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  • 23.09.2015, 17:22 Uhr
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Coaching

Work-Love-Balance: ECA im Interview über Partnerschaft & Karriere

Ein professionelles Coaching verhilft im Business zu mehr Klarheit, Zielstrebigkeit und zu einem besseren Zeitmanagement. Aber auch in der Liebe kann die Überprüfung von eingefahrenen Gewohnheiten mit einem professionellen Coaching zu größerer Zufriedenheit und mehr Beziehungsqualität führen.

Damit dies gelingt, sollte man nicht mehr nur von „Work-Life-Balance“ sprechen, sondern das „Life“ durch mehr „Love“ ersetzen, meint Bernhard Juchniewicz von der ECA. Gefährdet sind besonders Paare, die sich in der „Rush-Hour des Lebens“ befinden, jener Zeit, in der die Weichen für die Karriere und die Familienplanung gestellt werden. Qualifizierte Coachs der ECA (European Coaching Association) bieten deshalb neben Business-Coachings auch gezielt Partner-Coachings an.  

Business on sprach mit Bernhard Juchniewicz, Präsident der European Coaching Association, Management-Lehrcoach und  Partner- und Familiencoach

Business-on.de: Welchen Anteil an Partnerschaftsproblemen haben Beruf & Karriere?

Bernhard Juchniewicz: Man könnte salomonisch sagen: der Anteil ist immer so groß, wie die beiden Partner das zulassen. Ohnehin ist es so, dass Arbeit und Arbeitszeit unseren Lebensrhythmus  bestimmen. Seit ein paar Jahren nehmen die Arbeitszeiten auch wieder zu und die Grenzen zur Freizeit werden fließender. Zum Beispiel durch die Möglichkeit, zuhause zu arbeiten. Es braucht eine hohe Disziplin, um Probleme im Job, was auch immer einen täglich frustriert, nicht oder nur für einen klar umrissenen Zeitraum mit nach Hause zu nehmen. Dass man zuhause über das spricht, was einen im Job belastet, ist selbstverständlich, aber oftmals fehlen unter Partnern klare Regeln über Zeitpunkt, Umfang sowie Art und Weise solcher Gespräche. Da kann es in Stresszeiten schon einmal passieren, dass man den Partner rund um die Uhr mit seinen Sorgen belegt und es noch nicht einmal merkt. Für eine funktionierende Partnerschaft ist es wichtig, dass die Zeiten, in denen Belastungen thematisiert werden, begrenzt werden. Sie dürfen nicht die Beziehung dominieren. 

Business-on.de: Wie kann man Beruf und Partnerschaft unter einen Hut bringen?

Bernhard Juchniewicz: In dem Sie eine gute Partnerschaft genauso als Herausforderung betrachten wie Ihren Job. Im Job gibt es Meetings -  auch die Partnerschaft braucht regelmäßige Bestandsaufnahmen. Dabei geht es nicht um eine gemeinsame Freizeitgestaltung, sondern um ein Besprechen der gemeinsamen „Strategie“. Angefangen von der Organisation des Alltags bis hin zur mittel- und langfristigen Planung. Vergewissern Sie sich in regelmäßigen Gesprächen, dass sie noch an einem Strang ziehen,  dass persönliche und gemeinsame Ziele noch miteinander kompatibel sind. Eine große Gefahr ist der Glaube, dass die persönliche Weiterentwicklung etwas ist, was den Partner nicht betrifft. Gemeinsames Wachstum stärkt. Aber Achtung: Sie können sich in einer Partnerschaft zwar organisieren wie im Management, aber sie müssen sich auch um Ihre Liebe kümmern. Liebe und Partnerschaft dürfen nicht verwechselt werden. 

Business-on.de: Wie halte ich Liebe und Partnerschaft auseinander?

Bernhard Juchniewicz: Auseinanderhalten ist nicht das richtige Wort: schönstes Ziel ist eine liebevolle Partnerschaft, in der beide Partner genau die Bedürfnisse erfüllt bekommen, die sie haben. Mit der Partnerschaft ist eine Art vertraglicher Grundlage für Ihre Liebesbeziehung geschaffen: die sollte eingehalten und gepflegt werden. Machen sie sich bewusst, was es bedeutet, beziehen sie Stellung zu Ihrer Partnerschaft. Das, was Paare zusammenführt - die Liebe -, ist eine Art Naturgewalt, sie lebt von der Spontaneität und von der Hingabe der beiden Partner zueinander. Wie Sie Ihre Liebe leben, ist Ihre ganz persönliche Angelegenheit. Aber sie braucht Zeit und einen Raum, ganz bewusst und zwar an jedem Tag. Sie zu vernachlässigen ist einfach, denn es erscheint uns zunächst selbstverständlich, dass sie da ist und ihr Verschwinden geschieht lautlos und unauffällig. Statt uns um die Liebe zu kümmern, setzen wir gerne andere Prioritäten: neben der Karriere, für die wir uns bewusst entschieden haben, eifern wir auch in der Beziehung gerne Rollenvorbildern nach, die wir übernommen haben und merken nicht, wie uns dies zusätzlich belastet. 

Business-on.de: Wie kann man sich von Rollenvorbildern lösen?

Bernhard Juchniewicz: Rollenvorbilder sind zu allererst einmal etwas Positives, sie geben uns die Sicherheit, das Richtige zu tun. Aber sie müssen mit den eigenen Bedürfnissen und Zielen übereinstimmen. Sich für die Firma aufopfern wie der Vater, aber gleichzeitig immer für die Familie da sein, für die Familie sorgen wie die Mutter, aber gleichzeitig selbst Karriere machen? Das führt schnell zu einseitiger Belastung und Überforderung. Lassen Sie nicht zu, dass Ihre Partnerschaft von Phantomen bestimmt wird. Vorgaben innerhalb der Partnerschaft machen einzig die Partner untereinander. Sprechen Sie darüber, nur so können auch unbewusste Stressoren gefunden werden. 

Business-on.de: Sind Frauen da eher im Vorteil, wenn es darum geht, Privates und Karriere unter einen Hut zu bringen? 

Bernhard Juchniewicz: Das ist eine eher statistische Frage, zu der es auch immer wieder Studien gibt. Erwiesen ist ja wohl der „Karriereknick“  bei Frauen, wenn die Familienplanung in die Tat umgesetzt wird, während Männerkarrieren in dieser Zeit stringent verlaufen. Aus meiner Erfahrung im Coaching kann ich sagen, dass Frauen oft ein besseres Gespür für ihr Wohlbefinden haben, und auch oft besser wissen, was dem Partner oder der Partnerschaft gut tut und vielleicht deshalb prädestinierter dafür sind, die Work-Love-Balance zu leben.

Business-on.de: Gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede – auch im Coaching?

Bernhard Juchniewicz:  Ich biete im Coaching die Entwicklung einer Partner Corporate Identity an, in der ich sowohl mit beiden Partnern zusammen als auch in Einzelgesprächen daran arbeite, mit dem Paar ihre  gemeinsame Lebensvision und –mission zu entwickeln, gemeinsame Sinnfindung, Lebenszufriedenheit, neues Vertrauen zu finden. Jeder wird dort abgeholt, wo er steht, sonst finden sie nicht zusammen. Und jeder erarbeitet seine individuellen Ergebnisse, einen Unterschied zwischen den Geschlechtern würde ich hier gerade nicht machen.  

Business-on.de:Und zum Schluss Ihr persönlicher Tipp, wie man die Work-Love-Balance hinbekommen kann.

Bernhard Juchniewicz: Zeit füreinander ist das Zauberwort. Machen Sie eine Woche lang einen Test. Stellen Sie sich einen Tag mit 24 Stunden vor. 24 Stunden sind 1440 Minuten. Nehmen Sie sich eine Woche lang täglich nur vier Prozent Zeit für die Liebe, das sind 57,6 Minuten. Zweckfreie Zeit, ohne organisatorische Fragen oder Fernsehen. Zeit, in der Sie nachspüren, wie nah Sie ihrem Partner sind, dass sie sich gegenseitig verstehen und anerkennen. Sexualität ist für diese Nähe ein wichtiger Faktor, aber nicht der Einzige.

Nutzen Sie die Zeit, sich um Ihren Partner zu kümmern. Sie werden ihn ganz neu kennenlernen und Sie lernen Ihre Partnerschaft wieder als Quelle für Energie und Lebensfreude zu schätzen. 

(Redaktion)


 


 

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