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  • 01.03.2017, 13:06 Uhr
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  • Düsseldorf
Die Jamin-Kolumne: Auf einen Cappuccino

Masken und Musen – Verhüllung und Enthüllung

Wer jetzt noch kein Kostüm hat, braucht viel Phantasie, um noch im Reigen der Maskeraden mitspielen zu können. Unser Kolumnist hat verraten, dass er drei Kostüme besitzt – das des Mönchs, des Edelmanns und des Clowns. Drei Welten für drei Stimmungen.

Am Karneval-Freitag werde ich mir eine kleine schwarze Maske aufsetzen und in meine Lieblingsbar „Colette“ im Düsseldorfer Stadtteil Oberkassel gehen.

In diesem Jahr wurde ich auf Karneval sorgsam vorbereitet. Vor zwei Wochen besuchte ich das Apollo-Theater, wo ein rasanter „Karneval in Venedig“ über die Bühne spritzte – Masken-Spiele schöner Frauen im Glitzerlicht. Auch streifte ich durch die Ausstellung „Hinter dem Vorhang“ im Museum Kunstpalast, wo es um „Verhüllung und Enthüllung seit der Renaissance“ geht.

Vieles war neu für mich, vieles hat – wie so oft bei einem Museumsbesuch – mein Staunen erweckt. Etwa Max Beckmanns 1925 entstandenes Gemälde „Doppelbildnis Karneval“. In dezenten Farben treten da zwei Kostümierte sinnlich-still vor den Vorhang, der die Aufmerksamkeit ganz auf die Portraitierten lenkt – keine Ablenkung durch Requisiten, Landschaft oder Möbel.

In der Bar „Colette“ werden sich die Gäste am Karneval-Freitag nicht nur hinter einer schönen Maske verstecken, sondern auch hinter einem Vorhang verschwinden können.

Hinter dem edlen Stoff, bei anregender Beleuchtung, Gefühle weckender Musik und – hoffentlich – mit stilvollem Agieren können die Schönen der Nacht verhüllt unter sich sein und sich ganz der Nähe und dem engen Miteinander hingeben. Viele Menschen lieben ja die Verhüllung und die Maskerade. Versteckt hinter einer Maske, im Dämmern einer verhüllten Tanzfläche geben wir gerne preis, wie wir sind, was wir denken und fühlen. Selbst langjährige Partner wissen ja manchmal nicht wie der andere wirklich tickt. Denn meist bewegen wir uns hinter Fassaden, die wir nur selten niederreißen. Karneval bietet natürlich vielen die Gelegenheit, sich zunächst zu verhüllen und sich im richtigen Moment der Hüllen zu entledigen. Gerne streicht man mit einer Fremden oder mit einem Fremden nicht nur um Häuserecken oder durch dunkle Flure, sondern mehr noch ins Bett, ohne wirklich viel mehr als nackte Haut von sich preiszugeben.

Wer zieht sich auch schon gerne völlig nackig aus für eine Begegnung nur für eine Nacht.

In der Modestadt Düsseldorf sind wir ohnehin alle kleine Experten für die Verhüllung. Was ist Mode anders als eine Illusion?

Morgens sind wir gekleidet wie ein Flaneur, mittags kehren wir den Edelmann heraus und nachts den Rocker. Durch Verhüllung beweisen wir herbe Stärke oder die zärtliche Romantik eines Gigolos. Dazu brauchen wir nicht einmal Masken. Da genügt das richtige Sacco, die richtige Frisur und natürlich der hintergründige Augenaufschlag. Ja, Karneval bietet uns an jeder Straßenecke Gelegenheit für eine Verhüllung. Allein in meinem Lieblingsstadtteil Oberkassel bewegen wir uns durch Welten: Neben der „Stilvollen Maskerade in der Bar Colette“ gibt es etwa die „Sassafari“ im Sassafras und „Das jüngste Gericht“ im Chateau Rikx – Marquis de Sade, Ernest Hemingway und der Boccia-Papst laden zur Party ein. Wenn wir ehrlich sind, kehren wir gerade zu Karneval unser Inneres nach außen. Der Verbrecher wird zum Edelmann, die Lehrerin zur Hure, der Bürokaufmann zum Steampunk. Wie schön, wie wunderbar, dass es Karneval gibt und vor allem die vielen phantasievollen Masken, hinter denen wir unser geheimes „Ich“ verstecken können.

Bleiben Sie fröhlich. Bis nächsten Freitag. Auf einen Cappuccino...
                                     Ihr Peter Jamin

Unser Autor arbeitet als Schriftsteller und Publizist sowie als Berater für Kommunikation seit Jahrzehnten immer wieder auch für ausgewählte Projekte. Sein soziales Engagement gilt der Situation von Angehörigen vermisster Menschen, auf deren Situation er in Büchern, TV-Dokumentationen und Artikeln seit mehr 20 Jahren aufmerksam macht. Mehr unter www.jamin.de

(Peter Jamin)


 


 

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