und neugierig auf Menschen zugeht, wie man Sonderkonditionen für sich aushandelt. Aber vor allem habe ich für mich gelernt, dass man sich nicht durch Rückschläge von seinem Ziel abringen lassen darf und wie man Hindernisse überwindet, wenn man sich traut, hartnäckig am Ball zu bleiben. Durch das Alleinreisen habe ich mich enorm verletzbar gemacht, zugleich aber auch wundervolle, schier unvorstellbare Erlebnisse gehabt. Ich habe erfahren dürfen, dass wildfremde Menschen einem plötzlich helfen und sich dadurch neue Türen öffnen. Das alles zusammen hat mich für mein Leben stärker, selbstsicherer und zuversichtlicher gemacht.

Einen Teil dieser Erfahrungen haben Sie in Ihren heutigen Job übertragen…

Ja, ich coache Führungskräfte, um sie resilienter also widerstandsfähiger zu machen. Führungskräfte stehen unter enormen Druck, tragen hohe Verantwortung und müssen schnelle, häufig folgenschwere Entscheidungen treffen. Dabei erleiden sie oftmals herbe Rückschläge, geraten in Krisen. Um daran nicht körperlich und seelisch zugrunde zu gehen, sondern bestenfalls gestärkt aus solchen Situationen herauszukommen, müssen sie rechtzeitig ihre Widerstandsfähigkeit aufbauen.

Würden Sie sagen, die ZIS-Studienreisen stärken schon in jungen Jahren die Resilienz?

Das ist tatsächlich so. Durchhaltevermögen und Widerstandskraft waren meine ausschlaggebenden Faktoren, die mich an mein Ziel gebracht haben. Heute nennt man diese Eigenschaften Resilienz. So wie ich damals erfahren habe, dass Limitierungen nur Konstrukte in unseren Köpfen sind, möchte ich heute mindestens zwanzig Jugendliche ebenfalls die Chance für diese Einsichten ermöglichen.

Sie sind beruflich viel unterwegs. Wie bereiten Sie sich auf Ihre Radtour nach Verona vor?

Als ehemaliger Triathlet und mittlerweile Marathonläufer habe ich zum Glück eine sehr gute Fitness und musste jetzt nur noch meine Muskulatur für die nötige Sattelhärte aufbauen. Seit März steige ich so oft wie möglich aufs Rad und drehe meine Runden. Außerdem habe ich zehn Kilo abgenommen.

Sie sind bei dieser Radtour wieder auf sich allein gestellt. Lieben Sie das Risiko?

Natürlich habe ich schon Sorge, dass ich mich überfordere, mir zu viel zumute, mir während der Tour irgendetwas weh tut und ich vielleicht die Strecke gar nicht schaffe. Aber was soll sonst passieren? Ich bin ein sehr vorsichtiger Mensch, riskiere nie zu viel.

Welchen Luxus gönnen Sie sich während der Tour?

Ich werde auf jeden Fall in gediegenen Hotels schlafen, gut essen und abends in die Sauna gehen.

(Patricia Leßnerkraus Freie Journalistin)


 


 

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