Weitere Artikel
Unternehmenskommunikation

Die drei Fallen der Unternehmenskommunikation

Kennen Sie die drei Fallen der Unternehmenskommunikation? Die Floskel-Falle, die Wir-schreiben-in-unsere-Kundenzeitung-was-wir-wollen-Falle und die Mailings-funktionieren-bei-uns-nicht-Falle? Die Dozentin und Autorin Anja König rückt ihnen humorvoll und praxisnah zu Leibe ...

1. Die Floskel-Falle

Floskeln zeichnen sich dadurch aus, dass sie von sehr vielen Menschen sehr oft benutzt werden - meist ohne darüber nachzudenken. Das Problem daran ist, dass der Leser sie entweder überliest oder ihnen keinen Glauben schenkt. Wenn Sie also etwas Wichtiges sagen wollen, sollten Sie hierfür keine Floskel benutzen. Vielleicht kennen (und verwenden?) Sie „Nutzen Sie unser Know-How“ oder „Wir wollen Sie begeistern“? Auch „zukunftsorientierte Lösungen“ und „innovative Produkte“ gehören dazu. Mehr Beispiele finden Sie der kleinen Floskel-Schwarzliste auf meiner Internetseite.

Fragt man nach, was mit einer Floskel gemeint ist, ist da oft nur Luft, die schnell entweicht. Manchmal sprudeln aber auch Sätze wie „Wir sind das Problem an der Wurzel angegangen und können deshalb eine gründlichere und auch noch preiswertere Lösung als der Wettbewerber anbieten.“ Glaubwürdiger kann das kaum ein Werbetexter sagen. Wie sollte er auch, denn Firmeninterna erhalten Texter meist nicht. Unternehmen teilen mit, wie sie gesehen werden wollen und Texter gießen dieses idealisierte Bild in eine möglichst originelle Form. So entstehen Sätze, wie sie von fast jedem Unternehmen verwendet werden könnten – und auch werden. Floskeln tummeln sich übrigens sowohl in werblichen als auch nichtwerblichen Texten.

Fazit: Was zu oft wiederholt wird, klingt abgedroschen und leer, wird nicht mehr wahrgenommen oder unglaubhaft. Fragen Sie sich immer wieder, was Sie mit einer Formulierung sagen wollen. Und wenn Sie es nicht wissen, lassen Sie sie weg.

2. Die Wir-schreiben-in-unsere-Kundenzeitung-was-wir-wollen-Falle

Haben Sie eine Kundenzeitung? Wenn ja, warum? Keine Sorge, wenn Sie diese Frage nicht beantworten können: Sie sind nicht allein. Manche Unternehmen antworten immerhin „Kundenbindung“ oder „Image“. Aber wie Kundenbindung durch die Zeitung entstehen oder welches Images erzielt werden soll, wissen sie nicht. Grundsätzlich gilt: Eine Kundenzeitung allein bindet noch niemanden. Dafür ist neben Zufriedenheit und High Involvement auch eine regelmäßige Kommunikation nötig. Die Kundenzeitung kann Teil dieser Kommunikation sein. Sie kann auch den Imageaufbau unterstützen. Dies geschieht z. B. durch Bilder und Farben, die Papierqualität und den Text. Über diese Zusammenhänge machen sich die wenigsten Unternehmen Gedanken.

Welche Ziele Sie auch verfolgen – erfüllen Sie zuallererst die Erwartungen Ihres Lesers. Doch was will der Leser? Meist will er Unterhaltung, Vorteile und Wissen. Wenn Ihre Kundenzeitung statt dessen nur Werbung ist, verlieren Sie den Vertrauensvorschuss, den Firmenpublikationen genießen. Es geht nicht um die Penetration des Firmennamens, Logos oder Slogans, sondern um Unterhaltung, Vorteile, Interaktion und Information. Es ist übrigens keine Information, wenn Sie schreiben, dass die Messe (oder der Tag der offenen Tür, der Firmenausflug usw.) „sehr erfolgreich war“, „viele Besucher kamen“ und Sie das Ganze im nächsten Jahr „unbedingt wiederholen wollen“. Fragen Sie sich eher, was Sie über Ihre Produkte, Dienstleistungen, Aktivitäten oder Haltungen im Zusammenhang mit dieser Veranstaltung mitteilen wollen.

Fazit: Der Leser will von einer Kundenzeitung meist etwas anderes als Sie. Trotzdem lassen sich die unterschiedliche Ansprüche vereinbaren – mit einem klugen Konzept und mit konsequenter Ausrichtung auf den Leser.

3.Die Mailings-funktionieren-bei-uns-nicht-Falle

„Haben wir schon versucht, bringt nichts!“ – wenn man mit Unternehmen spricht, hört man diesen Satz oft. Und er stimmt. Zum einen, weil einmalige Aktionen heutzutage meist deutlich weniger bringen als noch vor ein paar Jahren und zum anderen, weil das Mailing, das dann aus der Tasche gezogen wird, den Misserfolg meist schnell erklärt.

Gute Werbemailings zu schreiben ist nicht einfach. Sie benötigen Einfühlungsvermögen und Kenntnis der Zielgruppe, Ideen und Wissen über die Besonderheiten von Werbebriefen. Mit ein paar Tricks ist es nicht getan. Formulierungen wie „... sollten wir uns kennen lernen“ wirken abgegriffen und arrogant. Der Leser sollte gar nichts. Häufig disqualifizieren sich Mailings auch bereits durch eine schlechte Vorbereitung: „An die Geschäftsleitung Marketing/Vertrieb“ oder „Sind Sie diejenigen, die in Ihrem Haus die Aufgabe haben ...“ Der Absender bringt damit zum Ausdruck, dass er sich vorher nicht ausreichend informiert hat und stellt dem Empfänger rhetorische Fragen, die er hätte selber klären müssen. Slogans wie „Am Anfang steht der Kunde“ oder „Bei uns ist der Kunde König“ sind nur Floskeln und eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Das heißt nicht, dass Sie auf einen Slogan verzichten müssen, jedoch sollte er besser den Nutzen Ihres Angebotes oder Ihr Alleinstellungsmerkmal zum Ausdruck bringen.

Fazit: Ein gutes Mailing macht aus einem schlechten Produkt oder einer schlechten Dienstleistung keinen Renner. Aber wenn Sie Ihre Mailings nach diesen Kriterien überarbeiten, verhindern Sie, dass Ihr Mailing schon wegen solcher leicht zu beseitigender Mängel K.O. geht.

(Anja König)


 


 

Anja König
Unternehmenstexte
Kommunikation
Floskeln
Unternehmenskommunikation

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Anja König" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: