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Kolumne von Alexandra Schwarz-Schilling

Der Boom an Coaching Ausbildungen dokumentiert die Sehnsucht nach Selbsterkenntnis und anderen Werten

Dass Coaching boomt, ist nichts Neues. Coaching boomt in mehreren Richtungen. Zum Einen wird Coaching in immer mehr Branchen zu immer mehr Themen nachgefragt. Zum anderen scheint der Beruf „Coach“ eine ungebrochene Anziehungskraft zu besitzen, die auch die Nachfrage nach Coaching Ausbildungen nicht abreißen lässt. Was könnte hinter der Attraktivität dieses Berufsbildes stecken?

Coaching ist nach wie vor im Trend. Dieser Trend erobert immer neue Bereiche, Branchen, Zielgruppen und Themen. Was früher nur in großen Unternehmen einigen Führungskräften vorbehalten war, ist inzwischen beim ganz normalen Menschen angekommen: Es lohnt sich, sich für den nächsten Schritt im Leben Unterstützung zu holen, von einem Prozessprofi, der Freude daran hat mit mir meine Situation zu reflektieren, neue Perspektiven aufzuzeigen, Denkanstöße zu geben und der mir hilft für mich persönlich genau die richtige Lösung zu finden. Wer würde nicht gerne eine solche Person sein? Gerade in Zeiten in denen die Quantität der Kommunikation zwar extrem zugenommen hat, die Qualität der Kommunikation über Floskeln und Belanglosigkeiten aber oft nicht hinauskommt.

Im Coaching machen wir immer wieder die Erfahrung, dass viele Menschen mit Ende 30 feststellen, dass sie da wo sie beruflich gerade stehen irgendwie reingerutscht sind. Die meisten Menschen arbeiten an der Stelle an der sie arbeiten „weil es sich so ergeben hat. Irgendwie ging es immer weiter ohne dass ich viel dafür tun musste. Auf einmal stelle ich fest, dass mir diese Arbeit keinen wirklichen Spaß macht. Es ist immer das Gleiche, ich habe nicht das Gefühl mir diese Arbeit wirklich ausgesucht zu haben. Außerdem hätte ich gerne mehr mit Menschen zu tun.“

Coaching trifft hier einen Nerv der Zeit und das nicht nur auf der Nachfrageseite. Auch die Angebotsseite wächst in alle Richtungen und das ist sicherlich kein Zufall. Immer mehr Menschen entscheiden sich für eine Coaching Ausbildung, nicht alle wollen danach als professioneller Coach arbeiten aber für viele Menschen ist Coach ein äußert attraktives Berufsbild, dass sich auch noch individuell mit dem bisher im Leben geleisteten gut kombinieren lässt. Eine Coaching Ausbildung zu machen ist auf jeden Fall eine sehr intensive Form des Coachings, zumindest, wenn in der Ausbildung ein entsprechender Anteil für Selbsterfahrung reserviert ist. Was ist also so attraktiv am Berufsbild Coach?

Das Berufsbild Coach vereinbart vieles von dem, was uns in unserer beruflichen Alltagskultur fehlt:

  • Interesse an Selbsterkenntnis: um andere Menschen dabei zu unterstützen herauszufinden, was sie wirklich wollen und dann kreativ Möglichkeiten zur Umsetzung zu erarbeiten, ist es wichtig sich diesbezüglich selbst wirklich erforscht und gefordert zu haben.
  • Interesse an Menschen: ohne echtes Interesse an anderen Menschen sollte man diesen Beruf weder anstreben noch ausüben. Viele Menschen haben aber ein echtes Interesse an anderen Menschen und es gibt offensichtlich zu wenige Berufe, in denen dieses Interesse gefragt ist!
  • Es erfordert Kompetenzen, die lange gar nicht als Kompetenz erkannt oder gewünscht wurden: Die Fähigkeit zuzuhören, sich empathisch einzuschwingen und die richtigen Fragen zu stellen.

Die meisten Menschen möchten etwas Sinnvolles tun und ihren Beitrag zur Gesellschaft leisten. Was als sinnvoll und auch als Beitrag zur Gesellschaft betrachtet wird hängt von den gelebten Werten, den Ressourcen und den Interessen einer Gesellschaft ab und unterliegt natürlich einem Wandel. Die Nachfrage nach Coaching Ausbildungen dokumentiert eindrucksvoll diesen Wandel. Häufig wird diese Nachfrage kritisch gesehen: der Markt werde mit Coaches überschwemmt, es gäbe keine Arbeit für so viele Coaches. Unsere Antwort darauf: dass immer mehr Menschen selbst als Coach arbeiten wollen und dort auch eine Zukunft für sich sehen ist schon ein Zeichen des Wandels. Eine Kultur in der die wahren Bedürfnisse von Menschen wieder mehr im Zentrum stehen, als Bedürfnisse nach immer mehr unnötigen Produkten und inhaltsleeren Dienstleistungen wird gute Coaches brauchen, um unsere Märkte entsprechend umzubauen und eine Menschen- und lebensfreundlicheren Arbeits- und Lebenskultur zu etablieren.

(Alexandra Schwarz- Schilling)


 


 

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